Lothar Matthäus Ein Tritt in den Hintern
New York - Angefangen hatte alles mit großem Brimborium. Dutzende Reporter und Kameraleute waren eigens aus Deutschland eingeflogen, jeden Schritt und Tritt des deutschen Kickers Lothar Matthäus auf amerikanischem Boden hatten sie dokumentiert. Vor dem nun absehbaren Ende seiner ebenso kurzen wie peinlichen amerikanischen Laufbahn, die wohl auch das Ende seiner Profikarriere sein dürfte, steht der deutsche Star eher verlassen da. "Lothar könnte einen Tritt in den Hintern bekommen" titelte die New Yorker Zeitung "Daily News".
Spätestens bis zum kommenden Mittwoch soll die Fußballwelt erfahren, ob der bayerische Ex-Weltmeister wenigstens noch bis zum Ablauf seines Vertrags bei den New York/New Jersey MetroStars mitmacht, oder ob er vorzeitig geht. Die Stimmung ist so mies, dass selbst Matthäus' Manager Brian Eylert inzwischen offen vom Ende der Fußballerkarriere des 39-Jährigen spricht: "Sollte er nicht mehr integrierbar sein, wird er sich zweieinhalb Monate vor Vertragsende der Mannschaft nicht mehr aufdrängen", sagte Eylert in der Nacht zum Freitag der dpa.
Vorausgegangen war am Donnerstag eine harte Aussprache, in der Trainer Ocativio Zambrano und Manager Nick Sakiewicz ihrem noch im April mit offenen Armen empfangenen deutschen Star klarmachten: So nicht! Besonders sauer war der Verein über ein Foto der "Bild"-Zeitung, das Matthäus beim Sonnenbad mit seiner Freundin Maren Müller-Wohlfahrt in St. Tropez zeigte. Beim Club, der ihn für die Europameisterschaft ausgeborgt hatte, war Matthäus da noch als verletzt gemeldet. "Was wissen wir von dieser angeblichen Verletzung?" tobte Manager Sakiewicz, für den Matthäus mit einer für US-Verhältnisse eher ungewöhnlichen hohe Gage von einer Million Dollar (rund zwei Millionen Mark) als größter Kostenfaktor zu Buche schlägt. "Wir haben nicht viel gehört von dem Doktor, dem Vereinsarzt von Bayern München und Marens Vater. Stattdessen haben wir ein hübsches Strandfoto bekommen."
Eylert, der eigens aus Deutschland eingeflogen war, bemühte sich redlich, die Club-Leitung davon zu überzeugen, dass die Genesung ihres teuersten Spielers in Marens Armen am Beach genau das sei, was er brauchte, um bald wieder spielen zu können. Doch die Oberen blieben misstrauisch und ließen sich auch nicht von Matthäus' Argument beeindrucken, er habe ein Mitglied des Vereinsvorstandes telefonisch von dem Abstecher nach St. Tropez auf Anraten seines Arztes und der damit verbundenen späteren Rückreise nach New York informiert.
"Eine Entscheidung über Lothars Zukunft bei den MetroStars wird bis nächsten Mittwoch gefällt", kündigte Eylert an. Damit sind nun "allen Spekulationen Tür und Tor geöffnet", so der Manager. Matthäus' werde sich nicht aufdrängen, "er wäre der Letzte, der mit Gewalt spielen wollte". Doch selbst wenn, würden die MetroStars den Deutschen wohl nur ungern wieder auf den Platz lassen. Denn: So lange er mitspielte, ging die Mannschaft meistens als Verlierer vom Platz. Erst nach Matthäus' Abreise zur EM begann für den Club eine Siegesserie, die ihn in das Spitzenfeld der amerikanischen Fußball-Liga katapultierte. Dafür war eigentlich der nun kränkelnde deutsche Star teuer eingekauft worden.
"Inzwischen ist der bloß noch eine unerwünschte Randerscheinung für den Spitzenreiter der Tabelle", schrieb die "Daily News". Und Mittelfeldspieler Mark Chung setzte in seiner wöchentlichen Kolumne auf der Internetseite sweetsport.com noch eins drauf: "Wir gewinnen und zeigen, dass seine Anwesenheit nicht erforderlich ist." Der Ex-Weltmeister Matthäus sei zwar "kein schlechter Spieler", zeige aber nicht "dieselbe Einsatzbereitschaft und Ethik wie die anderen".
"Die Mannschaft wirft ihm vor, nicht mit dem Herzen dabei zu sein", räumte selbst Eylert ein. Von einer vorzeitigen Lösung des Vertrags könne dennoch keine Rede sein: "Von unserer Seite ist das kein Thema." So könnte der Rausschmiss", zu dem Manager Sakiewicz nun wohl ausholt, wenigstens durch die fortlaufenden vertragsgerechten Zahlungen des Clubs an seinen Ex-Star vergoldet werden.