Lothar Matthäus: "Eine Unverschämtheit" - DER SPIEGEL
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Lothar Matthäus "Eine Unverschämtheit"

Nach den verbalen Spitzen von Bayern-Manager Uli Hoeneß zum Matthäus-Transfer zu den MetroStars zeigte sich der Rekordnationalspieler sehr enttäuscht von seinem alten Arbeitgeber.
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Columbus - Solange Lothar Matthäus von Uli Hoeneß nichts hörte, war es für den Rekord-Nationalspieler der schönste Samstag seit langem. Erst freute er sich diebisch über den klaren Triumph im DFB-Pokalfinale seiner ehemaligen Münchner Bayern. Nach der "tollen" Mobilfunk-Nachricht bot er als defensiver Mittelfeldspieler vor der Viererkette seine beste Saisonleistung im Trikot der New York/New Jersey MetroStars und erkämpfe mit ihnen bei der Columbus Crew mit einem 2:0-Auswärtssieg den dritten Saisonerfolg im achten Meisterschaftsspiel der Major League Soccer (MLS). Als Matthäus kurz darauf jedoch erfuhr, dass Uli Hoeneß in einem Interview äußerte, er habe mit seinem Wechsel nach Amerika den "größten Fehler seines Lebens gemacht", wandelte sich urplötzlich seine Laune.

"Hoeneß kann nicht beurteilen, was für mich richtig oder falsch ist. Ich finde es unverschämt, über die Medien einen derartigen Blödsinn in die Welt zu setzen", ärgerte sich Matthäus über die "unsinnigen Bemerkungen" vom Manager seines Ex-Vereins. "Ich würde mir auch nicht anmaßen, darüber zu befinden, was er im Leben falsch oder richtig gemacht hat. Ich weiß, dass meine Entscheidung richtig war. Auch wenn die Bayern in dieser Saison das Triple schaffen sollten, was ich hoffe und ihnen von Herzen gönne", betonte der 39-Jährige. Er werde aber keinem einzigen Titel eine Träne nachweinen.

Matthäus versteht noch immer nicht, dass man ihn nicht verstehen will. Er wusste von Vorn herein, dass er sich sportlich und finanziell (um zwei Drittel im Vergleich zu den Bayern-Bezügen) erheblich verschlechtern würde. "Doch das, was ich in New York suche, kann man nicht mit Geld bezahlen. Ich will einfach Erfahrungen für mein Leben nach der aktiven Fußballkarriere sammeln. Ich bin absolut froh, hier zu sein", sagte Matthäus, der gegen Columbus in der 78. Minute wegen eines Foulspiels seine erste Gelbe Karte in der MLS gezeigt bekam.

In einem pflichtet er dem umtriebigen Bayern-Vordenker allerdings bei. Matthäus selbst denkt auch nicht mehr daran, noch "jemals als Spieler" zum deutschen Rekordmeister zurückzukehren. Die Chance, ihn zu halten, sei gegeben gewesen, gestand der 146fache Nationalspieler erstmals. Als seine beiden Verhandlungspartner von den MetroStars den Verein verließen, habe er sich voller Zweifel gefragt: "Was soll ich noch da?". Von den Bayern sei damals aber niemand auf ihn zugekommen. "Vermutlich wäre dann alles gekippt", glaubt Matthäus.

Die Hände gerieben hat er sich über die geglückte Revanche der Bayern für die vorjährige Final-Niederlage. "Die Bremer haben auf ihre dummen Sprüche die richtige Antwort gekriegt", frohlockte Matthäus, der nach einer Aussprache mit Trainer Octavio Zambrano diesmal im zurückgezogenen zentralen Mittelfeld agieren durfte. Dem Spiel tat das gut. Die Abwehr stand sicher wie nie. Torhüter Mike Ammann brauchte erstmals keinen Ball aus dem Netz zu holen. Durch einen klugen Pass war Matthäus auch am zweiten Tor in der 69. Minute beteiligt, das wie das 1:0 (60.) von Adolfo Valencia erzielt wurde.