Logbuch eines Fußballprofis: Absturz in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Logbuch eines Fußballprofis Absturz in Frankfurt

Die Kolumne des Rostockers Bundesligaprofis Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE: Drittes Spiel, dritte Niederlage und eine Trainerentlassung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist kein lauer Septemberabend, an dem wir in tiefe sportliche Depressionen gestürzt werden. Nein, es ist ein verregneter, grauer Bundesligaspieltag, an dem wir von einer durchschnittlich spielenden Frankfurter Mannschaft mit 0:4 verprügelt werden.

Am Tag darauf greifen dann die "Gesetzmäßigkeiten des Geschäftes". Das "schwächste Glied in der Kette", unser Trainer Andreas Zachhuber, wird von der Vereinsführung entlassen. Trotz einiger Missverständnisse, die ich mit Zachhuber in der jüngeren Vergangenheit hatte, möchte ich sagen, dass mir die Zusammenarbeit über den größten Teil der Zeit Spaß gemacht hat. Zurück zum Spiel.

Das Ergebnis vom Mittwochabend steht für sich, egal wie es zu Stande kam. Wen interessiert es hinterher, dass wir in der ersten Halbzeit ein paar gute Torchancen hatten, dass wir in den zweiten 45 Minuten zweimal den Pfosten trafen. Nein, in unserer Situation gelten solch positive Ansätze als Augenwischerei und Nichterkennen der Realität.

Rückblende. Das Spiel ist seit einer Stunde beendet. Und in der Annahme, meine Kulturtasche vergessen zu haben, gehe ich kurz vor der Abfahrt unseres Mannschaftsbusses noch einmal zurück in die Gästekabine des Waldstadions.

Was ich dort sehe, lässt mich an einen schlechten Westernfilm denken: Ein einsamer Cowboy auf der Suche nach Anschluss im Leben reitet durch die verlassene Stadt, und alles was sich bewegt, ist die seit Jahren unbenutzte Tür des Saloons. Natürlich weht der Wind den obligatorischen Strohballen über den Staub der Straße...

Auf dem Tisch unserer Kabine liegen ein paar bräunliche Bananen, umgeben von der Gulaschsuppe, die mich eher an ein umgekipptes Schulbiotop erinnert. Auf dem Boden sehe ich die angebissenen Butterkuchenstücke, die dort fallen gelassen worden sind, weil sie so staubig schmeckten, dass sie bei keiner Beerdigung mehr Berücksichtigung gefunden hätten.

Meine Kulturtasche habe ich nicht finden können, bezeichnend für diesen Abend hatte ich sie wohl schon vor dem erstmaligen Einsteigen in den Bus in meine Sporttasche gepackt. Was ich stattdessen fand, war ein alter Bekannter: Felix Magath und die Erkenntnis, dass meine Körpertemperatur beim Handshake mit dem "Magier" tatsächlich stabil blieb.

Sie wollen sicher wissen, wie ich denke, dass es mit Hansa Rostock jetzt weitergeht? Tja, nach der dritten Saisonniederlage ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Mit jeder weiteren Niederlage werden Körper und Beine müder, geradeso, als sei man von einer heimtückischen Krankheit befallen. Wir warten sehnsüchtig auf die Erlösung und wissen aber jetzt, dass wir am Beginn einer verdammt schweren Saison stehen.