Matchwinner Farfán: Schalkes Super-Söldner - DER SPIEGEL
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Jefferson Farfán: Beidfüßig, schnell, wechselwillig

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Matchwinner Farfán Schalkes Super-Söldner

Fußball-Profi Jefferson Farfán ist in der Branche als Söldner verschrien. Der Peruaner garantiert dem FC Schalke 04 mit seinen Toren in der Champions League aber auch satte Einnahmen. Ein Abschied zum Saisonende ist dennoch wahrscheinlich.
Von Gereon Detmer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Felix Magath hatte für das Verhalten von Jefferson Farfán nicht viel übrig. "Es wäre wünschenswert, wenn sich die Mitspieler Farfán zur Brust nehmen. Manche Profis tun so, als würden Verträge nichts zählen", ereiferte sich der Schalker Trainer im Januar. Nach seinem offensiv geäußerten Wechselwunsch und dem anschließend geplatzten Transfer zum VfL Wolfsburg gilt der Stürmer vom FC Schalke 04 bei vielen als der Prototyp des modernen Söldners, eines Spielers, der einzig dem Ruf des Geldes folgt.

Bei den Anhängern der Königsblauen sind aber viel eher Spieler der Marke Manuel Neuer gefragt. Spieler, die im besten Fall schon in der Jugendabteilung des Vereins gespielt haben, und sich mit der "Malocher"-Identität des Ruhrgebiets-Clubs identifizieren.

Doch so schlecht das Image des Peruaners auch sein mag, seine Leistungen auf dem Fußballfeld sind für Schalke 04 unverzichtbar. Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Valencia erzielte Farfán beim 3:1-Sieg zwei der drei Schalker Tore und bescherte dem Club damit weitere Einnahmen in Millionenhöhe.

Aderlass von sportlichen Führungskräften

"Auf Schalke" reiht sich Farfán damit in die Riege derer ein, die erfolgreiche Arbeit leisten und den Club dennoch, oder gerade deswegen, bald verlassen könnten. Trainer Felix Magath steht bei S04 trotz des Einzugs in die Runde der besten acht Mannschaften Europas und dem Erreichen des DFB-Pokal-Finales gegen den MSV Duisburg vor dem Aus. Spätestens zum Saisonende, vielleicht auch schon in den nächsten Tagen, wird der in Ungnade gefallene Trainer-Manager den Club verlassen.

Farfán dagegen macht sich mit seinen Auftritten für andere Clubs interessant. Der Vizemeister steht damit vor einem Aderlass, der sportlich nur schwer zu verkraften wäre. "Auf einen wie Farfán könnte Schalke 04 nur verzichten, wenn im Offensivbereich jemand anderes dazukäme", sagt Magath über seinen Außenstürmer.

In der Offensiv-Abteilung ist Farfán tatsächlich eine unverzichtbare Größe. Mit seinem starken Antritt ist der 26-Jährige durch gewonnene Eins-gegen-Eins-Duelle ständig in der Lage gefährliche Angriffe einzuleiten oder abzuschließen. Gegen Valencia traf er zunächst mit einem perfekt gezirkelten Freistoß, in der Schlussphase überwand er den gegnerischen Torhüter mit einem feinen Lupfer.

Motiviert nur in der Champions League?

Wer Jefferson Farfán in dieser Saison beobachtet hat, wunderte sich allerdings nicht über seinen starken Auftritt gegen Valencia. Immer, wenn es für Schalke 04 auf die große internationale Bühne geht, ist Farfán in Topform. In sieben Champions-League-Spielen in dieser Saison gelangen ihm vier Tore und eine Vorbereitung, in bisher 21 Bundesliga-Spielen dagegen nur drei Treffer.

Im "Schaufenster" Champions League spielt Farfán offenbar besonders gerne. Nirgendwo sonst ist die Möglichkeit größer, Top-Clubs auf sich aufmerksam zu machen. Der nächste, noch besser dotierte Vertrag winkt. Farfán selbst verhehlt seine Absichten nicht. "Jeder möchte sich nun einmal verbessern", sagte er im Winter der Sportzeitung "Libero".

Ob ein sportlich und finanziell attraktives Angebot eingeht, ist dennoch fraglich. Farfán gilt als schwieriger Typ mit Hang zu Disziplinlosigkeiten, der gerne mal den Urlaub eigenmächtig verlängert oder das Nachtleben ausschweifend genießt. In Schalke kassierte er dafür schon eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro.

Der Wechsel nach Wolfsburg in der Winterpause scheiterte allerdings an den angeblich zu hohen Gehaltsforderungen des Spielers. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung wurde beim Werksclub intern von einem "unfassbarem Wahnsinn" gesprochen. Für Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß hatte sich der Transfer damit offiziell erledigt.

Farfáns Vertrag läuft noch bis 2012. Im Sommer würde Schalke noch eine Ablösesumme einnehmen können, die annähernd seinem Marktwert von geschätzten 15 Millionen Euro entspricht.

Das Geld würde dem klammen Club gut tun. Der sportliche Verlust wäre dagegen kaum zu kompensieren.