Logbuch eines Fußballprofis: Hoffen auf Allah - DER SPIEGEL
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Logbuch eines Fußballprofis Hoffen auf Allah

Die wöchentliche Kolumne des Rostocker Bundesligaspielers Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Wie die muslimischen Mannschaftskollegen über Terror und Krieg denken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die beiden Ägypter Mohamed Emara und Radwan Yasser sind vor drei beziehungsweise fünf Jahren nach Deutschland gekommen, um hier ihrem Beruf als Fußballprofi nachzugehen. Mittlerweile stehen sie beide beim Bundesligisten Hansa Rostock unter Vertrag. Als gläubige Muslime leben Emara und Yasser nach den Vorgaben des Korans.

Lange Zeit habe ich gezögert, bis ich mich mit meinen beiden Mitspielern über die derzeitige weltpolitische Lage unterhalten habe. Es gab dafür einen ganz pragmatischen Grund: Der des Deutschen mächtige Yasser war seit den Terroranschlägen auf New York und Washington verletzt. Emara hat abseits des Fußballplatzes doch mittelschwere Verständigungsprobleme; mir lag wirklich nicht viel daran, ihn bei einem so brisanten Thema misszuverstehen.

"Werden immer zuerst verdächtigt"


Vor dem Meisterschaftsspiel in Kaiserslautern fand dann unsere erste Unterredung über den 11. September 2001 und dessen Folgen statt. "Moslem zu sein", stellt Yasser gleich zu Beginn unseres Gespräches fest, "bedeutet nicht, andere Menschen im Namen Allahs zu töten. Der Islam ist eine friedliche Religion." Auch Emara ist sich sicher, dass die Mehrheit der Muslime die Anschläge auf die USA verurteilt.

Dennoch haben beide Angst vor einer Gleichsetzung von Islam und Terrorismus - in erster Linie, so Yasser, wegen der westlichen Unkenntnis "über unsere Religion und unseren Glauben". Als letzte Woche das Flugzeugunglück auf dem Mailänder Flughafen Linate geschehen sei, "haben viele zunächst geglaubt, es handele sich um einen weiteren Anschlag. Es wird für uns Muslime ein großes Problem sein, uns von diesen Vorverurteilungen zu befreien", sagt Yasser, "spätestens seit dem 11. September werden zuerst immer wir verdächtigt werden."

Angst um die Familie


Seit dem Tag der Terrorattacken hat sich der Alltag von Emara und Yasser - abgesehen von Trainingseinheiten und Spielen im Trikot von Hansa Rostock - verändert. Als sie am Nachmittag des 11. September zusammen mit einigen arabischen Freunden in ihrem italienischen Stammcafé in der Rostocker Innenstadt saßen, berichten sie, sei ihre Gruppe von allen Seiten ziemlich merkwürdig angeschaut worden. Auf meine Frage, ob sie Angst vor fremdenfeindlichen Übergriffen haben, antwortet Yasser zwiegespalten: "Ich habe keine Angst um mich, aber um unsere Familien. Man weiß ja nie wie viel Verrückte so in der Stadt herumlaufen."

Am Ende unseres Gesprächs wollte ich noch wissen, wie die beiden über die Angriffe auf Afghanistan denken. Unisono erklären Yasser und Emara, dass sie kein Verständnis für diese Aktionen haben, weil in Afghanistan seit der russischen Invasion ohnehin schon alles zerstört sei und jetzt erneut viele unschuldige Menschen sterben werden müssen. Deswegen hoffen Mohammed Emara und Radwan Yasser auf Allah und darauf, dass der Krieg bald vorbei sein möge.