Logbuch eines Fußballprofis Das gewisse Etwas
Dachte ich in der Vergangenheit an Bayer 04 Leverkusen, fielen mir zwangsläufig Calmund, Kirsten, Daum und chemische Substanzen ein. Und zwar genau in dieser Anordnung. Nicht dass ich keinen Respekt vor dem sportlichen Repräsentanten des Bayerkonzern hatte. Nein, es war nur, dass mich schon seit Jahren der Gedanke beschlich, der Fußballmannschaft von Leverkusen fehle das gewisse Etwas.
Immer dasselbe Gefühl
Nehmen wir doch einmal die Ära unter Herrn D. Haben Sie wirklich jemals das Gefühl gehabt, dass Christoph Daum mit seiner Truppe hätte Deutscher Meister werden können? Oder, falls Sie sich in den vergangenen Jahren für die Champions League interessiert haben, war es dann nicht immer so, dass auch Sie schon vorher wussten: Spätestens nach der Vorrunde ist es sowieso wieder vorbei?
Mir ging es ebenso wie Ihnen. Nie hatte ich den Eindruck, dass dieser Verein in naher Zukunft irgendeinen Titel gewinnen könnte. Nach Daum kam Berti Vogts. Und mit ihm gleich ein ganzer Trainerstab. An meinem Gefühl änderte das allerdings nichts. Nur beschlichen mich nach dem Berti-Desaster mehr und mehr Zweifel ob der Calmundschen Fachkompetenz.
Die Sache mit dem Zettel
Ehrlich gesagt, hatte ich Bayer 04 Leverkusen für die gerade angelaufene Saison nicht so richtig auf dem Zettel. Aber das hat sich nach unserem Match vom Samstag schlagartig geändert.
Der neue Trainer, Klaus Toppmöller, schlenderte vor Spielbeginn völlig relaxt zu seinem Arbeitsplatz und zeigte nicht die Spur von Nervosität. Sein T-Shirt schlabberte über die Hose, gerade so, als hätte er sich das Baumwollstück nur mal so zum Fußballgucken übergezogen. Mit der Zigarette in der Hand genoss er den Auftritt seiner Schützlinge in vollen Zügen und vermittelte den Eindruck, als stünde der Sieger bereits seit Tagen fest.
Sein Team schien ebenfalls nichts anderes als drei Punkte für standesgemäß zu erachten. Zu keiner Zeit ließen sie einen Zweifel daran, wer das Feld trotz monsunartiger Regenfälle als Sieger verlassen würde. Ich kann mich nur an ganz wenige Begegnungen in der Bundesliga erinnern, in denen wir so klar beherrscht wurden.
Wie Bayern München
Es war nicht immer der spielerische Glanz unseres Gegners, der uns am Wochenende unsere Grenzen aufzeigte. Nein, es war etwas anderes. Etwas, was ich bisher eigentlich nur von Bayern München kannte. Es war die Ausstrahlung eines jeden einzelnen Leverkuseners. Der niemals aufkommende Gedanke an ein Misslingen ihres Auftrages.
Das war es auch, was ich in all den Jahren vergeblich bei den Jungs von Calli & Co. gesucht hatte.