Mainzer Hoffnung Raketenstart dank Neururer
Im Abstiegskampf hatte der FSV Mainz 05 in der vergangenen Woche gemeinsam mit seinen Fans die "Aktion 15 possible" ausgerufen, die beschwören sollte, dass das Unmögliche doch möglich ist: der Klassenerhalt trotz nur elf Punkten aus den 17 Spielen der Hinrunde. Eine Rakete wurde als Symbol dieser Aktion gewählt, denn abheben und hoch fliegen muss der Tabellenletzte, wenn er bis zum Ende der Saison den 15. Tabellenplatz noch erreichen will. Nach dem 1:0-Sieg beim VfL Bochum hat diese Aktion überraschend einen Paten, der damit bestimmt nicht einverstanden ist: Peter Neururer. Der momentan arbeitslose Trainer und die Mainzer sind ungefähr genauso begeistert voneinander wie Eintracht Frankfurt und Mainz 05.
"Der würde bei uns nie Trainer", sagt Manager Christian Heidel, hilfreich war Neururer beim Rückrundenstart dennoch. "Der muss eigentlich nur was sagen, das ist Doping für uns", erklärte Heidel. In diesem Fall hatte der Coach in einem Zeitungsinterview keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Mainzer für so gut wie abgestiegen hält. "Nachdem ich das gelesen hatte, dachte ich, dass es heute wieder gut gehen muss." So ähnlich war es nämlich schon in der vorletzten Spielzeit gewesen, als Neururer noch Trainer des VfL Bochum war. Mainz 05 gewann im Ruhrstadion mit 6:2, Bochum stieg ab und Neururer setzte seine Odyssee durch die Bundesligaclubs fort.
Doch nicht nur Neururer half beim Rückrundenstart. Wenn Mainz 05 immer gegen den VfL Bochum spielen dürfte, würden sie am Ende wohl die deutsche Meisterschaft feiern. Alle vier Erstligaspiele hat die Mannschaft von Jürgen Klopp gegen die Bochumer gewonnen, die einzigen beiden Siege in dieser Saison gab es ebenfalls gegen den VfL. "Das ist ein statistisches Merkmal, das uns nur wenig hilft", sagte Klopp. Der Erfolg beim Lieblingsgegner, der erste nach 16 Bundesligaspielen ohne Sieg, hilft jedoch ganz enorm. "Wir haben der Liga den Stock in die Speichen gehauen, uns rennt erst einmal niemand davon", sagte der Mainzer Trainer.
Dass nach den Bochumern auch noch andere Mannschaften über den Lenker fliegen könnten, war bei Spiel eins der Mission durchaus zu sehen. Unsicher starteten die Mainzer ins Spiel, hatten anfangs etwas Glück und einen guten Torhüter Dimo Wache. Aber dann erkämpften sie sich in einem nie flüssigen Spiel ihre Vorteile, weil die Gastgeber "Fehler machten, die ich länger nicht gesehen habe", wie ihr Trainer Marcel Koller klagte. Der VfL Bochum versuchte es spielerisch, aber Misimovic produziert zu wenig Einfälle und Gekas nutzte seine Gelegenheiten nicht.
Im Windschatten dieser Nachlässigkeiten wuchsen die Mainzer und begann irgendwann zu merken, dass sie mit neuer Qualität in die Rückrunde gehen. Mit beachtlichem Mut zum finanziellen Risiko hatte der Club in der Winterpause investiert und ist dadurch besser geworden, das war deutlich zu sehen. Der von Werder Bremen ausgeliehene Leon Andreasen stabilisiert das Team im defensiven Mittelfeld deutlich, und vorne im Angriff sorgte in Mohamed Zidan ein weiterer Ex-Bremer für Schwung.
Wie gut der Rückkehrer war, darüber gab es jedoch bei den Mainzern unterschiedliche Einschätzungen. "Er hat uns in der ersten halben Stunde mehr Chancen rausgespielt als wir vorher in vier Spielen hatten", sagte Heidel begeistert. Auch Torschütze Marco Rose war vom altbekannten Neuling im Sturm angetan: "Mit seinen Dribblings ist er ein Spieler, der uns gefehlt hat." Nur Klopp hielt den Auftritt des Ägypters eher für einen Vorgeschmack auf Größeres. "Er hat alles aufblitzen, was er drauf hat, kann es aber bestimmt noch besser."
Mit Zidan ist Mainz 05 im Angriff dennoch konkurrenzfähig geworden, und vielleicht wird der flinke Stürmer am Mittwoch im Spiel gegen Borussia Dortmund noch besser eingesetzt. Heidel geht jedenfalls "fest davon aus", dass dann endlich die Spielgenehmigung des Kolumbianers Elkin Seto vorliegt. Dann wird sich zeigen, ob die Mainzer Rakete von der in Bochum errichteten Startrampe auch abheben wird. Allerdings müssen sie bei den Flugversuchen ohne die Unterstützung von Peter Neururer auskommen.