Lothar Matthäus Es ist vollbracht
München - "Ich würde sagen, den Profifußballer Lothar Matthäus wird es nicht mehr geben", erklärte der 39-Jährige am Mittwoch. Nicht auf einer pompösen Pressekonferenz, sondern in einem Interview mit dem Nischensender DSF.
Bis zuletzt hatte der 150fache Nationalspieler noch Spekulationen genährt, nach seinem Abstecher vom FC Bayern München zu den New York/New Jersey MetroStars noch für ein paar Monate in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu spielen. Doch die Verhandlungen waren offensichtlich nicht von Erfolg gekrönt.
"Ich musste immer schon mit den Ellenbogen kämpfen"
So wurde ein Freundschaftsspiel der MetroStars in Troisdorf gegen den 1. FC Köln der letzte offizielle Auftritt des Profi-Kickers Matthäus. Seinen offiziellen Ausstand gab der gelernte Raumausstatter ("Ich komme aus einem einfachen Haus, ich musste immer schon mit den Ellenbogen kämpfen") bereits im Mai, als er als letzter Nationalspieler ein Abschiedsspiel vom DFB geschenkt bekommen hatte.
Die anschließende Europameisterschaft in den Niederlanden und Belgien wurde nicht gerade zum Höhepunkt Karriere des Mannes, der für die Bayern 464 Bundesligaspiele bestritt. Der Franke, der als einziger Feldspieler der Welt an fünf WM-Turnieren teilgenommen hatte und 1990 den WM-Titel holte, war nach einer Verletzung aus falschem Ehrgeiz zu früh und nicht 100-prozentig fit ins Turnier gegangen und wurde zusammen mit DFB-Teamchef Erich Ribbeck der große Verlierer im deutschen Team.
Der "letzte Star des deutschen Fußballs", so die "Welt", hatte seine Profi-Karriere 1979 bei Borussia Mönchengladbach begonnen. Da der Vater des Herzogenaurachers Hausmeister beim Sportartikelhersteller Puma war, kam ein Wechsel zu einem adidas-Verein nicht in Frage. Der ehemalige Münchner und Schalker Nationalspieler Hans Nowak, damals PR-Chef bei Puma, stellte den Kontakt zum Puma-Verein Mönchengladbach her, wo Trainer Jupp Heynckes zu seinem ersten Förderer wurde.
Matthäus kam schon mit 19 Jahren bei der Europameisterschaft 1980 zum Einsatz, die Deutschland mit 2:1 gegen Belgien gewann. Zehn Jahre später wurde er auch Weltmeister. Ohnehin war 1990 sein Jahr. Neben dem WM-Triumph wurde Matthäus, der laut "FAZ" nie "den Ruf eines genialen, phantasievollen, zauberhaften Fußball-Künstlers genoss", zum "Weltsportler des Jahres" gewählt. Nach seinem Wechsel zu Inter Mailand wurde Matthäus Meister und holte 1991 den Uefa-Pokal.
Bei der WM 1998 Comeback in der Nationalmannschaft
Bei der WM 1998 feierte Matthäus nach dreieinhalbjähriger Abstinenz ein Comeback in der deutschen Nationalmannschaft. Nach Jahren des offenen Streites und des vor der Euro 1996 verkündeten Rauswurfes aus der DFB-Auswahl gab ihm der damalige Bundestrainer Berti Vogts eine zweite Chance. Durch konstant starke Leistungen in der Bundesliga und dem Europapokal hatte sich sechsmalige deutsche Meister wieder in den Vordergrund gespielt. Die WM wurde jedoch zu einem Fiasko: Deutschland schied im Viertelfinale mit 0:3 gegen Kroatien aus.
Das Debakel hätte eigentlich auch das Ende von Matthäus' Nationalmannschafts-Karriere sein müssen, denn Vogts hatte ihn nach der WM aufs Altenteil geschoben. Doch die Vogts-Demission und die anschließende Berufung Erich Ribbecks zum Teamchef sorgten für ein weiteres Comeback des "fränkischen Plappermauls" ("SZ"), das, so die "Schwäbische Zeitung", "Geschwätzigkeit mit Weltläufigkeit, Worthülsen mit Inhalten" verwechsele. Doch der krönende Abschluss bei der EM 2000 blieb ihm verwehrt.
Einen anderen wichtigen Titel konnte Matthäus ("Ein erfolgreicher Lothar Matthäus hat Vorbildfunktion. Er ist interessant") in seiner mehr als zwei Jahrzehnte währenden Karriere nie gewinnen - den Europapokal der Landesmeister. Im Mai 1999 scheitert er mit dem FC Bayern im Champions-League-Finale gegen Manchester United. Zwölf Jahre zuvor hatte es gegen den FC Porto nicht gereicht.
"Man sollte mir mehr Respekt entgegenbringen"
Was er in Zukunft tun will, weiß Matthäus ("Man sollte mir ein wenig mehr Respekt entgegenbringen für das, was ich geleistet habe") noch nicht. Für Premiere wird er wohl verstärkt den TV-Experten geben. Mit einer Internet-Firma hat er einen PR-Vertrag. Der "SZ" hatte Matthäus einmal verraten: "Auf mich könnte ein Trainer- oder Manager-Job zukommen." Und Nationalcoach? "Bundestrainer reizt mich erst in drei, fünf oder zehn Jahren. Vielleicht. Zutrauen würde ich mir das schon."