Lemke "Wie eine Urlaubertruppe"
Bremen - Den geringen Stellenwert bedauert Lemke "außerordentlich, ich gehöre noch zu der Generation, für die die Nationalmannschaft noch eine andere Bedeutung hat", sagte der SPD-Politiker dem "Weser-Kurier". Den Grund für die Entwicklung sieht Lemke in der "Überbetonung des Geldes."
"Alle reden ja nur noch von der Champions League und den fetten Einnahmen. Und natürlich haben auch die Spieler heutzutage viel zu viele sichere Einnahmen, egal, wie gut oder wie schlecht sie spielen. Das verdirbt die Sitten halt immer mehr", meinte Lemke. Es gebe keine vereinstreuen Spieler mehr wie die Bremer Dieter Eilts, Marco Bode oder Andreas Herzog. "All das sind viele Mosaiksteinchen, und am Ende führt das dann dazu, dass Fußballer wie eine Urlaubertruppe ins Spiel gehen, so wie gegen Portugal."
Es reiche nicht aus, "jetzt ein paar neue Gesichter aufzutreiben, man muss dringend auch über neue Strukturen nachdenken. Beim DFB sind eben viele Abläufe immer noch so, wie sie immer waren." Als neuen Bundestrainer wünscht sich Lemke eine "starke Persönlichkeit, die das Vertrauen aller hat. Von Doppel-Lösungen oder Teammanagern halte ich nichts." Sein Wunschkandidat sei Arsene Wenger (Arsenal London), "aber der hat ja abgesagt".
Lemke warnte vor einer radikalen Verjüngung der Nationalmannschaft auf Kosten der Qualifikation für die WM 2002: "Ich glaube nicht, dass Deutschland sich das erlauben kann. Und es würde ja auch nichts bringen, mit einer verstärkten A-Jugend anzutreten. Es muss ein Mittelweg gefunden werden - erfahrene, zuverlässige Mannschaftsspieler und drumrum junge hungrige Leute. Zum Beispiel Frank Baumann oder Torsten Frings."
Zur Behauptung des designierten DFB-Präsidenten Gerhard Mayer- Vorfelder, der DFB gebe schon mehr denn je für die Nachwuchsförderung aus, meinte der Ex-Manager: "Ich habe ihm gesagt, er soll nicht die Portokasse aufmachen, sondern die große Geldbörse. Es muss doch nicht sein, dass die schönen Fernsehgelder nur in horrende Ablösesummen oder Gehälter umgewandelt werden. Bislang war die Nachwuchsförderung zu halbherzig."