Münchner Triumph in Mailand: Geborene Gewinner - DER SPIEGEL
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Münchner Triumph in Mailand Geborene Gewinner

Nach dem Erfolg gegen Inter Mailand ist beim FC Bayern das lang vermisste "Mia san Mir"-Gefühl zurück. Genau zum richtigen Zeitpunkt: Die kommenden Wochen entscheiden über die Saisonbilanz. Angesichts der starken Leistung stecken einige schon wieder höchste Ziele.
Von Oliver Birkner
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Natürlich fand Louis van Gaal noch ein Haar in der Suppe. Er sei zwar zufrieden mit der Leistung seines Teams, doch das Tor habe er eigentlich viel früher erwartet und nicht erst in der letzten Minute. Überhaupt wisse der FC Bayern ja, dass er immer gewinnen müsse. Dieses kühne Selbstverständnis passte zum souveränen Auftritt der Münchner, die sich mit einem 1:0 im Hinspiel bei Inter Mailand eine ausgezeichnete Ausgangslage für den Viertelfinal-Einzug verschafften.

"Wir sind ja nicht hierhin gekommen, um uns mit einem 0:0 zufrieden zu geben. Das ist nicht die Philosophie des FC Bayern", sagte Bastian Schweinsteiger. Sah man in die zufriedenen Gesichter der Münchner Spieler, als sie kurz vor Mitternacht das Stadion San Siro verließen, las man darin jenes notorische "Mir san Mir"-Gefühl, das ihnen in dieser Saison so oft abhanden gekommen war.

Lediglich in der Anfangs- und Schlussphase spielte Inter in einem Duell auf allerhöchstem Niveau überlegen, dazwischen bestimmten die Gäste beeindruckend das Geschehen und kamen zu einer Vielzahl an Chancen wie bei den Aluminiumtreffern vom mäßigen Franck Ribéry und dem starken Arjen Robben.

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Inter vs. Bayern: ...und dann kam Gomez

Foto: Antonio Calanni/ AP

"Eine Minute vor dem Tor von Mario Gomez sagte ich: Das ist eines der besten 0:0-Spiele, das ich je gesehen habe. Es hätte auch 4:4 ausgehen können", so Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge begeistert. Der Tenor in der Mannschaft hingegen lautete unisono: Wenn ein Team den Sieg verdient hatte, dann wir.

In der selbsterklärten Erfolgsverpflichtung blieb selbst für Thomas Krafts glänzende Paraden gegen Samuel Eto'o, Esteban Cambiasso und Thiago Motta wenig Platz für überschwängliches Lob: "Er hat das sehr gut gemacht, aber das erwarte ich auch von der Nummer eins des FC Bayern", sagte Thomas Müller. "Außerdem ist es egal ob Sandhausen oder Mailand, wenn der Schiedsrichter einmal angepfiffen hat." Auch Kraft selbst resümierte die Schlüsselrolle in seinem dritten Champions-League-Auftritt erstaunlich gelassen: "Nervös war ich nicht. Die Spannung ist immer gleich, denn Spiel ist Spiel."

"Jetzt startet die großartige Zeit, die unglaublichen Spaß macht"

Folglich richtete sich der Blick schon kurz nach dem Schlusspfiff nach vorne, als hätte man in Mailand soeben einen Pflichtsieg verbucht. Bereits am Samstag reist Tabellenführer Borussia Dortmund an (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), es folgen unter anderem das Pokal-Halbfinale gegen Schalke 04 am 2. März und knapp zwei Wochen später das Rückspiel gegen Inter. Karl-Heinz Rummenigge kommentierte Uli Hoeneß' Forderung nach einem 2:0 über den BVB lächelnd: "Ich würde gerne auch höher gewinnen, denn wir wollen ja mindestens Zweiter werden."

Mindestens Zweiter bedeutet im Umkehrschluss wohl, trotz 13 Punkten Rückstand die Hoffnung auf die Meisterschaft noch nicht vollends archiviert zu haben. In der vergangenen Saison führte ein 4:1 bei Juventus Turin zum Aufbruch aus einer unbefriedigenden Realität. Offenbar erachtete man den italienischen Coup am Mittwoch erneut als angenehmes Omen für die kommenden Wochen, die darüber entscheiden werden, ob die Münchner Saison als Erfolg oder Enttäuschung zu werten sein wird.

"Jetzt startet die großartige Zeit, die unglaublichen Spaß macht", sagte Kapitän Philipp Lahm, als seien die vergangenen Monate lediglich lästiges Vorgeplänkel gewesen. Und Bastian Schweinsteiger sinnierte: "In den nächsten Partien werden Vorentscheidungen fallen. Darauf freue ich mich, denn andere Spieler kommen nie in den Genuss von großen Duellen in der Champions League oder im Pokal. Aber wir sind der FC Bayern, wir sind für solche Spiele geboren."

Nur Mario Gomez, der das siebte Champions-League-Tor seinem Jugendidol Jay-Jay Okocha widmete, hat man über das Münchner Selbstverständnis offenbar noch nicht aufgeklärt. Das 1:0 in Mailand sei ein wichtiger Schritt gewesen, murmelte er. Und fand wie sein Trainer dann doch noch ein Haar in der Suppe: "Gewonnen haben wir noch lange nichts."