Torjäger Klose: 68 Mal für Deutschland
Rekord-Torjäger Klose Endlich ein 68er
Vor diesem Spiel gegen Österreich gab es eigentlich nur zwei Geschichten um die Nationalmannschaft. Zum einen die zuletzt poröse Abwehr und die Rückbesinnung auf die Werte des Defensivfußballs, zum anderen die Frage, wann Miroslav Klose den Tor-Rekord von Gerd Müller knacken würde. Nach dem souveränen 3:0-Erfolg ist an beiden Fronten Ruhe - und man möchte mit einem erleichterten Seufzer hinzufügen: endlich.
Die Abwehrreihe hat mit dem erreichten Ziel, keinen Gegentreffer zu schlucken, ihre Pflicht getan. Und Klose bekam in der 31. Minute den Fuß in eine perfekt hineingeschlagene Flanke von Thomas Müller. Österreichs Verteidiger Aleksandar Dragovic, der das mediale Hin und Her um Kloses Torrekordjagd wahrscheinlich auch nicht mehr hören konnte, half mit einem Abpraller gnädigerweise nach, und das erlösende 1:0 war gefallen.
Es war der 68. Länderspieltreffer Kloses, der Lazio-Stürmer hat dazu 129 Einsätze im DFB-Dress gebraucht, Müller gelang dies in nur 62 Länderspielen. Auch ein Grund, warum Klose nach dem Österreich-Spiel das wiederholte, was er immer und immer wieder betont hat: "Ich kann und darf mich mit ihm nicht auf eine Stufe stellen. Gerd Müller war ein außergewöhnlicher Stürmer."
"Sein Geheimnis ist seine Professionalität"
Außergewöhnlicher Stürmer: Exakt diese Formulierung hatte wortgleich nur wenige Minuten zuvor der Bundestrainer benutzt - in Bezug auf Miroslav Klose. "Wenn er die Fitness hat, dann ist er nach wie vor wahnsinnig wichtig für meine Mannschaft", adelte Joachim Löw seinen 35-jährigen Angreifer.
Seit nunmehr zwölf Jahren hechelt Klose in der Nationalmannschaft den Pässen in die Spitze hinterher, nicht viele Stürmer schaffen es in seinem Alter, noch solche Top-Leistungen abzurufen. "Sein Geheimnis ist seine Professionalität, seine Stärke ist sein Wille", sagt der Bundestrainer.
Wie lang ihn dieser Wille noch durch den Spätherbst seiner Karriere trägt, das macht Klose mittlerweile nur noch vom Moment abhängig. "Es ist mittlerweile schon alles viel schwieriger als noch vor sieben oder acht Jahren", sagt er, er brauche inzwischen weit mehr Zeit zum Regenerieren. Aber wenn er sich gut fühle, dann ginge auch im 36. Lebensjahr immer noch vieles. "Mir kommt es jetzt einfach zugute, dass ich immer für den Fußball gelebt habe", sagt Klose. Der Körper lässt ihn noch nicht im Stich.
Und gewährt ihm, Leistungen zu bringen wie gegen die Österreicher, die bis zu Kloses Treffer die Partie durchaus ausgeglichen gestaltet hatten. "Das Tor zum 1:0 hat den Widerstand der Österreicher gebrochen", sagt Löw. Vor allem aber hat es eine bis dahin unsicher, geradezu fahrig wirkende deutsche Mannschaft stabilisiert. Ab sofort liefen die Angriffszüge, die Kombinationen wurden zielstrebiger, das Selbstbewusstsein, das sich nach der missglückten Partie gegen Paraguay zeitweilig verabschiedet hatte, war unvermittelt zurückgekehrt.
Der alte Mann hat dem jungen Team die Tür geöffnet
Die anschließenden Treffer durch den starken Toni Kroos (49. Minute) und Thomas Müller (88.) waren denn auch angemessene Belege der deutschen Überlegenheit. "Der Sieg war hochverdient", bilanzierte Löw, und es war niemand im Saal, der ihm hätte widersprechen können.
Man habe sich vorgenommen, den Österreichern, "90 Minuten lang nie das Gefühl zu geben, dass sie auf Augenhöhe seien", so Löw, "und das haben meine Jungs überragend gemacht". Diese Aussage steht, allerdings nicht für 90, sondern lediglich für die 59 Minuten nach dem Führungstor. Der alte Mann Miroslav Klose hat den jungen Springern um ihn herum die Tür dazu geöffnet.
Bereits am Dienstag geht es zum nächsten Qualifikationsspiel auf die Faröer-Inseln. Für Klose wäre das die perfekte Gelegenheit, das Torekonto von 68 auf mindestens 69 zu erhöhen. Es stimmt zwar: Mit Gerd Müller darf sich Miroslav Klose nicht vergleichen. Aber der Torrekord - der gehörte dann trotzdem ihm ganz allein.
Deutschland - Österreich 3:0 (1:0)
1:0 Klose (33.)
2:0 Kroos (51.)
3:0 Müller (88.)
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Boateng, Schmelzer (46. Höwedes) - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Reus (90.+2 Draxler) - Klose (82. Sven Bender)
Österreich: Almer - Garics (78. Klein), Dragovic, Pogatetz, Fuchs - Alaba, Kavlak - Harnik, Ivanschitz (67. Burgstaller), Arnautovic (67. Sabitzer) - Weimann
Schiedsrichter: Mazic (Serbien)
Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Reus, Khedira, Klose - Weimann, Kavlak (2), Pogatetz, Klein