Nationalelf: Wider den Fluch des Viertelfinales - DER SPIEGEL
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Nationalelf Wider den Fluch des Viertelfinales

Am Freitag geht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft als Favorit ins WM-Viertelfinale gegen die USA. Allerdings hatte auch 1994 gegen Bulgarien und 1998 gegen Kroatien kaum jemand mit dem Ausscheiden der DFB-Auswahl in der Runde der letzten acht gerechnet.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seogwipo - Es war einer dieser Ländervergleiche mitten in der heißen Saisonphase, bei dem der Teamchef schon froh ist, wenn er überhaupt elf Spieler auf den Platz schicken kann. Schier unglaubliche 15 Akteure sagten vor drei Monaten auf Grund von Verletzungen oder Wehwehchen die Einladung Rudi Völlers zum so genannten WM-Test gegen die USA in Rostock ab. (Die meisten von ihnen hielten wenige Tage später, ohne mit der Wimper zu zucken, die Knochen für ihren Verein wieder hin.) Der Teamchef sah sich in solch misslicher Lage, dass er sogar Ingo Hertzsch und Thomas Brdaric zu Hilfe rief.

"Muster ohne Wert" kommentierten die professionellen Beobachter nach dem 4:2 (1:1)-Sieg geringschätzig und hakten den munteren Kick an der mecklenburgischen Ostseeküste mit dem Schlusspfiff für ewig ab. Niemand ahnte damals, dass sich die beiden Mannschaften im Viertelfinale der Weltmeisterschaft wiedersehen würden.

Im Süden Koreas erinnert Völler jetzt daran, dass die USA in der ersten Hälfte von Rostock "hervorragend nach vorn" gespielt und "unsere Defensive in Verlegenheit gebracht" hätten - und das alles sogar ohne Claudio Reyna vom englischen Premier-League-Club FC Sunderland. Der DFB-Teamchef nennt den 28-jährigen Regisseur, an dessen Seite er in seiner letzten Bundesliga-Saison 1995/96 im Trikot von Bayer Leverkusen erfolgreich gegen den Abstieg kämpfte, "das Herzstück" des US-Teams. Als Reyna in der WM-Qualifikation verletzt oder gesperrt passen musste, verloren die Amerikaner drei Spiele in Serie.

Von optimistisch bis überzeugt


Die höflichen Komplimente an den Gegner können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass sich die deutsche Mannschaft als Favorit für die Viertelfinalpartie in Ulsan sieht. Völler glaubt, dass es gar keiner außerordentlichen Leistungssteigerung seiner Schützlinge bedarf, um die Vorschlussrunde zu erreichen. "Wenn es uns von Beginn an gelingt, an die zweite Halbzeit gegen Kamerun oder Paraguay anzuknüpfen, bin ich sehr optimistisch", sagt der Teamchef.

Kapitän Oliver Kahn, der 1994 und 1998 auf der Ersatzbank die WM-Viertelfinalniederlagen gegen Bulgarien (1:2) und Kroatien (0:3) miterlebte, warnt auf Grund seiner schlechten Erfahrungen zwar: "Die USA haben eine fightende, patriotische Mannschaft. Wir müssen höllisch aufpassen." Doch ernsthafte Gedanken an ein Ausscheiden gegen Spieler der Kategorie Tony Sanneh oder Frankie Hejduk verschwendet auch der große Rückhalt der DFB-Elf keine: "Ich bin überzeugt, dass wir weiterkommen."

Dreierkette wie in Rostock?


Von einem Fluch des Viertelfinals will Jens Jeremies nichts wissen. "Das ist zweimal passiert", legt er die historischen Fakten einfach zu den Akten. Der vom WM-Erfolg neben Kahn besessenste deutsche Spieler beschwört in Asien lieber immer wieder den neuen Mannschaftsgeist, dem er sich offenbar fast bis zur Selbstaufgabe unterzuordnen bereit ist. "Wenn wir unser Potenzial abrufen, werden wir die USA schlagen. Wir müssen nur elf Spieler auf dem Platz haben, die alles geben. Wer ist egal."

Bei der Wahl der ersten Elf für Freitag hat Rudi Völler die Qual der Wahl. Carsten Ramelow, Dietmar Hamann und Christian Ziege haben ihre Sperren gegen Paraguay abgesessen. Auch der angeschlagene Manndecker Christoph Metzelder kann spielen. Die zu erwartende Dreierabwehrkette könnte dennoch so aussehen, dass Frank Baumann gemeinsam mit Ramelow und Thomas Linke den Defensivbund bildet. Schon einmal ließ der DFB-Teamchef so verteidigen: am 27. März in Rostock gegen die USA. So könnte jenes Testspiel im Nachhinein doch noch an Wert gewinnen.

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