Premier-League-Duell van Gaal gegen Koeman In alter Feindschaft
Trainer Koeman (l.), van Gaal (beim FC Barcelona): Duell in der Premier League
Foto: © Reuters Photographer / Reuter/ REUTERSRonald Koeman war nicht zufrieden mit seiner Wortwahl, als er vor dem anstehenden Spiel des FC Southampton gegen Manchester United (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf den Trainer des Gegners zu sprechen kam. Sein Verhältnis zu Louis van Gaal sei gut, sagte Koeman zunächst. Dann korrigierte er sich: "Nicht gut. Korrekt. Das trifft es am besten."
Und das ist immer noch freundlich formuliert.
In den späten Neunzigerjahren arbeiteten die beiden Niederländer gemeinsam beim FC Barcelona, van Gaal als Trainer, Koeman als Assistent. Das klappte problemlos. Zu Feinden wurden sie 2004 bei Ajax Amsterdam. Koeman war Trainer, van Gaal kam als Sportchef. Die Aufgabenbereiche waren klar getrennt: Der eine (Koeman) war für das Sportliche zuständig, der andere (van Gaal) für die Zusammenstellung des Kaders.
Das war dem heutigen Trainer von Manchester United offensichtlich nicht genug. Die Rolle im Hintergrund erträgt van Gaal nicht. Er soll bei jeder Trainingseinheit zugeschaut haben, auf einem Stuhl sitzend, den er jedes Mal aus seinem Büro an den Trainingsplatz gestellt hatte. Er soll Kommandos gegeben und seinen Lieblingsspielern applaudiert haben. Van Gaals Einmischung irritierte Koeman und belastete die Zusammenarbeit.
Zum Bruch kam es, als van Gaal den damals besten Ajax-Spieler gegen den Widerstand des Trainers verkaufte. Dieser Spieler war Zlatan Ibrahimovic. Für 16 Millionen Euro wechselte der Schwede im Sommer 2004 am letzten Tag der Transferfrist zu Juventus Turin. Spätestens in diesem Moment war klar, dass die Verbindung zwischen den beiden niederländischen Ikonen nicht funktionierte.
Ein Handschlag muss reichen
Die Ajax-Führung musste sich entscheiden: Van Gaal oder Koeman? Eher überraschend entschied sie sich für Koeman, van Gaal trat zurück. Und ließ keinen Zweifel daran, wer schuld an seinem Ende als Sportdirektor war: Mit Hilfe der Medien habe Koeman ihn aus dem Verein gedrängt, behauptete van Gaal später.
Mittlerweile hat sich das Verhältnis zwischen den Trainern leicht entspannt, weil sie zur konstruktiven Zusammenarbeit gezwungen waren. In seiner Zeit als niederländischer Nationaltrainer, die mit dem dritten Platz bei der WM in Brasilien endete, vertraute van Gaal einem Block aus Spielern von Feyenoord Rotterdam. Feyenoord Trainer in dieser Zeit war Koeman.
Wenn sich Manchester und Southampton am Abend in der Premier League treffen, werden die Trainer auf gutes Benehmen achten. Ein Handschlag vor und nach dem Spiel sei kein Problem, sagen beide, aber das müsse auch genügen.
Das Getöse um van Gaal und Koeman lenkt davon ab, dass auch sportlich einiges auf dem Spiel steht bei der Partie zwischen Southampton und Manchester United im Stadion St. Mary's. Die Gastgeber müssen beweisen, dass ihre starke Saison - trotz zahlreicher Weggänge im Sommer sind sie in den Champions-League-Rängen - nicht alleine dem vergleichsweise einfachen Programm zum Ligastart zu verdanken ist. Gegen Mannschaften wie Swansea, Sunderland, Stoke und Hull punktet Koemans Team verlässlich. Mit den großen Klubs kann Southampton dagegen nicht mithalten. Zuletzt gab es zwei Niederlagen nacheinander, gegen Manchester City und den FC Arsenal.
Bei Manchester United läuft der Trend in die andere Richtung. Anfang November hatte der Rekordmeister mit der Niederlage gegen Manchester City den schlechtesten Saisonstart seit 1986 komplettiert. Selbst David Moyes, nach nur einer Saison wieder entlassen, war besser gestartet. Van Gaals Mission Wiederaufbau bei Manchester United drohte früh zu scheitern, und das trotz fast 200 Millionen Euro, die der Trainer in Spieler wie Ángel di María (von Real Madrid), Luke Shaw (Southampton), Ander Herrera (Athletic Bilbao) und Daley Blind (Ajax) investiert hatte.
Rooney fehlt, Falcao ist nicht fit
Mittlerweile ist Manchester in der Saison angekommen. Zuletzt gab es vier Siege nacheinander, unter anderem ein 2:1 bei Arsenal. Mit drei Punkten in Southampton könnte van Gaals Team Dritter werden (wie auch Southampton im Fall eines Sieges). Der Rückstand auf Spitzenreiter Chelsea würde dann aber immer noch acht Punkte betragen. Die Meisterschaft ist noch kein Thema für Manchester United, doch das war van Gaal von Beginn an klar: "Wir befinden uns in einem Prozess, das habe ich von Anfang an gesagt. Und dieser Prozess braucht mehr Zeit als nur ein Jahr, er braucht drei Jahre", sagte der Trainer neulich, als das Team noch in der Krise steckte.
Dass United schlecht gestartet war, hat auch mit Verletzungspech zu tun. Van Gaal muss ständig auf wichtige Spieler verzichten, im Moment können Blind, di María, Shaw und Kapitän Wayne Rooney nicht mitmachen. Der aus Monaco geliehene Radamel Falcao steht gegen Southampton nach einer hartnäckigen Wadenverletzung wieder im Kader, von seiner Topform ist er aber noch weit entfernt. Die Fitness reicht laut van Gaal gerade einmal für 20 Minuten.
Aber das könnte ja reichen, um dem Trainer einen Sieg gegen seinen alten Rivalen zu sichern.