Luis Figo: Die Trophäe des Präsidenten - DER SPIEGEL
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Luis Figo Die Trophäe des Präsidenten

Mit einer Ablösesumme von rund 120 Millionen Mark ist Luis Figo in die Fußballgeschichte eingegangen. Der teuerste Transfer der Welt, der den Portugiesen von Barcelona zum Erzrivalen Real Madrid führt, hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.
Von Silke Buss
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Lissabon - Madrid triumphiert, Barcelona trauert unter Schock und in Portugal mischen sich Stolz und Unmut. Und der, um den sich der ganze Rummel dreht, schien alle diese Gefühle auf einmal zu empfinden. Luis Figo, der portugiesische Fußballheld, wirkte alles andere als glücklich und befreit, als ihn der neue Präsident von Real Madrid, Florentino Pérez, am Montag nach der Siesta im feierlichen Pokalsaal des Vereins wie seine Trophäe vorführte. Die unbändige Freude stand Pérez ins Gesicht geschrieben, dem Erzrivalen Barca ausgerechnet den Spieler abgeluchst zu haben, der in seinen fünf Jahren in der katalonischen Metropole nicht nur zum Inbegriff des Vereins, sondern gar zu einem Kind der Stadt geworden war. Der Abschied fiel Figo sichtlich nicht leicht, und in seiner Antrittsrede suchte er dann auch nach einer Entschuldigung an seine Fans in Barcelona. Er wirkte fast traurig, als er versicherte, auch bei den "Merengues" sein Bestes geben zu wollen. Mit sichtlich gemischten Gefühlen hielt er dann das weiße Trikot mit der blauen Nummer zehn ins Blitzgewitter der Kameras.

Morgens in Madrid angekommen, musste sich Figo, den die Trainer der spanischen Liga in der letzten Saison zum ausländischen Spieler des Jahres gewählt hatten, zunächst noch einer medizinischen Untersuchung unterziehen. Erst dann wurde die höchste Transfersumme aller Zeiten lockergemacht und das Loch in der Vereinskasse der Königlichen um 150 Millionen Mark, Steuern inklusive, erweitert. Damit wächst der Schuldenberg Reals weiter, der nicht nur bei umgerechnet 540 Millionen, sondern gar bei 600 Millionen Mark liegt, wie erst vor wenigen Tagen bekannt worden war. Doch das scheint den triumphierenden Präsidenten alles nicht zu belasten. Siegessicher hatte er der Öffentlichkeit schon vor einem Monat sein Wort gegeben - und es gehalten: Nicht in Barcelona geblieben und auch nicht zu Lazio Rom gewechselt, sondern zu ihm nach Madrid gekommen, war der 27-jährige offensive Mittelfeldspieler, der ihn nun pro Saison 12 Millionen Mark kosten wird.

Seit Tagen dreht sich in Portugal alles um den Fußballer, den nicht nur Benfica-Trainer Jupp Heynckes für den derzeit besten der Welt hält. Er sollte Freitag in der portugiesischen Hauptstadt ankommen, hieß es, um sich mit seinem Manager beraten. Dann kam er doch nicht oder später, nichts drang an die Öffentlichkeit und die Journalisten fühlten sich an der Nase herumgeführt. Während die spanischen Kollegen den Wechsel nach Kastilien schon als gesichert verkündeten, flüchteten sich die portugiesischen Zeitungsmacher lieber in Kommentare und Umfragen. Schon im Vorfeld hagelte es Kritiken. So schrieb beispielsweise Carlos Magno, Vizedirektor vom "Diario de Noticias", am Sonntag: "Wenn nun Luis Figo von Barcelona nach Madrid wechselt, macht er sich zur Trophäe des neuen Präsidenten des Clubs der spanischen Hauptstadt. Der, der ein Symbol in Katalonien war, wird zu einem käuflichen Wert auf dem Kapitalmarkt". Und der Trainer vom portugiesischen ErstligaClub Leiria bringt das auf den Punkt, was man in Lissabonner Cafés so vernimmt: "Ich bin enttäuscht, weil Figo noch das verkörperte, was an Reinheit und Romantik im Fußball geblieben war".

Die Reaktionen am Dienstag sind noch krasser. Auch wenn man allgemein stolz darauf ist, dass ein Portugiese eine noch nie da gewesene Ablösesumme kostete, wird vor allem die Fußballmoral hochgehalten. Ein Fußballstern scheint vom Himmel gefallen. Bezeichnenderweise stellen, als hätten sie es abgesprochen, die drei portugiesischen Fußballzeitungen allesamt Luis Figo neben Joao Pinto - ausgerechnet Joao Pinto, der seit dem als unfair bewerteten Rausschmiss von Jupp Heynckes und einer erfolgreichen EM alle Sympathien auf seiner Seite hat. Wie Engel und Teufel setzen die drei Blätter die beiden Nationalspieler nebeneinander, zeigen den blonden, langhaarigen Pinto fröhlich beim ersten Training im neuen Verein Sporting und daneben den schwarzhaarigen Luis Figo mit dem dämonischen Haaransatz, wie er mit ernster Miene das Real-Madrid-Trikot präsentiert.

Bis zum Monatsende wird Reals neuer Superstar nun in Portugal ausspannen. Sein erstes Spiel im weißen Trikot dürfte Figo dann in der zweiten Augustwoche ausgerechnet gegen Sporting Lissabon und damit auch gegen Joao Pinto spielen.

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