Martin Max: "Dafür würde ich alles geben!" - DER SPIEGEL
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Martin Max "Dafür würde ich alles geben!"

Es ist das wohl erstaunlichste Comeback der abgelaufenen Spielzeit. Mit 19 Treffern wurde Martin Max von 1860 München Bundesliga-Torschützenkönig. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE verrät der 31-Jährige seinen großen Traum.
Von Andreas Kötter
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Max, die abgelaufene Saison muss die schönste Ihrer Profikarriere sein.

Martin Max: Auf jeden Fall. Es hat endlich wieder Spaß gemacht, Fußball zu spielen. Natürlich war der Spaß umso größer, da sowohl die Mannschaft als auch ich persönlich sehr erfolgreich waren.

SPIEGEL ONLINE: Sie schienen sehr frustriert, als Sie am Ende der letzten Saison Schalke verließen. Wie hat Ihnen Werner Lorant bei 1860 München das Selbstvertrauen zurückgegeben?

Max: Ich möchte zuerst einmal Werner Lorant meinen Dank aussprechen, dass er mich überhaupt nach München geholt hat. Die offensive Spielweise der Sechziger, häufig auch über die Außenstürmer, kommt mir natürlich entgegen. Mein größtes Glück war aber wohl, dass auch Icke Häßler gekommen ist. Wenn so ein Mann hinter den Spitzen agiert, das ist ein Traum für jeden Stürmer. Lorant hat vor allem auch dafür gesorgt, dass ich topfit bin. So gut, wie in dieser Saison, sind meine Werte seit Jahren nicht gewesen. Das trägt natürlich dazu bei, dass man vor dem Tor die nötige Ruhe hat.

SPIEGEL ONLINE: Dann hätte Iht alter Trainer Huub Stevens also etwas falsch gemacht...

Max: Ich möchte jetzt niemanden kritisieren, jeder Trainer hat schließlich seinen eigenen Stil. Der Trainer in München jedenfalls legt größten Wert auf Fitness, und das ist mir bestens bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Wahrscheinlich jedoch nicht so gut, dass Erich Ribbeck den besten Torschützen der Liga am Montag auch in den EM-Kader beruft. Hat Ribbeck schon mal mit Ihnen gesprochen?

Max: Nein, leider überhaupt nicht. Wenn man mit seinem Verein international spielt, hat man einen Bonus. Das habe ich auch gemerkt, als ich mit Schalke im Uefa-Cup gespielt habe. Damals durfte ich an einem DFB-Lehrgang teilnehmen. Trotzdem ist es schade, dass der erfolgreichste Stürmer der Liga nicht dabei ist. Ich versuche aber, mir darüber nicht den Kopf zu zerbrechen. Ich habe in dieser Saison viel Spaß gehabt, habe sehr erfolgreich gespielt. Mehr kann ich nicht anbieten.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt, als hätten sie keine Hoffnung, dass es doch noch mit der Teilnahme an der Europameisterschaft klappen könnte?

Max: Ein bisschen Hoffnung sollte man immer haben. Es muss einfach auch das Ziel eines jeden Fußballers sein Nationalspieler zu werden. Realistisch betrachtet werde ich aber wohl nicht zur EM fahren.

SPIEGEL ONLINE: Gehört Ihr Mannschaftskollege Thomas Häßler ins DFB-Team für das Turnier in Holland und Belgien?

Max: Auf jeden Fall. Thomas hat eine Riesensaison gespielt, und ich sehe nicht so viele Kreativspieler in der DFB-Elf, als dass man es sich leisten könnte, auf einen "Icke" Häßler zu verzichten. Besonders dann nicht, wenn man sich an die letzten Länderspiele erinnert.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen die letzten, schwachen Länderspiele an. Sollten Sie nicht eigentlich froh sein, dass Sie nicht dabei sind?

Max: Auf gar keinen Fall. Es ist doch einfach das Allergrößte für sein Land zu spielen. Das ist mein Traum. Auf die Gefahr hin, dass es sich abgedroschen anhört: Ich würde zu Fuß zur Nationalmannschaft laufen.

SPIEGEL ONLINE: Nicht alle deutschen Spieler denken so, wie Sie, siehe Stefan Effenberg...

Max: Ich möchte nicht über andere urteilen, bei Effenberg weiß ich auch nicht genau, was früher vorgefallen ist. Ich kann und will nur für mich sprechen. Für mich jedenfalls wäre es eine Ehre für mein Vaterland zu spielen. Dafür würde ich alles geben.