Lothar Matthäus: "Ich bin nicht der Depp" - DER SPIEGEL
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Lothar Matthäus "Ich bin nicht der Depp"

Die Euro 2000 sollte der krönende Abschluss einer schillernden Karriere werden - doch nun droht Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ein unrühmliches Ende in der deutschen Fußballnationalmannschaft.
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Vaals - Auch wenn Teamchef Erich Ribbeck weiter bedingungslos an seinem formschwachen Abwehrchef festhält: Vor dem zweiten Gruppenspiel des Europameisters am Samstag (20.45 Uhr/live im SPIEGEL ONLINE-Ticker) gegen England bröckelt das Denkmal des 39-Jährigen mehr und mehr.

Matthäus wehrt sich allerdings vehement gegen seine Demontage - und schreckt dabei auch nicht vor Angriffen auf Ribbeck zurück. "Wenn er merkt, dass die Journalisten auf mich losgehen, dann hätte er das klarstellen müssen. Ich habe ihm mehrfach gesagt, dass ich diese Rollenverteilung nicht für glücklich halte. Ich lasse mich nicht als Depp hinstellen", konterte der Weltmeister von 1990 in der "Bild"-Zeitung die Attacken gegen seine Person.

Auch von einem "Spieleraufstand" will Matthäus, dessen Nervenkostüm derzeit merklich angeschlagen ist, nichts wissen: "Ich habe nichts davon gemerkt. Wenn einer mir nicht ehrlich ins Gesicht sagen kann, was er gegen mich hat, tut er mir leid." Auch bei einer Spielersitzung am Mittwochnachmittag kam das leidige Thema offenbar nicht zur Sprache. "Es gab keine Diskussionen", erklärte Christian Ziege und stellte klar, es habe sich nicht um eine Aussprache, sondern eine Ansprache von Ribbeck gehandelt: "Der Trainer alleine hat deutliche Worte gefunden und gesagt, was er sich vorstellt."

Leid kann einem derzeit nur Matthäus selbst tun. Obwohl er beim 1:1 gegen Rumänien wegen seiner fehlenden Fitness nach seinen Muskelverletzungen maßlos enttäuscht hatte, klammert sich der 148-malige Nationalspieler, dessen Verdienste um den deutschen Fußball unbestritten sind, weiter an seinen Posten. Von Selbstkritik keine Spur, obwohl viele Experten und auch ein Teil der Mannschaft - allerdings nur hinter vorgehaltener Hand - die Ablösung von Matthäus fordern. Zumindest in dessen momentaner Verfassung.

Selbst Jens Nowotny, der sich bisher strikt gegen die Matthäus-Position verweigerte, hat inzwischen umgedacht. "Wir haben nicht mehr viel Zeit bis zum Spiel gegen England. Ich muss jetzt meine Kraft sammeln, um meine Qualitäten ins Spiel einzubringen und versuchen, die Mannschaft von hinten zu führen. Wenn der Teamchef sagen sollte, ich brauche dich in der Abwehr auf der zentralen Position, dann spiele ich diese Rolle", erklärte der 26-Jährige am Mittwoch.

Nowotny weiß, dass die Führungsspieler wie Oliver Bierhoff, Oliver Kahn, Mehmet Scholl oder Markus Babbel längst von Matthäus abgerückt sind und hinter ihm stehen. Der Leverkusener schränkte aber bei seinen Aussagen ein: "Das muss nicht heißen, dass ich nicht mit Lothar zusammenspielen kann. Grundsätzlich ist es egal, von welcher Position aus man die Kommandos gibt. Zudem ist es falsch, alles an der Person Matthäus aufzuhängen."

Das denkt auch Ribbeck, der weiter uneingeschränkt auf den 39-jährigen von den New York/New Jersey MetroStars baut. "Ich werde versuchen, ihm zu helfen, mit dem Druck fertig zu werden", sagte der Teamchef, der den "enormen Druck" auf Matthäus für ungerechtfertigt hält: "Man darf nicht den Fehler machen, alles an einem Spieler festzumachen. Ohne ihn wären wir gar nicht hier. Er wird die Spieler durch seine Trainingsleistungen überzeugen, dass seine Aufstellung gerechtfertigt ist." Ein kleines Hintertürchen hielt sich Ribbeck am Mittwoch aber dennoch offen: "Es sind noch vier Tage bis zum Spiel. Dann werden ich und seine Mitspieler sehen, wie fit er ist."

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