Lienens Entlassung: "Wir mussten handeln" - DER SPIEGEL
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Lienens Entlassung "Wir mussten handeln"

Obwohl der Präsident in den vergangenen Wochen immer wieder Treue gegenüber seinem Trainer geschworen hatte, ist Ewald Lienen auf Grund anhaltender Erfolglosigkeit beim 1. FC Köln entlassen worden.
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Köln - Nach der bedenklichen 0:3-Niederlage gegen 1860 München und dem Abrutschen auf den 16. Tabellenrang hat der 1. FC Köln die Notbremse gezogen. Am Montag wurde Trainer Ewald Lienen, 48, nach monatelangen Solidaritätsbekundungen seitens der Funktionäre beurlaubt. "Wir bedauern diese Entwicklung, aber auf Grund der sportlichen Entwicklungen und der prekären Situation des Vereins mussten wir handeln", sagte FC-Präsident Albert Caspers am Montag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Lienen ist nach Frank Pagelsdorf (Hamburger SV), Werner Lorant (TSV München 1860) und Friedhelm Funkel (Hansa Rostock) der vierte Coach, der in der laufenden Bundesliga-Saison vorzeitig gehen musste. Als Nachfolger für Lienen steht zunächst Christoph John zur Verfügung. Der FC-Amateurtrainer hat zusammen mit Assistent Jan Kocian am Montagnachmittag bereits das Training des Profi-Kaders geleitet und soll die Mannschaft am Mittwoch im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Hertha BSC Berlin betreuen. Die Trennung von Lienen ist die 259. Trainerentlassung seit der Bundesligagründung im Jahre 1963.

Kein Konzept erkennbar


Obwohl Ewald Lienen in Köln zeitweise von der gesamten Stadt als Kultfigur ("Neues vom Hemd") verehrt wurde, häuften sich zuletzt die kritischen Stimmen. Besonders die über die gesamte Saison schon anhaltende Sturmflaute sorgte immer wieder für Diskussionsstoff. Seit 509 Minuten hat der FC das Tor nicht mehr getroffen. Nicht nur die Fans motzten, auch aus Spielerkreisen wurde Kritik hinter vorgehaltener Hand geäußert. "Erst üben wir im Trainingslager ein 3-5-2-System, und dann wird am Ende wieder alles über den Haufen geworfen", hieß es. Am Sonntagabend sollen die FC-Spieler nach einer mannschaftsinternen Krisensitzung die Ablösung ihres Trainers gefordert haben.

Nach der ernüchternden Vorstellung bei den "Löwen" spitzte sich die Situation zu. Besonders Lienens Schönrederei nach dem Spiel ("Wir waren die spielbestimmende Mannschaft und hätten nie verlieren dürfen") sorgte für Unmut. Der ständige Aufstellungspoker - Lienen setzte bislang 28 Spieler in 19 Partien ein - wurde kritisiert, beim Vorstand schwand die Hoffnung auf eine Wende, nachdem Lienens erfüllte Wünsche nach neuen Spielern (Laslande, Zellweger, Song) keine Früchte trugen.

"Ich musste als Präsident eine solche Entscheidung treffen, denn unsere zweite Bundesliga-Saison nach dem Wiederaufstieg hat sich nicht so entwickelt, wie wir uns das nach der ersten Saison erhofft hatten", so Caspers: "Wir befinden uns in einer schwierigen Lage, aus der wir meiner Meinung nach nur mit einem neuen Trainer herauskommen können." Der Präsident skizzierte sofort ein Anforderungsprofil für Lienens Nachfolger: "Er sollte die Liga und die Situation, in der wir uns derzeit befinden, kennen."

Funkel bietet sich an


Der erste Name, der als Lienen-Nachfolger genannt wurde, war Friedhelm Funkel. Der erst Anfang Dezember in Rostock entlassene Funkel hatte Lienens Trainerstuhl schon in Duisburg beerbt. "Ich habe noch mit keinem gesprochen. Wenn jemand Interesse hat, bin ich zu Gesprächen bereit. Es ist durchaus möglich, dass ich noch in dieser Saison wieder einsteige", sagte Funkel auf Sid-Anfrage des am Montag.

Lienen hatte am 1. Juli 1999 seinen Dienst beim damaligen Zweitligisten angetreten und den 1. FC Köln zurück in die Bundesliga geführt. In dieser Saison konnte der Coach mit seinem Team nicht mehr an die Leistungen der vergangenen Spielzeit (Rang zehn) anknüpfen. In 19 Bundesliga-Spielen erzielten die "Geißböcke" nur elf Treffer, gingen elfmal als Verlierer vom Platz und kassierten in dieser Spielzeit den Negativrekord von sieben Niederlagen in Folge. Seit 20 Wochen ist der Renommierklub vom Rhein ohne Heimsieg. "Wir waren auch in der Winterpause noch der festen Überzeugung, die Mannschaft auf Kurs zu bringen. Aber das hat sich leider nicht bestätigt", sagte Caspers.

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