Nationalelf "Kamerun ist nicht der Übergegner"
Miyazaki - Über manche Tore fachsimpeln Fußballfans noch Jahre später. Entweder weil sie so wunderbar oder kurios oder weil sie schlicht so entscheidend waren. Der Ausgleichstreffer des Iren Robbie Keane in der Nachspielzeit des WM-Vorrundenspiels gegen Deutschland in Ibaraki lässt Christoph Metzelder auch zwei Tage nach dem Schlusspfiff noch nicht los.
Der mit 21 Jahren jüngste deutsche WM-Spieler hatte die Kopfballvorlage des hünenhaften irischen Jokers Niall Quinn auf Keane nicht verhindern können. "Ich weiß, dass das eine Schlüsselszene war. Mich ärgert das selbst am meisten", sagt Metzelder, der sich wenige Augenblicke später von einem englischen Reporter fragen lassen muss, ob die Deutschen nichts aus der Lektion von Barcelona gelernt hätten.
In der katalanischen Hauptstadt hatte Manchester United 1999 im Champions-League-Finale Bayern München durch zwei Treffer in der Nachspielzeit ins Tal der Tränen gestürzt. In Südjapan muss der Dortmunder Verteidiger Metzelder für die Enttäuschung gerade stehen, dass die deutsche Nationalelf nicht vorzeitig ins WM-Achtelfinale eingezogen ist. "Das ist das Los der Abwehrspieler. Das wird sich auch nie ändern," sagt der achtfache Nationalspieler.
Skibbe aus Überzeugung optimistisch
Dem freundlichen Abiturienten (Notendurchschnitt 1,8) aus Münster wären Fragen zum Schicksal des deutschen Fußballs erspart geblieben, wenn ihn Rudi Völler ausgewechselt hätte. In der Schlussphase gegen Irland war Metzelder umgeknickt ("Ich dachte im ersten Moment, die Bänder seien gerissen"), spielte nach einer kurzen Behandlung an der Seitenlinie jedoch weiter. Der lädierte rechte Fuß behinderte den Dortmunder aber wohl doch bei der Ausübung seiner Arbeit: "Ohne das Umknicken hätte ich Quinn wahrscheinlich entscheidender stören können", mutmaßt Metzelder im Nachhinein.
Der Zweikampf mit dem irischen Hünen (1,95 Meter, Spitzname "The Mighty Giant") war die letzte fußballerische Betätigung des Manndeckers. Die Bänder im mittlerweile bandagierten Knöchel sind zwar nicht gerissen, doch Metzelder konnte am Freitag nur ein leichtes Lauftraining absolvieren. Sein Einsatz gegen Kamerun am Dienstag ist ungewiss. "Schwierig jetzt zu sagen, ob ich spiele. Aber ich bin optimistisch", so der Dortmunder.
Zuversicht auf allen Ebenen verbreitet Michael Skibbe vor dem entscheidenden Vorrundenspiel gegen den Afrika-Meister. "Nur eine Mannschaft des Vergleichs zwischen Deutschland und Kamerun kommt ins Achtelfinale. Und das wird Deutschland sein", sagt der Bundestrainer, der "aus Überzeugung auf die eigene Mannschaft tippt". Im Stadion von Saitama hat er beobachtet, wie die Kameruner am Donnerstag beim mühsamen 1:0 gegen Saudi-Arabien zahlreiche Torchancen zuließen. "Die sind nicht der Übergegner, vor denen man Angst haben muss. Außerdem reicht uns ein Punkt."
Rindfleisch vor dem Kampf mit den Löwen
Ein 0:0 würde der DFB-Elf genügen. Dies Ergebnis zu halten erscheint nach den Erfahrungen aus dem letzten Spiel, als sich die deutschen Spieler daran versuchten, die frühe Führung ins Ziel zu retten, allerdings als Kamikaze-Aktion. "Was uns gegen Irland passiert ist, kann uns in jedem anderen Spiel wieder passieren", warnt Skibbe. Als Ursache für den frühzeitigen Rückzug der deutschen Spieler an den eigenen Strafraum nannte der Bundestrainer das "psychologische Moment, nicht ausgekontert werden zu wollen". An der fehlenden Kraft habe es nicht gelegen, revidiert Skibbe die Ausführungen Völlers vom Vortage. "Auch Rudi ist überzeugt, dass wir eine laufstarke Mannschaft haben."
Vielleicht hatte der Teamchef bis dato noch nicht gewusst, dass die Japaner sich so rührend um das leibliche Wohl ihrer deutschen Gäste kümmern und für neue Kraftreserven sorgen würden. Am Freitag nämlich wünschte der Präfekt von Miyazaki der Nationalelf alles Gute gegen die "unbezähmbaren Löwen" aus Kamerun und überreichte DFB-Küchenmeister Heinz Imhof 20 Kilogramm Rindfleisch - eingeschweißt.