Logbuch eines Fußballprofis Entfremdet
Folgende Situation: Sie kehren nach sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit an Ihren angestammten Arbeitsplatz zurück und freuen sich auf das Wiedersehen mit den netten Kollegen. Aber nichts ist, wie es war. Als ich die Umkleidekabine betrete, ist von den erhofften Freudentänzen meiner Mitspieler keine Spur, und auf den obligatorischen Präsentkorb mit frischem Obst und der eingeschweißten Salami zur Wiedersehensfeier hat man augenscheinlich auch verzichtet.
Nur mit den wenigsten meiner Teamgefährten geht die Unterhaltung über die üblichen Begrüßungsfloskeln hinaus. Der ein oder andere fragt kurz nach, wie es denn so geht, aber das war es dann auch schon. In der Stimmung des Großteils der Kollegen spiegelt sich unsere momentane Situation wider.
Gerade noch ein müdes Lächeln
Hätte die Mannschaft die ersten drei Rückrundenbegegnungen gewonnen, wäre vielleicht auch meine Rückkehr ins Team etwas herzlicher verlaufen. So scheinen die meisten meiner Mitspieler augenblicklich sehr viel mit sich selbst zu tun zu haben. Vielleicht fällt mir das aber auch gerade wegen meines mehrwöchigen Fehlens auf.
Jedenfalls wird mir bewusst, dass eine räumliche Distanz einen doch weniger am Tagesgeschehen teilhaben lässt, als man sich das denkt. So kommt man gut gelaunt und motiviert zurück und merkt dann erst, dass die vorangegangenen Niederlagen ihre Spuren hinterlassen haben. Wo im Normalfall gelacht wird, kommt jetzt gerade noch ein müdes Lächeln, wenn überhaupt.
"Alles beim Alten"
Es ist schon seltsam und wiederum völlig normal: Das ganze Jahr über spielt man gemeinsam Fußball, aber teilt doch nicht viel mehr als Sieg oder Niederlage. Um zu erfahren, was während meiner Abwesenheit geschehen ist, welche Dinge sich verändert haben, frage ich mich durch die Reihen und bekomme von den meisten die lakonische Antwort, dass "alles beim Alten" geblieben ist.
Ich glaube, in der nächsten Arbeitswoche hat auch mich der Alltag wieder eingeholt, und ich fühle mich wieder zu Hause im Kreise meiner netten Kollegen.