Marco Bode: "Kasparow wird zurückkommen" - DER SPIEGEL
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Marco Bode "Kasparow wird zurückkommen"

Fußballprofi Marco Bode, 31, entspannt sich gerne bei einer Partie Schach. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der Nationalspieler über Parallelen zwischen Schach und Fußball sowie den WM-Kampf Kasparow gegen Kramnik.
Von Andreas Kötter
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Sie sind ein großer Schach-Fan, Herr Bode. Auf Ihrer Homepage bieten Sie Besuchern sogar die Möglichkeit, gegen Sie anzutreten. Was macht die Faszination von Schach aus?

Marco Bode: Ich spiele generell gerne, das muss gar nicht unbedingt Schach sein. Ich habe durchaus auch Spaß an anderen Spielen. Am Schach reizt mich besonders, dass der Zufall - wie im Fußball so oft - keine Rolle spielt. Schach hat nichts mit Glück zu tun. Sieg oder Niederlage hängen beinahe ausschließlich davon ab, wer aufmerksamer ist und wer es besser versteht, sich zu konzentrieren.

SPIEGEL ONLINE: Ihr ehemaliger Trainer Felix Magath, ein leidenschaftlicher Schachspieler wie Sie, spricht von "Analogien zwischen Fußball und Schach".

Bode: Wenn man will, kann man sicher eine Reihe von Parallelen herstellen. Magath hat uns damals eine Menge über die seiner Meinung nach große Ähnlichkeit zwischen Schach und Fußball erzählt, und vieles von dem, was er sagte, ist für mich durchaus nachvollziehbar gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Bode: Dass man in jeder Sekunde des Spiels hochkonzentriert sein muss, weil der Gegner die kleinste Unachtsamkeit ausnützen könnte.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie mal gegen Magath Schach gespielt?

Bode: Es wäre fast mal dazu gekommen, dann war es aber doch schon zu spät...

SPIEGEL ONLINE: ...weil Magath bei Werder gefeuert wurde...

Bode: Ja. Ich hätte wirklich gerne mal gegen ihn gespielt, vielleicht hatten wir aber einfach auch beide Angst, zu verlieren. Denn wenn man überhaupt nicht weiß, wie der andere spielt und dessen Niveau nicht einschätzen kann, dann ist man doch ein bisschen vorsichtig. Das gilt zumindest für mich. Vielleicht kommt die Chance ja noch mal.

SPIEGEL ONLINE: Ziehen Sie für Ihr Fußball-Spiel Nutzen aus dem Schach?

Bode: Ich muss mit einer Situation fertig werden, in der der gegnerische Abwehrspielerspieler genau das Gegenteil von dem will, was ich erreichen möchte. Ich will ein Tor erzielen, er will das verhindern.

SPIEGEL ONLINE: Das ist Garri Kasparow im zurückübertragenen Sinne bei der Weltmeisterschaft gegen Wladimir Kramnik nicht geglückt. Es scheint, als gehe eine Ära zu Ende.

Bode: Die ganze Sache scheint mir ein wenig undurchsichtig. Kasparow soll vor einer Woche gesagt haben, dass er sehr müde sei und es besondere Gründe für sein mäßiges Spiel gebe. Darüber reden wolle er aber erst nach dem Weltmeisterschaftskampf...

SPIEGEL ONLINE: ... Vielleicht nur eine billige Ausrede.

Bode: Auch wenn Kramnik zweifelsohne auf einem sehr hohen Niveau spielte, so kämpfte er einfach nicht gegen jenen Kasparow, der auch unter höchstem Druck noch in der Lage ist, sich aus einer prekären Lage zu befreien. Kasparow hat diesmal auch völlig darauf verzichtet, seinen Gegner durch den ein oder anderen Trick zu verunsichern. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Er hat diesen Kampf verloren, aber ich bin sicher, dass er noch einmal seine Chance zur Revanche suchen wird. Deshalb glaube ich auch noch nicht an das Ende der Ära Kasparow. Kasparow wird zurückkommen.