MetroStars Lothar ließ die Fäuste fliegen
New York - Der Wechsel ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten entwickelt sich für Lothar Matthäus immer mehr zum Frusterlebnis. Der 39-Jährige kassierte mit seinen New York/New Jersey MetroStars am Mittwoch durch das 1:2 gegen die Kansas City Wizards im fünften Saisonspiel der Major League Soccer (MLS) bereits die vierte Niederlage und schrammte mit einer skurrilen "Wurfattacke" auf den Schiedsrichter-Assistenten Chip Reed nur knapp an einem Skandal vorbei. Nach einer nicht als Foul gewerteteten Aktion seines Gegenspielers Peter Vermes in der 53. Minute ging Matthäus wutentbrannt auf den Mann an der Linie los. Die zunächst verbale Auseinandersetzung eskalierte, als sich der Rekordnationalspieler die Kapitänsbinde vom Arm riss und dem Linienrichter zuwarf. Zudem diskutierte der ehemalige Bayern-Libero während des Spiels minutenlang mit dem deutsch sprechenden Gäste-Trainer Bob Gansler.
"Ich bin immer sauer, wenn wir verlieren. Besonders, wenn wir so schlecht spielen wie heute", gab Matthäus nach dem Spiel in einem kurzen Statement zu Protokoll und verließ das mit 7819 Zuschauern nur äußerst spärlich besetzte Giants Stadium in East Rutherford in Richtung Manhattan mit Freundin Maren Müller-Wohlfahrt.
Ein Nachspiel wird seine Eskapade jedoch auf alle Fälle haben. "Wir werden ein solches Verhalten nicht akzeptieren, egal wer der Spieler ist. Wir werden es nicht tolerieren", kündigte MetroStars Generalmanager Nick Sakiewicz an. Gemeinsam mit Trainer Octavio Zambrano wurde für Donnerstag ein klärendes Gespräch anberaumt.
Andererseits scheint der Rückhalt in der Mannschaft trotz des Ausrasters seines Kapitäns weiterhin groß zu sein. "Er ist frustriert und das zu Recht. Jeder erwartet von ihm, der Retter zu sein, aber eine Person kann eine zerstörte Einheit nicht retten", meinte Torhüter Mike Ammann. Probleme hat Matthäus bei seiner Mannschaft insbesondere im taktischen und mentalen Bereich ausgemacht.
"Die Spieler als solches sind gut. Aber wir machen so viele Fehler. Fußball ist ein einfaches Spiel, aber wir verstehen anscheinend die Grundlagen des Spiels nicht", klagte der fünfmalige WM-Teilnehmer in den letzten Tagen. Zudem vermisst der bei DFB-Teamchef Erich Ribbeck für die EM-Endunde (10. Juni bis 2. Juli) in den Niederlanden und Belgien gesetzte Matthäus das notwendige Defensivverhalten: "Ich mag die hiesige Mentalität des ständigen Angreifens. Aber man muss auch zurückkommen und verteidigen."
Den vom DSF kolportierten Spekulationen über eine frühzeitige Beendigung seines Engagements in den USA erteilte der 145-malige Internationale jedoch eine deutliche Absage. "Ich komme mit dem Trainer super klar. Ich habe schon mit den betreffenden Fernsehleuten gesprochen, das es so nicht geht. Die Geschichte ist frei erfunden."