Leverkusen Berti als Wetterfrosch
Athen/Leverkusen - "Wir werden versuchen, die Spieler wieder aufzurichten und ihnen mehr Frische zu vermitteln", sagte Vogts und versprach für das anstehende Liga-Topspiel des Zweiten gegen Spitzenreiter Hertha BSC den Beginn eines neuen Hochs. "Wir sind nach einer enttäuschenden Leistung ausgeschieden, aber am Sonntag wird für Leverkusen wieder die Sonne scheinen", stellte Vogts die Rückkehr an die Tabellenspitze in Aussicht.
Der 53-Jährige war schier entgeistert über die äußerst schwache Darbietung seines Personals, das auf internationaler Ebene in dieser Saison erneut enttäuschte. Knallhart entzog der Ex-Bundestrainer den Versagern das Vertrauen: "Es wurde gefragt, warum wir neue Spieler wollen. Gegen AEK hat man gesehen warum." Deswegen rüstete Bayer 04 umgehend weiter auf und ist bereit, dafür mindestens 32 Millionen Mark zu zahlen. Manager Reiner Calmund meldete noch vor dem Abflug der Leverkusener aus Athen, dass seine Einkaufstour in Südamerika erfolgreich war. Mit dem Brasilianer Lucio (22) von Internacional Porto Alegre und dem Argentinier Diego Placente (23) von River Plate Buenos Aires erzielte er Einigungen über Vertragsabschlüsse.
Nach Berichten südamerikanischer Medien kostet Lucio etwa 17,5 Millionen Mark, für Placente werden rund 14,5 Millionen fällig. Beide Clubs pokern aber noch um die Ablösesummen. Bei den verpflichteten Topstars handelt es sich um Verteidiger, die als Alternativen zu den in einer Formkrise befindlichen Kroaten Robert Kovac und Boris Zivkovic geholt wurden. "Wir haben gespielt wie eine Oberliga-Mannschaft", schimpfte Torjäger Ulf Kirsten nach der Pleite beim griechischen Pokalsieger, dessen Erfolg nach dem 4:4 im Hinspiel von Vogts als "hoch verdient" bezeichnet wurde. Neben den kroatischen Defensivkräften enttäuschte vor allem der Deutsch-Brasilianer Paulo Rink, den Vogts nach einer Stunde gegen den Amateur Markus Daun austauschte. Als Rink wegen seiner Auswechslung meckerte, wurde der neue Bayer-Trainer wütend: "Da ist der auch noch beleidigt. Mir reicht es langsam."
Die Hauptproblem der Leverkusener, die binnen eines Monats in der Champions League, im Uefa-Cup und im DFB-Pokal scheiterten, skizzierte Vogts selbst: "Ich muss als Trainer fragen: Warum verlieren wir die entscheidenden Spiele?" Damit sprach der Fußball-Lehrer nicht nur den faden Auftritt beim 0:2 am vergangenen Samstag beim FC Bayern an. Unterhaching, Maribor, Udine, Madrid - die Ortsnamen stehen für jene Partien, in denen Bayer-Profis viel erreichen konnten, aber als Wiederholungstäter kläglich versagten. Die Antwort auf seine Frage wollte Vogts nicht geben. "Das ist ja das Problem; ich kann und darf es nicht. Ich kann nicht drauf hauen, wir müssen noch die nächsten Spiele überstehen", sagte er.
Vor dem Spiel hatte Vogts kritisiert, seine Spieler reagierten auf Niederlagen völlig desinteressiert. Doch trotz einiger harter Worte agierte sein Team gegen AEK wie eine hochbezahlte Söldner-Truppe, die vor allem die pünktlichen Zahlungen der Millionen-Gehälter im Auge hat. Einsatzwille und Kampfbereitschaft waren erneut Fremdwörter für das verwöhnte Bayer-Personal. Zwar fehlten mit den verletzten Michael Ballack und Jens Nowotny zwei Leistungsträger, aber eine wirkliche Topmannschaft würde den Ausfall besser kompensieren. Doch die Ursachenforschung wurde gestrichen. Nationalspieler Carsten Ramelow legte die Einstellung an den Tag, die Vogts so ärgert: "Lange grübeln bringt uns nicht weiter. Wir müssen uns auf Sonntag konzentrieren."
AEK Athen - Bayer Leverkusen 2:0 (1:0)
1:0 Navas (16.)
2:0 Tsartas (49.)
Athen: Atmatzidis - Rodrigo - Kostenoglu, Kapsis - Zagorakis
(71. Petkow), Zikos, Kassapis, Tsartas (88. Maladenis), Lakis -
Navas (89. Karajainis), Nikolaidis
Leverkusen: Matysek - Hoffmann (65. Schneider), Ramelow,
Zivkovic, Kovac - Neuville, Vranjes, Neuendorf (46. Ojigwe), Ze
Roberto - Rink (53. Daun), Kirsten
Schiedsrichter: Dauden-Ibanez (Spanien)
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lakis - Kirsten, Neuendorf