Manipulationsskandal: Vier Schiedsrichter zeigten Hoyzer an - DER SPIEGEL
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Manipulationsskandal Vier Schiedsrichter zeigten Hoyzer an

Vier Referees aus Berlin haben ihren Kollegen Robert Hoyzer beim DFB im Zusammenhang mit "Ungereimtheiten" gemeldet. Schiedsrichterassistent Felix Zwayer hatte vor der Zweitligapartie zwischen Rot-Weiß Essen und dem 1. FC Köln (2:2) einen Telefonanruf erhalten, der ihn dazu bewegen sollte, das Ergebnis zu manipulieren.
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Hamburg - Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte gestern erklärt, dass Hoyzer bei der von Manuel Gräfe geleiteten Partie zwischen Essen und Köln am 22. Oktober 2004 versucht haben soll, Einfluss zu nehmen.

Zwayer nannte im Interview mit dem "Kölner Express" den Namen Hoyzers allerdings nicht, der seit Samstag unter Manipulationsverdacht und im Mittelpunkt des größten Bundesliga-Skandals seit 1971 steht. "Ich wurde vor dem Spiel in Essen angerufen. Ich sollte durch meine Entscheidungen Einfluss auf das Spiel nehmen. Ich habe das Gespräch abgebrochen und wollte damit nichts zu tun haben", sagte Zwayer, der Schiedsrichter Gräfe und Assistent Markus Häcker von dem Vorfall aber nicht unterrichtet hatte: "Nein, ich habe nichts weitergegeben. Manuel und Markus wussten bis jetzt nichts von dem Versuch."

Gräfe und Zwayer sowie ihre Schiedsrichterkollegen aus dem Berliner Fußballverband, Lutz-Michael Fröhlich und Olaf Blumenstein, gaben dem DFB den entscheidenden Tipp im Fall Hoyzer. "Wir betonen, dass wir Robert Hoyzer weder des Wettens auf eigene Spielleitungen und des Betrugs bezichtigt noch irgendwelche Hintergründe oder weitere Personen damit in Zusammenhang gebracht haben", heißt es in ihrer Stellungnahme. Auf Grund dieser Hinweise aber wurden die Ermittlungen des Kontrollausschusses gegen den unter Manipulationsverdacht stehenden Berliner Hoyzer eingeleitet.

Gräfe selbst beteuert seine Unschuld. "Ich und meine Kollegen haben damit nichts zu tun. Es ist Zeit, die Spekulationen zu beenden. Die Fakten und Namen müssen jetzt auf den Tisch", sagte er dem "Express". Gräfe, der auch Bundesligaspiele leitet, fürchtet um seinen guten Ruf. "Das alles ist ein großer Imageschaden, eine Katastrophe. Jetzt müssen unbedingt Ross und Reiter genannt werden. Ich bin fußballverrückt, ich liebe meinen Job. Ich würde niemals auf so eine Idee kommen", sagte Gräfe. Der DFB gab gestern Abend eine Ehrenerklärung für das Schiedsrichtergespann um Gräfe ab.

"Der Schaden ist immens"

Beim außerordentlichen Schiedsrichter-Treffen übermorgen in Frankfurt am Main müssen die 44 Referees der Ersten und Zweiten Liga doch keinen Ehrenkodex unterzeichnen. Der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth, hatte zunächst darauf gedrängt. Wer nicht unterschreibe, "der kann nicht mehr auf der DFB-Liste stehen", hatte Roth der "Sport-Bild" gesagt und hinzu gefügt: "Ich bin nicht zu haben für irgendwelche Vertuschungen. Der Schaden ist immens. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sich mal so etwas entwickelt."

Schon gestern hatte sich Deutschlands Vorzeige-Referee Markus Merk gegen einen Ehrenkodex und das von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder geforderte Wettverbot für Schiedsrichter ausgesprochen. "Ich halte grundsätzlich nichts von Verboten. Die Diskussion über einen Ehrenkodex, den Schiedsrichter unterschreiben sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Mir ist noch nie in den Sinn gekommen, auf Bundesligaspiele zu wetten", sagte der zum weltbesten Fußball-Schiedsrichter des Jahres 2004 gewählte Unparteiische.

Gemeinsam mit DFB-Chefankläger Horst Hilpert hatte Roth am vergangenen Freitag den unter Manipulationsverdacht stehenden Hoyzer zu den aus Schiedsrichterkreisen stammenden Vorwürfen befragt. "Ich habe ihm klar gemacht, dass wir im Schiedsrichter-Ausschuss schon bei einem Anschein einer Unregelmäßigkeit eine weitere Verwendung auf der DFB-Schiedsrichterliste nicht dulden werden. Wir haben ihm nahe gelegt zurückzutreten. Das hat er dann auch gemacht", erklärte Roth.

Als zweitbester Zweitliga-Schiedsrichter gefeiert

Trotz aller Beteuerungen, es handle sich hierbei um einen Einzelfall, bringt der "Fall Hoyzer" das deutsche Schiedsrichter-Wesen, seine Führungsfiguren und das Beobachtungs-System in die Kritik. So wurde Hoyzer pikanterweise Ende vergangener Saison in einer internen DFB-Rangliste als zweitbester Zweitliga-Schiedsrichter ausgezeichnet, obwohl er nach den jetzigen Ermittlungen schon damals durch umstrittene Entscheidungen bei Spielen aufgefallen war. Zudem hatte man beim DFB überhaupt nicht ins Kalkül gezogen, dass ein Schiedsrichter unehrenhaft handeln könnte, wie Lehrwart Eugen Striegel zugab. "Dass es zu Manipulationen führen kann, das war für uns bisher vollkommen ausgeschlossen und undenkbar", sagte er: "Ich hätte auch die Hand ins Feuer gelegt für jeden einzelnen Schiedsrichter."