Neuer-Kritik an DFB-Spielstil "Wir müssen alle defensiver denken"
Manuel Neuer: Kritik an der Offensivtaktik des Bundestrainer
Foto: Kay Nietfeld/ dpaHamburg - Manuel Neuer wünscht sich in der Nationalmannschaft neue Prioritäten. "Vielleicht muss einfach mal im Vordergrund stehen: Wir spielen heute zu null", sagte der Torhüter im "Kicker". Er würde sich diese Zielsetzung als "Hauptvorgabe" für ein Länderspiel wünschen, so Neuer, der die fehlende Stabilität im deutschen Spiel schon seit längerer Zeit beklagt. Man dürfe die elementaren Dinge des Fußballs nicht vergessen.
Vor dem Hintergrund des denkwürdigen 4:4 gegen Schweden, als die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen 4:0-Vorsprung verspielte, sagte der 26-Jährige: "Wir müssen alle defensiver denken." Auch beim 2:1 in Wien gegen Österreich oder beim 4:2 im Viertelfinale der EM gegen Griechenland hätte die DFB-Elf Gegentore kassiert, "wie es schlimmer nicht mehr geht".
Mit seinen Aussagen setzt der Keeper des FC Bayern München einen Kontrapunkt zu Bundestrainer Joachim Löw. Dieser hatte noch am vergangenen Wochenende ausdrücklich betont, dass es auch nach dem 4:4 in der WM-Qualifikation zur Angriffsphilosophie des DFB-Teams "keine Alternative" gebe.
Gegen Schweden sei das Problem gewesen, "dass wir nichts geändert haben", so Neuer. Auch Bundestrainer Löw hatte im Nachhinein eigene Coaching-Fehler bei der Partie in Berlin eingeräumt.
Italien-Coach Prandelli nimmt Löw in Schutz
Verbale Unterstützung für seinen Kurs mit der deutschen Mannschaft erhielt Löw unterdessen von Italiens Nationalcoach Cesare Prandelli. "Ach Gott, ihr seid aber kritisch! Zunächst einmal sollte man Löw für seine großartige Arbeit danken", sagte Prandelli dem "Kicker".
Deutschland besitze "ein junges Team, dem die Zukunft gehört, mit einem fantastischen Stil und einer stringenten Taktik", so der 55-Jährige. "Ehrlich gesagt wäre ich stolz, einen Kader wie Jogi Löw mit dieser Perspektive zu haben."
Über den 2:1-Sieg seiner Italiener gegen Deutschland im Halbfinale der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sagte Prandelli: "Das war ein offenes Duell, in einigen Momenten waren wir das bessere Team, in anderen hatten wir etwas mehr Glück."
Zu der Aussage, dass man in Deutschland Löw immer noch Vorwürfe wegen der Aufstellung mache, sagte Prandelli: "Da sieht man mal, dass jedes Land zwar seine eigene Fußball-Kultur und Tradition hat, doch am Ende ist, wie auch in Italien, stets der Trainer der einzig Schuldige. Quatsch."
Für das letzte Länderspiel des Jahres gegen die Niederlande wird Löw ohne zwei defensive Leistungsträger planen müssen. Mittelfeldspieler Sami Khedira von Real Madrid und Innenverteidiger Holger Badstuber vom FC Bayern München fallen für das Duell am 14. November in Amsterdam nach Muskelverletzungen aus (20:45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).