Matthäus "Hamann ist ein großer Egoist"
München - Rund acht Monate nach dem auch für ihn persönlichen Desaster bei der EM nutzte der Rekord-Nationalspieler die "Sport-Bild" als Forum für seine erneute Attacke gegen den früheren Münchner Mitspieler. "Er war bei der EM der Wortführer, dass man Ribbeck absägen und ich seine Position als Teamchef übernehmen sollte. Damit Jeremies für mich Libero spielt und für ihn der Platz frei wird im Mittelfeld." Hamann sei ein "großer Egoist. Ich habe es leider zu spät gemerkt. Ich vermisse ihn auf keinen Fall", sagte Matthäus über den England-Legionär vom FC Liverpool.
Matthäus, dessen Ziel es ist, einmal Trainer zu werden, lästert auch über den deutschen Fußball. "Uns fehlen die Köpfe. Ich sehe in der ganzen Bundesliga außer Stefan Effenberg keinen Star mehr. Vielleicht den Mehmet Scholl, der reifer geworden ist. Nur Oliver Kahn, das ist auch noch ein Star", sagte der 150-malige Nationalspieler vor den WM-Qualifikationsspielen des DFB-Teams am Samstag (20 Uhr/live im ZDF) in Leverkusen gegen Albanien und am kommenden Mittwoch (20.30 Uhr/live in der ARD) in Athen gegen Griechenland.
"Ballack ist noch nicht soweit"
Der deutsche Fußball gehöre nicht mehr zu den "Top Five", meinte Matthäus. Deshalb sei auch die Forderung von Nationaltorwart Kahn, mehr Länderspiele gegen große Nationen auszutragen, verwunderlich: "Wer sagt denn, dass die gegen uns noch spielen wollen? Frankreich, Brasilien, Argentinien, Italien. Da muss das überhebliche Denken raus."
Zumal dem deutschen Fußball die Persönlichkeiten fehlen würden. Spielern wie Michael Ballack oder Jens Nowotny von Bayer Leverkusen traut Matthäus noch keine Führungsrolle zu. "Ein Michael Ballack ist noch nicht soweit. Der Michael ist mit einer halben guten Saison zufrieden. So denken viele. Die wollen nicht mehr, weil sie sich sagen: Ich habe einen guten Vertrag, ich bin Stammspieler, ich bin bei der Nationalmannschaft dabei. Das reicht mir. Ballack hat im Endeffekt noch gar nichts erreicht", monierte Matthäus.
Probleme im Angriff
Jens Nowotny, sein Nachfolger als Abwehrchef, habe "noch nicht die Ausstrahlung, dass ich sagen kann, er ist ein Führungsspieler. Er ist zu ruhig von seiner ganzen Art her. Er müsste mehr aus sich herausgehen." Auch ein Sebastian Deisler sei in seiner Entwicklung stehen geblieben. Auch im Angriff sieht Matthäus schwarz: "Nach Klinsmann und Völler ist gar nichts nachgekommen."