Trainerkandidaten: Von Löw bis Heynckes
Mögliche Bayern-Trainer Notlösung, Eigenbrötler oder Gustav Gans?
Felix Magath ist es passiert, Giovanni Trapattoni und Otto Rehhagel auch, Jürgen Klinsmann sowieso. Alle sind sie beim letztlich gescheitert, trotz zwischenzeitlicher Erfolge wie vor allem im Fall Magath. Bei allen hat irgendetwas nicht gestimmt zwischen Trainer und Verein. hat sich jetzt eingereiht. Er wird den Verein zum Saisonende vorzeitig verlassen.
Ab sofort beginnt die Nachfolgesuche. Wie hat er also künftig auszusehen, der ideale Münchner Trainer, einer, der selbst Präsident gefallen würde? SPIEGEL ONLINE macht den Kandidatentest: Wer hat das Zeug zum wahren Bayern-Coach?
Fangen wir mit der spektakulärsten Variante an: . Der Bundestrainer, so mutmaßt die "Bild"-Zeitung, könnte 2012 nach der Europameisterschaft übernehmen. Bis dahin würde der alte Hoeneß-Kumpel und jetzige Leverkusen-Trainer für eine Saison den Platzhalter spielen, heißt es. Löw hat seit der WM 2010 die Aura des Unantastbaren. Der 51-Jährige ist führungsstark, hat Stehvermögen, seine Strategie des offensiven Spiels mit jungen, willigen Profis hat sich bewährt. Zudem kennt er einen Gutteil des Bayern-Kaders bestens aus der Nationalelf. Löw hat in der Vergangenheit mehrfach durchblicken lassen, dass er auch gerne wieder einen Verein trainieren würde.
Dagegen spricht, dass Löw bis zum letzten Moment bei der Nationalelf voll gefordert wäre. Er müsste ohne Zwischenstopp sofort nach der EM beim Rekordmeister einsteigen. Außerdem sind es genau die Löwschen Stärken, die ihm bei den Bayern Probleme bereiten könnten: Der Bundestrainer lässt sich extrem ungern reinreden. Damit ist er als möglicher Coach in München fast schon erledigt.
Der Favorit - ein Ex-Dortmunder könnte München zum Meister machen
Also doch Löws alter Rivale beim DFB nicht zuletzt aufgrund Löws Einfluss mehr oder weniger kaltgestellt? Er lebt in Grünwald vor den Toren Münchens, sein Sohn Marvin kickt in der Jugend des Rekordmeisters. Sammer ist ehrgeizig, eine Eigenschaft, die sich mit seiner gegenwärtigen Stellung beim DFB wenig vereinbaren lässt. Er darf sich Meistertrainer nennen, seitdem er 2002 mit Borussia Dortmund den Titel holte. Sammer-Berater Marcus Höfl, der Ehemann von Skirennläuferin Maria Riesch, hat beste Kontakte zu den Bayern, betreut unter anderem Ehrenpräsident . Sammer ist mit maßgeblichen Sportmedien wie Sky oder "Bild" gut vernetzt. Der 43-Jährige galt schon nach der Trennung von Jürgen Klinsmann als Kandidat auf das Amt.
Er hat allerdings seit Jahren keine Erfahrung mehr als Vereinscoach. Bei seiner letzten Station als Trainer, dem VfB Stuttgart, blieb er glücklos. Seine Absage als Sportdirektor des Hamburger SV hat bundesweit für Kopfschütteln gesorgt. Sammer ist ein Fachmann, aber keiner, der das Herz des Bayern-Fans erwärmt. Ihm fehlt der Bayern-Stallgeruch. Den bringen andere mit.
Die bayerische Lösung - eine Doppelspitze für den Rekordmeister?
Hermann Gerland und , die mögliche Doppelspitze, gehören mehr oder weniger zum Bayern-Inventar. Es wäre die vereinsinterne Variante mit klarer Aufteilung: Scholl ist der Typ für den markigen Spruch, Gerland der Mann fürs Arbeiten. Quasi Klinsmann und Löw ohne den entsprechenden Chic. Der grimmige Westfale Gerland genießt als Entdecker zahlreicher junger Bayernstars Kultstatus in München. Für Scholl gilt ähnliches. Beide trainierten zuletzt nacheinander die zweite Mannschaft der Bayern - mit überschaubarem Erfolg. Gerland neben Arsenal-Coach Arséne Wenger oder Real-Trainer José Mourinho auf einer Pressekonferenz der Champions League - das verstehen die Bayern-Bosse wirklich nicht unter Strahlkraft. Gerland/Scholl: Das wird nichts.
Besser sieht es für einen anderen ehemaligen Bayern-Profi aus: Der Coach des FC Basel, Thorsten Fink, hat sich einen Ruf als dynamischer und erfolgsorientierter Jungtrainer erworben. Der frühere Bayern-Verteidiger hat in München noch etwas gutzumachen. Schließlich war es sein unkontrollierter Befreiungsschlag im Champions-League-Endspiel 1999 gegen Manchester United, der die unglücklichste und nachhaltigste Niederlage der jüngeren Vereinsgeschichte einleitete. Fink hat aber noch keine Erfahrung als Trainer eines europäischen Großclubs.
Die holländische Alternative - ein Weltenbummler könnte van Gaal beerben
Andere sind Fink da um einiges voraus. und Frank Rijkaard zum Beispiel. Falls Hoeneß und Co. sich noch einmal auf einen Niederländer einlassen sollten, bekämen sie mit dem türkischen Nationaltrainer Hiddink einen gänzlich anderen Charakter als van Gaal. Der Weltmann ist ein höflicher, angenehmer Zeitgenosse, zurückhaltend im Auftreten. Er spricht ausgezeichnet Deutsch, ein Kriterium, auf das die Bayern-Bosse seit der Zeit mit Trapattoni großen Wert legen.
Hiddink zehrt von dem Image, dass alles, was er anpackt, gelingt. "Guus Geluk" wird er in den Niederlanden genannt. Das ist die Walt-Disney-Figur, die in Deutschland Gustav Gans heißt und die vom Glück verfolgt wird. Ein Ruf, der jedoch zuletzt als Nationalcoach von Russland und der Türkei gelitten hat. Hiddink ist zudem schon 64 Jahre alt, keine Option für die Zukunft.
Ein Fachmann ist zweifellos auch Hiddinks Landsmann Rijkaard. Die Stationen, bei denen der 48-Jährige gescheitert ist, häuften sich jedoch zuletzt. Bei Barcelona war er am Ende ebenso ohne Fortune wie bei Galatasaray Istanbul. Rijkaard strebt außerdem eher den Job bei Benfica Lissabon an.
Die Bundesliga-Option - Experten mit Mängeln im Persönlichkeitsprofil
Bliebe die naheliegende Lösung: . Auch ein ausgewiesener Experte, dessen eigene Ambitionen bestens zum FC Bayern passen würden. Weniger gut sieht es mit Rangnicks Persönlichkeitsprofil aus. Ein eigenwilliger, bis eigenbrötlerischer Trainer - genau das haben die Bayern jetzt auch und würden sich das ungern noch einmal ins Haus holen. Zudem hat sich Rangnick in Hoffenheim mit Geldgeber Dietmar Hopp überworfen, Beckenbauers altem Spezi. Rangnick hat keine Chance. Und , der derzeitige Trainer-Messias, geht nicht aus Dortmund weg - noch nicht.
Bewerber gibt es ausreichend. Aber der, bei dem alles stimmt, ist nicht dabei. Den Coach, der von allen noch am besten zum FC Bayern passt, hat der Verein ohnehin gerade weggeschickt.