Lothar Matthäus: "Das Oktoberfest wird mir fehlen" - DER SPIEGEL
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Lothar Matthäus "Das Oktoberfest wird mir fehlen"

Auf seiner letzten Pressekonferenz als Spieler des FC Bayern München gab sich der Weltrekordnationalspieler so, wie er sich selber am liebsten sieht: äußerst professionell.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lothar Matthäus, Sie bestreiten gegen Real Madrid Ihr letztes Spiel für Bayern München. Kommen da besondere Gefühle hoch?

Lothar Matthäus:

Es ist für mich nichts Besonderes. Ich habe mich in den letzten Wochen immer darauf vorbereiten können. Ich weiß, dass ich gegen Real mein letztes Spiel mache und und dass ich am Freitag in den Flieger Richtung New York steigen werde und dem Abenteuer Amerika entgegenfliege. Ich will gewinnen. Für alles andere habe ich ab Freitag Zeit.

Klingt ziemlich emotionslos.

Matthäus: Ich will ein gutes Spiel machen und dazu beitragen, dass wir uns direkt für das Viertelfinale qualifizieren. Über die anderen Dinge, ob ich mein Ticket am Freitag bei Lufthansa abgeben muss oder nicht, kann ich mir, wie schon gesagt, dann immer noch Gedanken machen.

Also gibt es überhaupt keine Sentimentalitäten?

Matthäus: Die kamen bis heute nicht auf. Ich bin schon zwölf-, dreizehnmal umgezogen. Keiner hat mich gezwungen. Ich habe mit meinen Entscheidungen bisher immer richtig gelegen. Das hoffe ich auch diesmal. Sicher werden mir die Leute fehlen. Ob Busfahrer, Sekräterin oder Präsident - es herrscht ein familiäres Verhältnis untereinander. Das ist eine große Familie. Ich war immer für jeden da, auch für die, die in der Hierarchie ganz unten stehen. Ich bin in New York aber nicht aus der Welt. Im Mai findet schon das Abschiedsspiel statt, dann können die Augen auch gläsern sein.

Gibt es schon konkrete Pläne für Ihr Abschiedsspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft am 26. Mai?

Matthäus: Diego Maradona soll kommen. Er wird jedoch nicht spielen, sondern auf der Tribüne sitzen. Ansonsten gibt es noch einige Ergänzungsspieler, Rivaldo, Ronaldo, Beckham oder Roberto Baggio. Außerdem wird der Abend noch durch einige Überraschungen angereichert. Ich hoffe, alles wird so präpariert, dass das Spiel unvergesslich bleibt.

Werden Sie sich in den USA nicht unterfordert fühlen?

Mattthäus: Unterfordert kann ich mich nicht fühlen. Wenn man den amerikanischen Fußball in den letzten zwei, drei Jahren verfolgt hat, hat man gesehen, dass er immer näher herangekommen ist. Amerika hat zuletzt zweimal gegen Deutschland gewonnen. Ich muss drüben noch mehr auf dem Platz leisten, weil einige Spieler Hilfestellung auf dem Platz brauchen.

Glauben Sie, dass Sie in der MLS mit den MetroStars Ihre sportlichen Ziele durchsetzen können?

Matthäus: Davon gehe ich aus, denn schlechter kann es bei den MetroStars nicht mehr werden.

Haben Sie den Wechsel bereut?

Matthäus: Die Entscheidung war richtig. Ich kann mich weiterentwickeln. Das kann mir keiner nehmen. Aber ich wäre nicht nach New York gegangen, ohne dort Fußball zu spielen. Ich bin kein Umfaller, der Verbleib in München war ein Entgegenkommen von meiner Seite, ein Gentlemen-Agreement zwischen Bayern und mir.

Was wird Ihnen in den USA am meisten fehlen?

Matthäus: Im Oktober das Oktoberfest, im Sommer die Biergärten und im Winter die Berge zum Skifahren. München ist eine tolle Stadt, aber von der Lebensqualität werde ich mich in New York steigern.

Können Sie sich eine Rückkehr nach Deutschland als Trainer oder Spieler vorstellen?

Matthäus: Dass ich irgendwann einmal in das Trainergeschäft einsteige, kann ich mir in jeder Richtung vorstellen - ob beim FC Bayern oder in der Nationalmannschaft. Aber einen Stand-by-Profi Matthäus wird es nie geben. Entweder tue ich etwas ganz oder gar nicht.

Ist überhaupt eine Rückkehr in die Bundesliga denkbar oder beenden Sie in den USA definitiv Ihre Karriere?

Matthäus: Davon gehe ich aus, aber was ist schon sicher. Heute jedenfalls sage ich, ich beende meine Karriere im Ausland und nicht in Deutschland.

Das Interview führten Thomas Niklaus und Jörg Kottmeier