Logbuch eines Fußballprofis: Ich ziehe um! - DER SPIEGEL
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Logbuch eines Fußballprofis Ich ziehe um!

Die Kolumne des Rostocker Bundesliga-Profis Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Welche Parallelen es zwischen gut organisiertem Mittefeldspiel und einem Wohnungsumzug gibt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich hätte ich am Freitagabend pünktlich zum Anpfiff mit meinen Kollegen im Gelsenkirchener Parkstadion Tabellenführer Schalke 04 eine Lektion erteilen sollen. Aber wie Sie wissen, bin ich nunmehr seit drei Wochen verletzt und musste auch, anstatt mich todesmutig in Torschüsse der Marke Jörg Böhme zu werfen, unseren Umzug am heutigen Montag planen. Nein. Ich habe nicht vor, Rostock zu verlassen, sondern meine Familie und ich beziehen eine neue Wohnung mit Garten.

Diesen Umstand haben böse Zungen, genauer gesagt, einige meiner Freunde, in den letzten Tagen zum Anlass genommen, wüste Behauptungen aufzustellen. Wie sie herausgefunden haben wollen, soll ich bei fast jedem meiner bisherigen Wohnungswechsel mit Abwesenheit geglänzt haben. Zumindest hätten Sie mich nie bei der Arbeit gesehen. Deswegen beschuldigen sie mich jetzt auch, dass ich mich absichtlich verletzt hätte, um nur ja keine Kisten aus dem vierten Stock zu transportieren.

Lächerliche 72 Treppenstufen

Liebe Freunde und Leser, das entspricht natürlich nicht der Wahrheit! Können Sie sich wirklich vorstellen, dass ich meine Freunde einfach im Stich lasse, wenn es heißt, den Kühlschrank, die Waschmaschine, den 250 Kilogramm schweren Elektroherd und diverse andere Möbel 72 Treppenstufen herunterzutragen?

Es ist doch eher so, dass sich auch jemand um die Logistik, frische Brötchen und den reibungslosen Ablauf solch einer Aktion kümmern muss. Und diesen Job übernehme ich anstandslos und ohne Proteste, denn dafür bin ich geradezu prädestiniert. So wie es in einem Bundesligaspiel zu meinen Aufgaben gehört, Spielsituationen schnell und vorausschauend zu erfassen, um dann die richtige Entscheidung treffen zu können.

Klaren Kopf behalten

Ähnlich blitzschnell kann ich also auch beim Umzug reagieren, wenn etwa das Sofa in der verkehrten Ecke des Raumes aufgebaut wird. Wichtig ist wie auf dem Platz allerdings, dass man dabei die Übersicht und einen klaren Kopf behält. Und meinen Helfern hat es auch noch nie etwas aus gemacht, alles wieder abzubauen, um es dann anschließend, an der richtigen Stelle des Raumes, erneut aufzubauen.

Klar gibt es manchmal auch kritische Stimmen. Etwa dann, wenn ich mir nicht ganz sicher bin, wo denn die Kommode meiner Großmutter ihren Platz finden soll. Da wird dann halt in jedem Raum mal geschaut und ausprobiert, so wie im Training eben auch. Und am Ende eines Umzuges sind alle Beteiligten zwar ein bisschen schlapp, aber jeder hat die ihm angedachte Aufgabe gewissenhaft erfüllt, und meine Freunde und ich können wieder einmal zufrieden mit uns sein.