München vs. Hoffenheim: Schluss mit der bayerischen Nullnummer - DER SPIEGEL
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FC Bayern: Kampf gegen die Torkrise

Foto: Alexandra Beier/ Bongarts/Getty Images

München vs. Hoffenheim Schluss mit der bayerischen Nullnummer

Bayern München ist seit drei Bundesliga-Spielen ohne eigenen Torerfolg, hat den bislang schwächsten Sturm der Liga. Doch immer noch ist man beim Meister entspannt. Zu Recht. In Hoffenheim hat man den perfekten Gegner, um sich aus der kleinen Krise zu schießen.
Von Frieder Schilling
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

FC Bayern München

Zum Glück ist wenigstens Oktoberfest. Denn bestünde nicht die Möglichkeit, sich zu Tausenden in riesigen Zelten zu amüsieren, und die sportliche Misere zu verdrängen, hätte das vergangene Wochenende den Anhängern des ganz schön die Laune verdorben. Freitagabend empfing die U23 in der dritten Liga Saarbrücken. 939 Zuschauer kamen ins Stadion an der Grünwalder Straße und verließen es nach einem 0:0. Knapp einen Tag später zogen 69.000 in die Münchner Arena, und anschließend mit einem 0:0 gegen Köln Richtung Wiesn. Die Amateure sind Tabellenvorletzter, die Profis Neunter, gerade einen Rang vor Aufsteiger St. Pauli.

Dazu kommt ein ausgesprochen unschönes Label für die Stars der Säbener Straße: Sie haben den schlechtesten Sturm der Liga. Bayern München traf - man glaubt es erst beim zweiten Blick auf die Statistik - nur zweimal in vier Bundesliga-Spielen. Alle 17 Konkurrenten haben mindestens drei Treffer. Das Ergebnis gegen Köln war im zweiten Heimspiel in Folge die zweite Nullnummer für die Bayern, das ist Premiere für den Rekordmeister. Drei Partien in Folge haben die Bayern zuletzt 1998 kein Tor geschossen. Das macht klar: Die Null soll in Hoffenheim dringend fallen.

Zumal die nächsten Aufgaben für den Titelverteidiger keine Selbstgänger sind: Nach dem Spiel am Dienstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim Tabellenzweiten Hoffenheim gastiert am Samstag der gegenwärtige Spitzenreiter FSV Mainz 05 in München. Anschließend - nach einem kurzen Champions-League-Ausflug nach Basel - muss man nach Dortmund reisen, das derzeit Tabellendritter ist. Sieben Punkte Abstand hat Bayern auf Mainz, fünf auf Hoffenheim. Zwei weitere erfolglose Begegnungen hätten für die Münchner ernste Auswirkungen auf den Tabellenstand - und sicherlich auch auf die bajuwarische Stimmungslage.

Noch aber geben sich die Münchner entspannt. Man werde "in keinster Weise unruhig", so Sportdirektor Nerlinger, der keinen echten Konkurrenten sieht, "der stabil ist und davonzieht". In der Tat: Weder Hoffenheim noch Mainz, und auch den viertplatzierten Freiburgern ist dies kaum zuzutrauen. Trainer Louis van Gaal ist sich "sicher, dass die Tore wieder fallen. Das ist nur eine Frage der Zeit". Und sogar der 20-jährige Toni Kroos, erst seit Saisonbeginn zurück im Verein und nicht für große Sprüche bekannt, empfindet die Sturmflaute nicht als "Alarmzeichen. Das wäre es, wenn wir keine Torchancen hätten".

Klose wird wieder treffen

Die Gelassenheit und das zur Schau gestellte Selbstbewusstsein der Bayern ist durchaus nachzuvollziehen. Trotz des enttäuschenden Ergebnisses boten sie gegen Köln keine schlechte Partie. 69 Prozent Ballbesitz, 20 zu 6 Torschüsse und 11 zu 1 Ecken zeugen von einer massiven Überlegenheit. Die spielerische Substanz ist im Kader zweifellos vorhanden - und das wissen auch die Verantwortlichen. Wenn zudem der gegnerische Torhüter die meisten Ballkontakte seiner Mannschaft hatte (Mondragon, 45) ist das kein schlechtes Zeichen. Jedenfalls nicht für die Bayern.

Und auch die Stürmer werden wieder treffen. Zumindest Klose. Wer ihn nach seiner Einwechslung zum Champions-League-Auftakt gegen den AS Rom gesehen hat, muss zu diesem Schluss kommen. Der 32-Jährige sprühte vor Ehrgeiz, ackerte, als ob es um den Finaleinzug ging und erzielte das 2:0 mit einem willensstarken Sprung in eine Flanke. So viel Einsatz wird irgendwann belohnt. Ähnlich sieht es van Gaal: Das Team müsse den Erfolg wieder erzwingen, "bislang haben wir nicht so viel Glück genossen". Ob davon auch Gomez profitieren wird, bleibt abzuwarten. Bislang wirkt der Angreifer nach seinen Einwechslungen eher lethargisch als motiviert.

In Hoffenheim haben die Bayern zumindest aus psychologischer Sicht den richtigen Gegner vor sich. Bei jedem Aufeinandertreffen der zwei Clubs erinnert man sich an den giftigen verbalen Schlagabtausch vor der ersten Partie im Dezember 2008, die die Münchner in letzter Minute 2:1 gewannen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß attackierte damals Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick, warf ihm "Besserwisserei" vor, Vorstandsmitglied Karl-Heinz Rummenigge fragte ob der Jahreszahl im Vereinsnamen provozierend: 1899? Wo haben die sich über hundert Jahre lang versteckt?" Rangnick konterte: "Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, müssen Sie nach München fahren. Für flotten Fußball müssen Sie nach Hoffenheim kommen."

Solche Scharmützel genießen die Bayern - und lassen sich von ihnen motivieren. Für den Club ist es also genau die richtige Partie, um sich aus seiner kleinen Krise zu schießen. Und schließlich ist auch nicht alles schlecht beim Meister. Mit erst drei Gegentoren hat man, gemeinsam mit Hoffenheim, die beste Defensive der Bundesliga.