Logbuch eines Fußballprofis Das Leid anderer Leute
Sind Sie jemals beim Fensterputzen von der Leiter gestürzt oder haben sich beim Gardinenaufhängen schwer verletzt ? Falls ja, kennen Sie die Monotonie der Rehabilitation.
Sie bekommen Termine in einer Krankengymnastikpraxis oder in einem Reha-Zentrum. Sie nehmen diese Termine mehrmals wöchentlich wahr und absolvieren Ihre Übungen an den dafür vorgesehenen Trainingsgeräten. Sie hoffen auf baldige Genesung und sind deshalb unheimlich motiviert. Aber irgendetwas läuft nicht planmäßig, weil der von den Ärzten prognostizierte Genesungszeitraum von Ihrem Körper mit Missachtung gestraft wird.
Da kann es schon einmal passieren, dass aus veranschlagten drei Monaten plötzlich zwei Jahre werden. Und dann sind Sie auf einmal nicht mehr ganz so motiviert, Ihre Gedanken streifen während der Übungen immer häufiger ab, in Ihren Blick legt sich Traurigkeit und Sie fragen sich mehrmals täglich, ob dass alles überhaupt noch Sinn macht.
Menschen mit einer solchen Krankengeschichte begegne ich leider momentan täglich.
Meine Wegbegleiter
Da ist der Mann mit dem graumelierten Haar, der immer ganz in Weiß erscheint und der bereits bei meinem letzten Aufenthalt vor zwei Jahren mein ständiger Wegbegleiter war.
Bei ihm weiß ich nicht einmal, welches Leiden ihn quält. Tagein, tagaus sitzt er auf dem Fahrradergometer und sein Gesicht zeigt nur dann eine Regung, wenn ihn jemand begrüßt. Bei einigen Patienten erübrigt sich die Frage ihres Gebrechens von alleine.
Wie beispielsweise bei der 23-jährigen Frau, die sich beim Badmintonspielen einen Knorpelriss im linken Knie zugezogen hatte, dann mit Gehhilfen ausgestattet von der Treppe stürzte und sich dabei sämtliche Bänder des rechten Knies riss. Um meine Verlegenheit zu überspielen, fragte ich sie, wann sie denn wieder Sport treiben dürfe. Daraufhin schaute sie mich etwas irritiert an und antwortete: "Ich bin schon glücklich, wenn ich irgendwann wieder schmerzfrei gehen kann."
Es mag sich zwar etwas merkwürdig anhören, aber gerade solche wirklich deprimierenden Geschichten lösen bei mir eine leichte Euphorie aus. Nicht etwa, weil ich mich am Leid anderer erfreuen kann, sondern weil mir vielmehr bewusst wird, dass es sich bei meiner Verletzung um eine vergleichsweise Kleinigkeit handelt, und ich in absehbarer Zeit wieder Fußball spielen kann.