Magath-Interview: "Deisler braucht noch Zeit" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Magath-Interview "Deisler braucht noch Zeit"

Mit dem 2:0-Auswärtssieg in Hamburg ist Top-Favorit FC Bayern wunschgemäß in die neue Bundesliga-Saison gestartet, unschlagbar jedoch erschienen die Münchener nicht. Coach Felix Magath sagt, was besser werden muss, und warum Torschütze Sebastian Deisler nicht sofort in die Nationalelf zurück kehren sollte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Felix Magath, wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Punktspiel-Premiere als Trainer von Bayern München?

Felix Magath:

Ich bin mit dem Ergebnis natürlich sehr zufrieden. Der HSV hat allerdings viel Druck gemacht, mehr das Spiel bestimmt und war bis zum 2:0 nach der Pause auch die bessere Mannschaft. Wir mussten uns sehr wehren, um zum Erfolg zu kommen.

Warum konnte Ihre Mannschaft trotz der Führung die Partie nicht souveräner gestalten?

Magath: Wir sind zu stark unter Druck gekommen, weil wir den HSV im Mittelfeld nicht mehr unter Kontrolle hatten. Nach vorne sind wir natürlich stark, aber das allein macht ja kein Fußballspiel aus. Sicherlich gilt, dass wir unser Spiel noch verbessern müssen. Wir müssen noch viel arbeiten, um das Zusammenspiel zu optimieren. Aber es war zu sehen, dass wir Klasse-Einzelspieler hatten. So ist ja auch das 1:0 gefallen.

Sie meinen die Vorarbeit von Ze Roberto und Michael Ballacks Abschluss nach einem Hamburger Fehler?

Magath: Ja, das ist eine der Stärken von Ballack, dass er in solch einer Situation so sicher trifft.

Auch Sebastian Deisler hat ein Tor geschossen, schon werden Rufe nach seinem Nationalmannschafts-Comeback laut. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Magath: Er braucht noch Zeit. Und bis zur WM 2006 ist noch Zeit, Deisler kann sein Potenzial noch früh genug ausschöpfen. Es wäre nicht gut, ihn jetzt schon wieder unter Druck zu setzen. Man sollte jetzt ein paar Wochen abwarten und ihn seine Leistung stabilisieren lassen. Ich muss ja seine gesamte Leistung beurteilen: Es gab auch eine Szene, wo er über das Tor geschossen hat, statt einen besser postierten Mitspieler anzuspielen. Dann hätten wir vielleicht schon früher das 2:0 gemacht.

Oliver Kahn ist weiterhin Mannschaftskapitän. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Magath: Ich habe mich überhaupt erst in der vergangenen Woche mit dieser Frage beschäftigt. Ich wollte die Mannschaft erst einmal kennen lernen und schauen, wer welches Standing hat. Es hat sich gezeigt, dass Kahn die stärkste Führungspersönlichkeit hat, und er hat auch erklärt, dass er sich wieder mehr einmischen will, als er das im letzten Jahr getan hat.

Aufgezeichnet von Andreas Hardt