Lothar Matthäus MetroStars bleiben stur
München - "Lothar hat einen Vertrag mit uns unterschrieben und der ist bindend", bekräftigte Ivan Gazidis am Freitag in New York, wo er in der Major League Soccer (MLS) in seiner Funktion als Vizepräsident entscheidend am Transfer des zweimaligen Weltfußballer des Jahres beteiligt war. Nicht anders sieht es der neue MetroStars-Generalmanager Nick Sakiewicz. "Er muss am 10. März kommen, das war abgesprochen und da erwarte ich ihn", betonte der Ex-Profi, der vor drei Tagen die Nachfolge des erfolglosen Charlie Stillitano antrat.
Beide zeigten sich mächtig verärgert über die von Matthäus in der Öffentlichkeit gemachten Äußerungen, die sie als "unseriöses Verhalten" kritisierten. "Darüber bin ich sehr enttäuscht", sagte Gazidis, der im gleichen Atemzug aufklärte, dass der Libero von Bayern München mit seinem Vorwurf des Vertragsbruchs im Zusammenhang mit der Entlassung von Stillitano völlig falsch liegt. Denn in der MLS sei es unüblich, Spieler vorher zu informieren, wenn sich im Verein etwas verändert. "Es wäre nicht normal, ja sogar sehr ungewöhnlich", so Gazidis, "wenn ein Spieler, selbst wenn er von dem Kaliber eines Lothar ist, in die Diskussion miteingebunden würde, bevor Entscheidungen getroffen sind."
Zudem stellte der MLS-Vizechef klar, das Stillitano den Verein nicht verlassen hat. "Er ist weiter bei der Gesellschaft angestellt, die der Eigentümer der MetroStars sind. Er wird also weiter dabei sein", ließ Gazidis wissen. Matthäus, der sich von den Amerikanern "getäuscht und geblendet" fühlt, hatte sich darüber aufgeregt, das mit der Amtsenthebung Stillitanos sowie mit der im Oktober erfolgten Ablösung von Trainer Bora Milutinovic durch Octavio Zambrano seine beiden Kontaktpersonen, die ihn zum Transfer überredet hatten, nun nicht mehr dort seien. Der Serbe Milutinovic unterschrieb unterdessen am Samstag einen Zweijahresvertrag als Nationaltrainer Chinas.
Durch die Veränderungen fehlt Matthäus jede Motivation für den Umzug nach New York, wo für ihn und seine Freundin Maren Müller-Wohlfahrt im Trump-Tower an der berühmten Fifth Avenue bereits ein Appartment angemietet worden ist. Zugleich hatte Matthäus deutlich gemacht, sich nicht mit Handschellen nach Amerika entführen und sich dort zum Training bei den MetroStars zwingen zu lassen.
Mit Stillitano wird es wahrscheinlich schon in der kommenden Woche ein Wiedersehen geben. Wie Guzidis nach dem Kontakt mit Matthäus seinem US-Manager Bryan Eylert ankündigte, werden nicht nur Sakiewicz und Zambrano in den nächsten Tagen zum Aufklärungsgespräch nach Deutschland beziehungsweise ins Bayern-Trainingslager nach Spanien fliegen. Auch er und Stillitano wollen nach Europa reisen, um den als PR-Zugpferd der MLS eingekauften Routinier wieder versöhnlich zu stimmen. "Es ist klar, das ein schnelles persönliches Gespräch dringend notwendig ist, dann wird Lothar rasch merken, dass die MetroStars ein starkes und erfolgreiches Team im Jahr 2000 sein werden, und er ein bedeutender Teil dieses Vorhabens ist", sagte Guzidis.
Er und Sakiewicz zeigten aber auch ein wenig Verständnis für die Besorgnis des 38-jährigen Franken. "Nach den personellen Veränderungen kann ich mir ganz gut vorstellen, wie sich Lothar fühlt", räumte der gleichaltrige Generalmanager ein. "Doch wenn er mich einmal kennen gelernt hat, wird er auch motiviert sein, zu uns zu kommen. Die Veränderungen wurden vorgenommen, um Lothar ein positives Umfeld zu schaffen." Im Grunde sei jetzt alles optimal für das US-Abenteuer des 143-fachen Nationalspielers vorbereitet. Am 18. März bestreiten die MetroStars gegen Miami Fusion ihr Auftaktspiel, das live und landesweit übertragen wird. Da werde Lothar unser Trikot tragen, ist sich Sakiewicz ganz sicher.