Maximilian Arnold im Interview - DER SPIEGEL
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VfL-Profi Arnold: Shootingstar mit starkem Schuss

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Wolfsburg-Jungstar Arnold "Ich muss schneller werden und Geduld haben"

Für den VfL Wolfsburg ist Maximilian Arnold Versprechen auf die Zukunft und Imageträger in der Gegenwart. Nun spricht der 19-Jährige über die Bayern und Mario Götze, die Tücken der Bundesliga und erklärt, warum er nicht zu Borussia Dortmund wechselte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Herr Arnold, am Samstag ist der FC Bayern in Wolfsburg zu Gast. Bei der 0:1-Niederlage im Hinspiel zeigte Ihr Team eine starke Leistung. Schafft der VfL nun als Erster einen Liga-Sieg gegen die Münchner?

Arnold: Als wir in der Hinrunde dort gespielt haben, war das nicht schlecht von uns. Gegen die Bayern musst du defensiv überragend stehen und offensiv effektiv sein. Wir müssen einen sehr starken Tag erwischen, und die Bayern mal einen nicht so guten.

SPIEGEL ONLINE: Für Sie läuft die Saison richtig gut, in 17 Spielen gelangen Ihnen schon sechs Tore. Nach dem Training arbeiten Sie regelmäßig individuell. Weil die Stadt Wolfsburg wenig "negative Ablenkung" für junge Spieler bietet, wie der Leiter des VfL-Nachwuchsleistungszentrums, Fabian Wohlgemuth, einmal gesagt hat?

Arnold: Nein. Das ist mein Ehrgeiz. Den haben mir meine Eltern mitgegeben. Meine Mutter hat immer gesagt: Für Erfolg muss man arbeiten. Die Extraschichten genieße ich in vollen Zügen.

SPIEGEL ONLINE: Weil sie Ihnen einen Kindheitstraum ermöglichen?

Arnold: Ich genieße es, samstags um 15.30 Uhr ins Stadion einzulaufen. Davon habe ich als kleiner Junge tatsächlich geträumt, als ich im Fernsehen die Bundesliga und Champions League geschaut habe. Jetzt quatsche ich vor dem Anpfiff mit dem Einlaufkind, frage nach dem Namen, dem Alter und welche Mannschaft es anfeuert.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren früher selbst Dortmund-Fan. Nach Ihrer Zeit bei Dynamo Dresden sind Sie 2009 zum VfL gegangen, obwohl Sie auch beim BVB zum Probetraining waren. Warum?

Arnold: Ich habe es dort als etwas steif empfunden, fremd. In Wolfsburg war das anders, sehr familiär. Jeder wusste, wer ich bin, von der Köchin bis zum Pädagogen. Nach zwei Trainingseinheiten wurde mir gesagt, dass ich kommen kann. Ich glaube, ich habe eine gute Wahl getroffen.

ZUR PERSON

Maximilian Arnold, Jahrgang 1994, wird in Riesa geboren. Kommt 2009 aus Dresden nach Niedersachsen, wird beim VfL 2011 und 2013 A-Jugend-Meister. Unter Felix Magath wird er an die Bundesliga herangeführt, macht als 17-Jähriger am 26. November 2011 sein erstes Spiel. Sein erstes Tor gelingt ihm am 13. April 2013 beim 2:2 gegen Hoffenheim. Der 19-Jährige absolviert die bisher beste Saison bei den Profis. In 17 Partien gelangen dem offensiven Mittelfeldspieler sechs Tore und eine Vorlage. Sein Vertrag läuft bis 2017, angeblich ohne Ausstiegsklausel.

SPIEGEL ONLINE: Es gab keine Momente des Zweifels?

Arnold: Ich wollte immer Fußballprofi werden, aber es war nicht immer leicht. Ich habe leider einige Freundschaften aufgeben müssen. Manche durch die größere Entfernung zu meiner Heimat Riesa, bei anderen spielte vielleicht auch das Thema Neid eine Rolle.Und dann gibt es Leute, die dir den Hintern pudern. Ich mag es nicht, wenn Menschen sich so verstellen.

SPIEGEL ONLINE: Dieter Hecking ist nicht dafür bekannt. Welche Schwächen hat er bei Ihnen ausgemacht?

Arnold: Ich weiß, dass ich an meinem Kopfballspiel und den defensiven Zweikämpfen arbeiten muss. Da fehlt mir einfach noch die Erfahrung. Als ich das erste Mal in Leverkusen gespielt habe, hat mich Lars Bender weggecheckt. Da habe ich mir gedacht: "Mist, das ist anders." In der Bundesliga ist alles viel schneller. Du musst also auch im Kopf viel schneller sein. Als junger Spieler brauchst du aber vor allem Geduld.

SPIEGEL ONLINE: Das müssen Sie erklären.

Arnold: Meine ersten Bundesliga-Spiele hab ich in der Saison 2010/2011 gemacht. Dazwischen lagen aber jeweils Wochen. Ich habe meinen Profivertrag 2011 unterschrieben, aber erst ab 2013 Spiele von Anfang an bei den Profis gemacht. Es dauert, bis du so weit bist.

SPIEGEL ONLINE: Sie wurden im Fachmagazin "Kicker" von den Bundesliga-Spielern zum Aufsteiger der Hinrunde gewählt.

Arnold: Das ist schön, aber nebensächlich für mich. Ich habe noch nichts erreicht.

SPIEGEL ONLINE: Erfolg nur über Titel?

Arnold: Für mich ist das so. Nur wer Titel im Fußball gewonnen hat, ist auch erfolgreich. Eine A-Jugendmeisterschaft ist für mich kein richtiger Meistertitel, wenngleich sie ein tolles Erlebnis war.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es einen Karriereplan?

Arnold: Nein. Den brauche ich auch nicht. Ich muss mich noch etablieren in der Bundesliga. Ich weiß, wie schnell man oben sein kann, aber auch, wie schnell man wieder fallen kann. Titel zu gewinnen, international zu spielen, die Nationalmannschaft - das sind Ziele, die ich habe. Und ich arbeite daran, diese zu erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Am Samstag kommt es gegen die Bayern auch zum Duell mit Ihrem Vorbild - Mario Götze. Einer, der ähnlich früh in der Bundesliga durchgestartet ist.

Arnold: Zu Mario Götze schaue ich schon etwas auf. Es ist beeindruckend, wie er nach seinem Wechsel zu den Bayern mit seiner Verletzung umgegangen und zum Stammspieler geworden ist. Er ist ein überragender Fußballer. Seine Gelassenheit und Ruhe am Ball sind Weltklasse. Das ist eine Qualität, zu der mir noch einiges fehlt.

Das Interview führte Christian Paul