Mainzer Durchhänger Die Krisen-Resistenten
Mainz-Trainer Tuchel: "Ungeschickt verteidigt"
Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty ImagesHamburg - Selten sieht man Thomas Tuchel mit so ernster Miene. Als der Mainzer Trainer nach der 0:1-Niederlage beim SC Freiburg seinen Kommentar zum Spiel abgeben sollte, driftete sein Statement in eine Mini-Anklage gegen den Schiedsrichter ab. "Der Elfmeter war in seiner Entstehung bitter für uns. Keiner wusste, warum es den gab. Wir wollten zu Null spielen, das ist uns dadurch nicht gelungen", haderte Tuchel mit dem spielentscheidenden Pfiff von Wolfgang Stark.
Nach der dritten Mainzer Pflichtspiel-Pleite in Serie redete der Präsident Klartext, auch der Manager fand deutliche Worte. Nur Tuchel erwies sich als schlechter Verlierer und machte den Schiedsrichter zum Sündenbock. Nach einem Zweikampf zwischen Niko Bungert und Oliver Barth hatte der deutsche WM-Referee auf Elfmeter entschieden, den Freiburgs Torjäger Papiss Demba Cissé (64.) mit seinem neunten Saisontor zum Sieg verwandelte.
"Natürlich hat Bungert das Trikot des Gegners in der Hand. Aber es gibt in jedem Spiel vier, fünf solcher Szenen. Man sollte sich mal auf eine einheitliche Vorgehensweise einigen", schimpfte Tuchel noch am Samstag. Am Sonntagmorgen war dann nicht nur die Gelassenheit in seine Miene zurückgekehrt, sondern auch die Diplomatie in seine Worte. "Unter dem Strich kann man den Elfmeter pfeifen, es war ungeschickt verteidigt", sagte Tuchel im TV-Sender "Sport 1".
Seine Vorgesetzten analysierten den anhaltenden Tiefflug des Überraschungsteams bereits am Samstagabend etwas differenzierter. "Im Moment haben wir eine schlechte Phase. Man hat gemerkt, dass Freiburg den Tick mehr Willen und Schwung hatte. Der Mannschaft muss wieder bewusst werden, dass der Weg zum Erfolg über unbändigen Einsatz und Spielfreude führt", sagte Präsident Harald Strutz.
"Wir rufen jetzt keine Krise aus"
Ähnliche Töne waren von Manager Christian Heidel zu vernehmen, der sich erst scherzhaft bei den wartenden Journalisten mit den Worten "Wir müssen jetzt zur Krisensitzung" verabschiedete, um dann genau diese Leichtigkeit von seiner Mannschaft zurückzufordern. "Uns fehlt momentan ein bisschen das Freche, Wilde, Aggressive. Wir hatten es nicht verdient, hier zu punkten. Wir müssen versuchen, auf den richtigen Weg zurückzukommen."
Anlass zur Sorge sieht die Mainzer Führungsspitze jedoch nicht. "Wir rufen jetzt keine Krise aus. Klar ist das Gefühl nicht angenehm, wenn man verliert. Aber wir klagen ja auf einem sehr hohen Niveau. Unsere tolle Serie nimmt uns keiner mehr weg, und die 24 Punkte auch nicht", erklärte Heidel.
Vor 22.400 Zuschauern blieben die Gäste in der Offensive harmlos - auch, weil die hochgelobten Jung-Stars André Schürrle und Lewis Holtby keine Akzente setzen konnten. "Es ist doch normal, dass beide im Laufe der Saison Schwankungen unterworfen sind und nicht 34 Mal die Note 1 bekommen", sagte Heidel. Geburtstagskind Schürrle, der am Samstag 20 Jahre alt wurde, versprach schnelle Besserung: "Wir haben bisher sehr guten Fußball gespielt. Daran müssen wir uns erinnern, wieder leicht und unbeschwert auftreten. Dann wird all das zurückkommen, was uns stark gemacht hat."
Die Freiburger scherten sich wenig um die Probleme des Gegners und freuten sich diebisch über den verdienten Erfolg gegen das bisherige Überraschungsteam der Liga. Trainer Robin Dutt gab als Zeichen der Anerkennung für das Team nur ein Statement bei der Pressekonferenz ab und verweigerte weitere Interviews, weil der "Sieg der Mannschaft gehöre. Das war eine leidenschaftliche Leistung. Schön, dass wir es geschafft haben, eine Spitzenmannschaft zu schlagen. Das war ein besonderer Sieg."
Tuchel machte genau dieses Image mitverantwortlich für die Niederlage: "Der Wert, gegen uns zu gewinnen, ist gestiegen", sagte der 37-Jährige am Sonntagvormittag mit ruhiger Stimme. So, wie man ihn kennt.