Matthäus-Wechsel: Showdown in der Bibliothek - DER SPIEGEL
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Matthäus-Wechsel Showdown in der Bibliothek

Das Wechseltheater um Lothar Matthäus ist beendet. Am späten Dienstagabend wurden im Trainingslager von Bayern München in Spanien bei einem Gespräch zwischen Matthäus und den MetroStars alle Streitpunkte beseitigt.
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La Manga - Als der "Friedensgipfel" in der Bibliothek einen erfolgreichen Abschluss fand, blickte Lothar Matthäus dem USA-Abenteuer mit neuer Zuversicht entgegen. "Ich freue mich jetzt wieder auf New York", sagte der Rekord-Nationalspieler des FC Bayern München nach dem klärenden Gespräch mit seinen künftigen Chefs am Dienstagabend zufrieden. Der 38-Jährige wird am 10. März seinen Dienst bei den New York/New Jersey MetroStars antreten, war das Ergebnis der knapp zweistündigen Sitzung mit Trainer Octavio Zambrano und Generalmanager Nick Sakiewicz von den MetroStars. Alle Missverständnisse ausgeräumt, die Zukunft geklärt: Dem Ego des Liberos tat es offenbar gut, dass sich die beiden persönlich ins Trainingslager der Bayern ins spanische La Manga bemüht hatten. "Man sieht, wie wichtig ich für die MetroStars bin", erklärte Matthäus.

Die Teamkollegen nahmen das Ende des Wirbels erleichtert, aber auch mit verstecktem Spott zur Kenntnis. "Für mich war es einfach nur lästig, jeden vierten, fünften Tag auf eine neue Situation angesprochen zu werden", sagte Stefan Effenberg dem Hörfunksender "Radion Gong". Der 31-Jährige gab zu, dass die Situation die Mannschaft belastet hat. "Ich glaube, wir sind genauso froh wie Lothar, dass jetzt vor dem Rückrunden-Start Ruhe da ist", meinte er, um scherzhaft gleich wieder hinzu zu fügen: "Ich weiß nicht, was in den nächsten Tagen noch alles passiert." Effenberg möchte selbst später in den USA leben: "Bei mir würde es dann aber mit Sicherheit nicht vier fünf Monate dauern, bis eine Entscheidung fällt."

Begleitet von großem Medien-Interesse empfing Matthäus die New Yorker Delegation im Lesesaal des "Hyatt Regency", des Mannschafts-Hotels der Münchner. Auch Bayern-Manager Uli Hoeneß sowie Sprecher Markus Hörwick waren zeitweise dabei. Um 22.15 Uhr konnte Matthäus Positives verkünden: "Es waren sehr gute Gespräche, wir sind uns einig geworden." Einig über diverse Punkte, die Matthäus bei seinem Wechsel in die USA wichtig sind. Mit dem neuen Coach Zambrano besprach der Routinier die Saisonvorbereitung der MetroStars. Zudem habe man die Regelung getroffen, dass er in taktischen Dingen mitreden könne, und zusätzliche freie Tage bekomme. Allerdings verwiesen Zambrano und Sakiewicz Matthäus auch klar in seine Schranken: "Lothar wird nur eine Führungsrolle auf dem Platz haben, nicht außerhalb."

Dennoch bemühen sich die New Yorker sehr um den Franken. Sämtliche Alltags-Hürden im "Big Apple", beispielsweise beim Umzug, werden dem 143-maligen Nationalspieler abgenommen. "Ich habe erreicht, dass ich mich um nichts kümmern brauche, wenn ich nach New York komme", berichtete Matthäus: "Damit ich mich voll und ganz auf Fußball konzentrieren kann." Am 10. März wird er zusammen mit Lebensgefährtin Maren Müller-Wohlfahrt die neue Wohnung im New Yorker Trump-Tower beziehen. Das erste Spiel für die MetroStars wird er am 26. März bei den Miami Fusion bestreiten.

"Ich bin auch deshalb hierher gekommen, weil ich nicht wieder wie in der vergangenen Woche über die Presse kommunizieren wollte, sondern das persönliche Gespräch suchen wollte", erklärte Zambrano. Der aus Ecuador stammende Trainer zeigte Verständnis für die Sorgen seines künftigen Stars: "Seine Reaktion in der vergangenen Woche war verständlich, weil Lothar ein sehr emotionaler Mensch ist. So einen Spieler kann sich jeder Verein nur wünschen. Nun sind alle Unstimmigkeiten beseitigt." Matthäus meinte: "Letzte Woche war ich stinksauer", weil er nicht informiert war. "Ich erwarte nicht, dass ich in Entscheidungen mit einbezogen werde, aber informiert."

Zambrano und Sakiewicz waren vom heftigen Wirbel in Deutschland und Matthäus' öffentlicher Empörung angesichts der Versetzung seines Kontaktmannes Stillitano aufgeschreckt worden und hatten weder Zeit noch Mühen gescheut, um persönlich in La Manga vorbeizuschauen. Dort sorgten die beiden Herren für großes Aufsehen. Als sich die zwei Anzug-Träger mit dem in Trainingsklamotten angetretenen Matthäus um 20.20 Uhr in die Bibliothek zurück zogen, beobachtete die versammelte Reporterschar das Geschehen minutiös. Jedes Mal, wenn einer der anderen Hotelgäste den Leseraum verließ, sprangen fünf Fernseh-Teams in Position. Die Hauptperson amüsierte sich offenbar dabei. Matthäus' erste Worte an die Journalisten: "Hey Jungs, habt ihr die ganze Nacht nichts zu essen bekommen? Das ist aber schade."