Marko Marin: Ein Talent am Scheideweg - DER SPIEGEL
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Marko Marin: Ausnahmetalent unter Zugzwang

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Marko Marin Ein Talent am Scheideweg

Marko Marin wird sich in der kommenden Saison behaupten müssen: In der Nationalmannschaft nur zweite Wahl, könnte dem dribbelstarken Mittelfeldspieler bei seinem Club Werder Bremen das gleiche Schicksal drohen - außer Mesut Özil verlässt noch den Verein.
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5,275 Sekunden: Neuer deutscher Rekord im Speed4-Dribbelparcours. Aufgestellt hat ihn Marko Marin. Einen Tag nach dem 4:0 im DFB-Pokal gegen Rot Weiss Ahlen zeigt sich der Mittelfeldspieler von Werder Bremen auf der Präsentation seiner neuen Homepage losgelöst und locker. Bereitwillig schreibt er Autogramme und lässt sich mit seinen Fans fotografieren.

Gleich mehrmals stellt Marin an diesem Sonntagnachmittag seine Ballfertigkeit unter Beweis und durchläuft den aufgebauten Speed4-Dribbelparcours. Mit Erfolg, bereits nach wenigen Versuchen hat er den 2006 aufgestellten deutschen Rekord von Bochums "Zaubermaus" Dariusz Wosz gebrochen. Nur der Weltrekord auf dem etwa 15 Meter langen Parcours will dem Nationalspieler nicht gelingen. Doch weder das, noch der einsetzende Regen über dem Bremer Sportpark kann seine gute Laune trüben - zumal der Weltrekord von keinem geringeren als Weltfußballer Lionel Messi gehalten wird: 5,125 Sekunden.

Im Verein bleibt momentan weniger Grund zur Freude. Bei den Bremern geht Marin als einer der Verlierer aus der Saisonvorbereitung. Eine Stammplatzgarantie gibt es offenbar nicht mehr für ihn. Im ersten Spiel gegen Ahlen musste der 21-Jährige zunächst auf der Bank Platz nehmen. Erst in der 61. Minute wurde er für Özil eingewechselt.

"Wenn ich fit bin, werde ich immer in der Startelf stehen"

Marin als Ersatzspieler - eine Rolle, die dem 1.70 Meter großen Mittelfeldspieler demnächst häufiger blühen könnte. Trotz seines sehenswerten Treffers zum 4:0, scheint Trainer Thomas Schaaf in der Offensive zur Zeit auf andere Spieler zu bauen. Aron Hunt und Hugo Almeida spielten sich mit einer starken Vorbereitung ins Team, Claudio Pizarro und Mesut Özil, so lange er noch Werderaner ist, sind gesetzt und auf der rechten Außenbahn wurde im Sommer mit dem zwar umstrittenen, aber begabten Österreicher Marko Arnautovic ein weiterer Topspieler verpflichtet.

Zweifel an seiner eigenen Position bei Werder hat Marin nach außen hin trotzdem nicht. Demonstrativ selbstbewusst äußert er seine Ansprüche: "Ich weiß, wo ich im Verein mein Standing habe, da mache ich mir gar keine Gedanken. Wenn ich zu hundert Prozent fit bin, werde ich immer in der Startelf stehen", sagte er SPIEGEL ONLINE.

Den Grund für sein Fehlen in der Startaufstellung gegen Ahlen sieht Marin zum Teil in der kurzen Vorbereitungsphase, die er nach der WM im Verein hatte, fehlender Spielpraxis und in seiner Reise zum Länderspiel gegen Dänemark unter der Woche. "Wir sind erst zehn, zwölf Tage im Training, da ist es klar, dass man noch nicht voll dabei ist", so Marin. Doch Fakt ist: Der Mittelfeldspieler nahm früher das Training wieder auf als alle anderen WM-Teilnehmer der Bremer. Und mit Özil und Almeida erhielten im DFB-Pokal gleich zwei WM-Fahrer den Vorzug gegenüber Marin. Zwei, die in Südafrika auf deutlich mehr Spielzeit kamen und dementsprechend nicht unbedingt in besserer Form sein dürften.

Ein Wechsel Ozils wäre Marins große Chance

Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass Marin in Bremen fürs erste mit der Rolle der Jokers vorlieb nehmen muss. Es sei denn, bei Werders Manager Klaus Allofs sollte in den kommenden Tagen ein akzeptables Angebot für Özil eingehen und der Nationalspieler den Club doch noch vorzeitig verlassen. Dann wären Marins Aussichten deutlich besser. Der Offensivallrounder hätte die Chance, sich als Spielgestalter bei Werder zu beweisen.

Nachdem allerdings die Bremer zuletzt eine Offerte von Real Madrid ablehnten, stehen die Zeichen derzeit eher auf einen Verbleib Özils. Bis Mittwoch wird eine Entscheidung fallen: Spielt der 20-Jährige in der Champions-League-Qualifikation gegen Sampdoria Genua, ist seine Verpflichtung für andere Topclubs automatisch uninteressant. Özil hätte in dem Fall für seinen neuen Arbeitgeber 2010 keine Spielberechtigung auf internationaler Ebene.

Für Marin könnte der Verlust seines Stammplatzes nach der verkorksten WM die zweite Enttäuschung in diesem Sommer werden. Enttäuschungen, die der Mittelfeldspieler nicht unbedingt gewohnt ist. Bisher legte der 21-Jährige eine Bilderbuchkarriere hin. Mit 18 Jahren Debüt bei den Profis von Borussia Mönchengladbach, mit 19 sein Debüt in der Nationalmannschaft und mit 20 der Wechsel zu Werder Bremen. Lediglich in seinem zweiten Gladbach-Jahr lernte er unter Trainer Hans Meyer schon einmal die Leiden des Reservisten-Daseins kennen.

Müller und Kroos im Vorteil

In seiner ersten Saison an der Weser konnte Marin sein Potenzial direkt unter Beweis stellen. Mit 14 Torvorlagen und vier Toren hatte er großen Anteil am dritten Tabellenplatz und der damit gleichbedeutenden Champions-League-Qualifikation der Bremer. Nach der guten Saison im Verein folgte bei der WM in Südafrika die Ernüchterung. Unter Bundestrainer Joachim Löw kam der Mittelfeldspieler nur auf zwei Einsätze.

In den Gruppenspielen gegen Australien und vor allem gegen Serbien konnte Marin die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Den Rest des Turniers verbrachte der Bremer Profi auf der Bank. Nicht zuletzt, weil andere Offensivtalente wie Thomas Müller und Toni Kroos ihre Chance besser nutzten. Diese beiden werden wohl auch in näherer Zukunft im Nationalteam den Vorzug erhalten.

Denn die Chance, sich im Länderspiel gegen Dänemark, bei dem Löw auf fast alle Stammspieler verzichtete, in den Vordergrund zu spielen, nahm Marin nicht wahr. Zu oft fiel der Mittelfeldspieler durch planlose und missglückte Dribblings auf.

Das Marko Marin an guten Tagen das Zeug hat, um in Bremen gesetzt zu sein und auch, um in der Nationalmannschaft eine gewichtige Rolle spielen zu können, steht außer Frage. Das hat er in der letzten Saison bewiesen. Doch sollte es noch lange dauern bis er zu seiner Topform findet, könnten andere an ihm vorbeiziehen.

Es wird ein wegweisendes Jahr für den Nationalspieler in seiner noch jungen Profikarriere. Es wird sein bisher schwerstes Jahr.

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