Logbuch eines Fußballprofis: Trainer sind überflüssig - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Logbuch eines Fußballprofis Trainer sind überflüssig

Die Kolumne des Rostocker Bundesligaprofis Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Warum das Geschäft Fußball auch gut ohne Übungsleiter funktionieren würde.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fußballprofis sind überbezahlt. Ich weiß, dass das keine weltbewegende Neuheit ist. Aber ich frage mich schon, warum sich niemand fragt, wie es eigentlich um das Preis-Leistungs-Verhältnis bei unseren direkten Vorgesetzten, den Trainern, bestellt ist?

Natürlich sind auch die völlig überbezahlt. Während man Fußballprofis jedoch braucht wie die Luft zum Atmen, haben Sie sich bestimmt schon einmal die Frage gestellt, ob Trainer in diesem Geschäft überhaupt von Bedeutung sind. Nur ganz kurz: Sie haben sich diese Frage selbstverständlich völlig zu Recht gestellt.

Sind wir doch mal ehrlich. Was machen Trainer denn schon? Erteilen Kommandos und Befehle im Stile eines Feldmarschalls, und wenn man nicht annähernd das von ihnen Geforderte umsetzt, gibt es Stubenarrest oder einen Tribünenplatz.

Was muss man für ein schlechter Mensch sein, wenn man junge Männer in der Blüte ihres Seins über Trainingsplätze scheucht, und sich das eigene Gesicht erst dann zu einem zufriedenen Lächeln verzieht, wenn der Puls des Spielers bei alarmierenden 210 Anschlägen angekommen ist.

Ja, so sind sie, die Trainer. Hinter der Maske des gelegentlich eloquenten und seriösen Fußballlehrers verbirgt sich in Wirklichkeit niemand anderes als ein kleiner Sadist. Nicht umsonst finden sich hinter so vielen Trainernamen ebenso viele doppeldeutige Spitznamen - "harter Hund", "Schleifer" und "Quäler" sind für die meisten Komplimente.

Als Meister der Taktik betitelt, werden unsere Übungsleiter oft in einem Atemzug mit so großen Schachspielern und wahrhaften Taktikexperten wie Anatolij Karpow, Garri Kasparow und Bobby Fischer genannt. Wenn Sie immer noch an Taktikwissen und strategisches Geschick in den Köpfen unserer Trainer glauben, muss ich Sie enttäuschen: Alles Quatsch, alles Zufall, alles eine Frage der Einstellung, aber nicht etwa der taktischen.

Wovon ich hier rede, ist die mentale Einstellung. Und zwar die der Spieler. Belege? Wie lassen sich denn Ihrer Meinung nach die Resultate der letzten Bundesligaspiele beispielsweise meiner Mannschaft erklären? Den großen FC Bayern besiegt, über Leverkusen wie ein Schneesturm hinweggefegt. Und danach? Gegen Wolfsburg, Unterhaching, Stuttgart nicht gewonnen, in Köln gar zum Narren gemacht. Und jetzt plötzlich gegen Hamburg das beste Saisonspiel überhaupt hingelegt.

Da weiß auch der schlauste Vorturner keine Antwort. Da helfen nur psychologische Argumente. Und: Hat die ein Trainer? Ja gut, ich sach ma, hab ich jetzt so als Spieler auch nicht direkt. Aber vertrauen Sie mir ruhig, Sie brauchen meine Spezies um einiges dringender als die Bundesliga ihre Trainer. Oder etwa nicht?