Nationalelf Sturmtief an der Ostsee
Rostock - DFB-Teamchef Rudi Völler muss vor dem zweiten WM-Test den Stürmer-Notstand ausrufen: Am Samstag sagten Alexander Zickler vom deutschen Fußball-Meister Bayern München und Miroslav Klose vom 1. FC Kaiserslautern ihre Teilnahme für das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA verletzungsbedingt ab. Verzichten muss Völler am Mittwoch in Rostock (20.45 Uhr/live im SPIEGEL ONLINE-Ticker) zudem auf die angeschlagenen Münchner Carsten Jancker und Mehmet Scholl sowie den Dortmunder Christian Wörns, der am Sonntag absagte. Fraglich ist auch noch der Einsatz des Bremers Marco Bode (Kapselverletzung).
Brdaric im Gespräch
Einen weiteren Angreifer wollte Völler zunächst jedoch nicht nachnominieren. "Daran denke ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Ich will erst noch die beiden Spiele am Sonntagabend abwarten", sagte der Teamchef am Sonntagvormittag. Bei der Bekanntgabe des DFB-Aufgebots am Donnerstag hatte Völler den Namen von Thomas Brdaric ins Gespräch gebracht und dem Leverkusener sogar Hoffnung auf eine WM-Teilnahme gemacht.
So bleiben dem Teamchef für das USA-Spiel im Angriff gerade noch Ex-Kapitän Oliver Bierhoff, der zuletzt in der DFB-Auswahl und auch bei seinem Klub AS Monaco nur zweite Wahl war, Gerald Asamoah,
der bei Schalke mehr im Mittelfeld agiert, und Oliver Neuville. Für Völler jedoch noch lange kein Grund, Alarm zu schlagen: "Die Situation ist natürlich nicht schön. Aber so etwas kann uns auch bei der WM passieren. Damit müssen wir leben." Zum Thema Bierhoff sagte Völler zuletzt in einem Interview: "Olli ist bei mir hoch geschätzt
wegen seiner Qualitäten. Er hatte ein paar schwierige Phasen in der Vergangenheit. Aber das ist doch Schnee von gestern."
Der Kader gegen die USA hat sich durch die Absagen von Zickler (Wadenverletzung), Klose (Knieverletzung) und Wörns (Knieprobleme) auf 20 Spieler reduziert. Von den WM-Kandidaten für Japan und
Südkorea (31. Mai bis 30. Juni) fehlen in Rostock zudem die beiden Berliner Sebastian Deisler, der am Samstag nach monatelanger Verletzungspause sein Comeback feierte, und Marko Rehmer.
Torhüterposition "glänzend besetzt"
Während Völler im Sturm kaum Alternativen besitzt, steht er bei den Torhütern vor der Qual der Wahl. "Da sind wir glänzend besetzt", betonte der Teamchef, der es sich gegen die USA sogar leisten kann, seinem Kapitän Oliver Kahn eine Verschnaufpause zu gönnen. Zudem verzichtet er in Rostock auf den Dortmunder Jens
Lehmann nach dessen Sperre in der Bundesliga. Für die WM sei Lehmann aber weiterhin die Nummer zwei, stellte Völler bereits klar.
Im Aufgebot gegen die USA stehen Jörg Butt von Bayer Leverkusen und Frank Rost (Werder Bremen). Wer zum Einsatz kommt und als Nummer drei zur WM mitfährt, wollte Völler allerdings noch offen lassen. Möglich ist auch, dass Butt und Rost jeweils eine Halbzeit spielen. In der Abwehr hat sich zuletzt der Dortmunder Christoph Metzelder empfohlen, der für Wörns einspringen könnte. Im Mittelfeld rechnet sich der seit Wochen formstarke Bremer Torsten Frings eine Einsatzchance aus.
"Real und Liverpool im Hinterkopf"
Trotz der hohen Belastungen in den Vereinen erwartet Völler, dass seine Mannschaft den Test gegen die USA ernst nimmt. Immerhin gehe es noch um einige Tickets für die WM, sagte Völler. Dennoch macht er sich keine allzu großen Illusionen. "Das ist zwar ein wichtiges Länderspiel", so Völler. "Aber die Spieler haben natürlich jetzt auch Real Madrid und den FC Liverpool im Hinterkopf."
Zuletzt hatte der Teamchef erklärt, dass 18 der 23 WM-Plätze vergeben wären. Zudem ist die USA längst nicht mehr das Fußball-Entwicklungsland, als das es gemeinhin abgetan wird. In der aktuellen Fifa-Rangliste liegt die USA auf dem 13. Platz, die deutsche Nationalmannschaft war bis vor kurzem Zwölfter, ehe sie nach dem 7:1 über Israel auf den zehnten Rang vorrückte. Die Amerikaner haben sich seit 1990 für jedes WM-Endturnier qualifiziert.
Nach dem Spiel in Rostock gegen die USA hat Völler noch gegen Argentinien (17. April/Stuttgart), gegen Kuwait (9. Mai/Freiburg), in Wales (14. Mai/Cardiff) und gegen Österreich (18. Mai/Leverkusen) die Möglichkeit, seine WM-Kandidaten zu testen. Sein 23-köpfiges WM-Aufgebot wird Völler am 21. Mai, einen Tag vor dem Abflug ins WM-Quartier nach Miyazaki in Japan, benennen.