ManU - Real: "Schwarzer Mittwoch" im Old Trafford - DER SPIEGEL
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ManU - Real "Schwarzer Mittwoch" im Old Trafford

Während die spanische Presse Spieler und Trainer von Real Madrid mit Lobeshymnen feierte, herrscht bei Titelverteidiger Manchester United nach dem Viertelfinal-Aus tiefste Depression. Selbst ManUs Aktienkurs an der Londoner Börse erlebte einen kräftigen Einbruch.
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Manchester - Der König ist tot, es leben die Königlichen! Nach dem Sturz des Titelverteidigers und Topfavoriten Manchester United vom Thron der Champions League hat Spanien mit drei Halbfinalisten das Zepter in Fußball-Europa übernommen - dank Real Madrid. "19. April 2000 - ein Tag, an dem Real zu altem Ruhm fand", feierte die große Madrider Sportzeitung "Marca" den historischen 3:2-Sieg im Viertelfinal-Rückspiel (Hinspiel 0:0) im legendären Old Trafford, während die Times den englischen "Katzenjammer" auf einen Nenner brachte: "Real schickte ManU ins Fußballexil".

Die Zeitung "As" in Madrid erinnerte indes mit ihrer euphorischen Schlagzeile ("Elf Di Stefanos") bereits an die glorreichen fünfziger und sechziger Jahre des Rekordmeisters und beschrieb den Traum der spanischen Fußballfans von einem Finale am 24. Mai in Paris gegen den Erzrivalen FC Barcelona oder Liga-Konkurrenten FC Valencia. Denn die Gazetten prophezeien nach der rauschenden Fußballnacht einstimmig: "Jetzt holen wir uns die Bayern."

Jupp Heynckes, Madrids Trainer beim Endspiel-Triumph 1998 über Juventus Turin, warnt den Deutschen Meister aus München in einer "Kicker"-Kolumne: "Die beiden hohen Siege in der Vorrunde dürfen nicht zu einer Verblendung führen. Real will Revanche - und hat dazu auch die sportlichen Möglichkeiten."

In Madrid, so Heynckes, dominiere wieder das Kollektiv. Eine Eigenschaft, mit der Manchester in zuvor 39 Spielen zu Hause ungeschlagen geblieben und bei den Buchmachern zum haushohen Favoriten auf den erneuten Titelgewinn avanciert war. Der letzte Sieg in der legendären Arena im Europacup war Borussia Dortmund (1:0) im Halbfinale des Wettbewerbs 1996/97 gelungen.

Statt rosiger Zukunftsaussichten, die Teammanager Sir Alex Ferguson noch vor dem Duell mit Real schlagzeilenträchtig formuliert hatte, erlebte das umsatzstärkste Fußballunternehmen der Welt einen "schwarzen Mittwoch". An der Londoner Börse gab die ManU-Aktie am Donnerstagvormittag um vier Prozent nach, denn als Trost bleibt den Anlegern der programmierte erneute Gewinn der nationalen Meisterschaft.

"Das Aus ist jedoch ein Schock, von dem wir uns erst einmal erholen müssen, aber Real hat sehr stark und klug gespielt. Es war nicht unser Abend, das muss man akzeptieren", meinte Ferguson, der sogar ein Desaster befürchten musste, nachdem sein Starensemble durch Roy Keane (20., Eigentor) und Raúl (50. und 53.) mit 0:3 in Rückstand geraten war.

Die anschließende Aufholjagd, in der ManU allerdings kopflos gegen das spanische Abwehrbollwerk mit dem überragenden 18 Jahre alten Torhüter Casillas Iker anrannte, reichte nur zur Resultatsverbesserung durch David Beckham (64.) und Paul Scholes (88., Foulelfmeter). Der ehemalige deutsche Nationaltorhüter Bodo Illgner erlebte den ersten Sieg einer spanischen Mannschaft in Old Trafford auf der Reservebank.

Fünf Monate nach der Entlassung des walisischen Trainers John Toshack hat sich Nachfolger Vicente Del Bosque mit dem unerwarteten Triumph vorzeitig ein Denkmal gesetzt. "Das war der bisher schönste Moment meiner Trainerkarriere", bestätigte der einstige Nationalspieler, nachdem er die Gala seiner Mannschaft am Spielfeldrand fast regungslos verfolgt hatte, und erklärte: "Ich konnte selbst nach dem Abpfiff des Schiedsrichters nicht glauben, dass wir gewonnen haben."