"Mail aus Mali" Afrika beginnt beim Arzt
"Afrika beginnt beim Arzt", meint der Kollege Biermann und diktiert mir meinen persönlichen Impfplan ins Telefon. Keine Woche ist es her, da er von der interessanten Idee zu faseln begann, die fußballfreie Zeit doch in Mali auszusitzen. Da wäre nämlich Afrika-Cup, die halbe Bundesliga sei da zugange. Ja, ja, Biermann, alles klar, du hast heute Geburtstag, dachte ich (und hatte Biermann wirklich), und das, was du da in der Hand hältst, ist ein Kölsch-Glas und wahrlich nicht dein erstes.
Heute habe ich mein Ticket nach Timbuktu in der Hand, das es also wirklich gibt, das also nicht nur bei Donald Duck und Tim und Struppi existiert. Ich bin auf dem Weg zum Flughafen. Warum? Dass jemand wie ich zum Afrika-Cup reist, ist nur konsequent. Denn nicht umsonst gehöre ich seit Jahren - na ja, ehrlich gesagt, seit immer - zu der bemitleidenswerten Sorte Mensch, die immer dann in eine tiefe Krise stürzt, wenn in der Bundesliga kein Ball mehr rollt. Ja, ich bin Winterpausenhasser.
Eine Stunde zu spät in Edinburgh
So habe ich, einem Zugvogel gleich, über die Jahre allerhand Spielfelder bereist, die zwischen Weihnachten und Karneval nicht brach liegen. War in London bei Fulham gegen Charlton, im Stadio Olimpico bei Roma gegen Lazio (zwei Mal!), in Lissabon bei Benfica gegen Farense, in Porto, Madrid, in Indien beim ewigen Klassiker Tollygunge Agragami gegen Punjab Police (1:2). Und neulich erst, kurz vor Silvester, war ich in Edinburgh beim Derby der Hearts gegen die Hibs, wenn auch mehr als eine Stunde zu spät, also eigentlich gar nicht ... aber das ist eine andere Geschichte.
Westafrika ist ein anderes Kaliber. Mali ist eines der ärmsten Länder der Erde, und als ich hier ankam, ging mir schon der Gedanke durch den Kopf, dass dieser Trip zum Afrika-Cup irgendwo zwischen groundhopperischer Dekadenz und Ball-Kultur-Imperialismus liegt. Am Ende aber schwinden solche Zweifel schnell, denn so wie sich der Inder damals über meine Rupien gefreut hat, wird sich auch der Malinese, (hmm - korrekt: Malier, d. Red.), also der Bewohner Malis halt, über den Euro freuen. Wird er? Vielleicht hätte ich doch mal ein paar alte Dollars einstecken sollen. Zu spät, und zurück zum Thema, denn ich wollte ja einen vom Arzt erzählen.
Der Impfmeister und mein kaputter Kiefer
Die Geschichte verhält sich nämlich so: Wer nach Mali will, der muss übers Tropeninstitut gehen. Und da gibt's ordentlich was unter die Haut. Gelbfieber, Hepatitis A, Hepatitis B, Typhus, Tetanus, Diphtherie, noch irgendwas und Malaria-Prophylaxe. Ein wunderbarer Cocktail, der erst eine Woche nach der Impfung richtig einfährt - mit einem Fieberschub. Wenn nur das mein Problem wäre.
Denn was ich dem Impfmeister im Institut nicht getraute laut zu sagen (schließlich drohte die Absage der Fußballreise), war die Sache mit meinem kaputten Kiefer und der dazugehörigen Behandlung mit Antibiotikum. Ohne jetzt allzu persönlich zu werden, nur so viel: Ich bin bestimmt der erste Mensch, der nach Afrika fliegt in der Hoffnung, dort endlich seine Verdauung in den Griff zu kriegen ...
Morgen mehr, ich muss jetzt los, um endlich festzustellen, ob Air Afrique so schön fliegt, wie ihr Name klingt.
Der Afrika-Cup beginnt am Samstag mit der Partie zwischen Mali und Liberia. Am Turnier nehmen insgesamt 16 Profis aus der Bundesliga teil und ein deutscher Trainer: Winnie Schäfer, der Deutschlands WM-Gegner Kamerun betreut.