Nationalmannschaft: Aktion Sorgenkinder - DER SPIEGEL
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Nationalmannschaft Aktion Sorgenkinder

Aller Geheimniskrämerei des Teamchefs zum Trotz: Am Samstag gegen England spielt Deutschland in Bestformation.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Es wirkte fast, als wolle Rudi Völler vom allgegenwärtigen Thema Daum ablenken. Jedenfalls schien die Rede von den "Sorgenkinder", die der Teamchef am Donnerstag im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft vor den Toren Londons führte, ein wenig überflüssig. Und mit der impertinenten Medienwirksamkeit von Nutten, Kokain und Unterschlagung kann sie nicht konkurrieren.

Mehmet Scholl, Carsten Jancker, Carsten Ramelow und Sebastian Deisler sind angeschlagen, ließ Völler die Journalisten im "Sopwell House" wissen. Da aber hatten die beiden Erstgenannten bereits wieder mit der Mannschaft trainiert. Und der von Beschwerden geplagte Scholl erklärte: "Es liegt definitiv kein Knieschaden vor. Ich gehe davon aus, dass ich am Samstag spielen kann."

Ähnlich wird es sich wohl auch im Fall Jancker verhalten, bei dem eine Zehenverletzung gerade zur mittelschweren, weil "sehr schmerzhaften" Kleinkatastrophe stilisiert wird. Völler: "Wir müssen abwarten und hoffen, dass er bis Samstag wieder fit ist." Deisler wird auf ausdrücklichen Wunsch des Teamchefs bis Samstag geschont, und der "Pferdekuss", der Carsten Ramelows Körper ziert, wird bis Samstag wohl auch seine Farbe verloren haben.

Als schließlich alles an Geheimnissen zerbröselt war, wollte Völler wenigstens die Zusammensetzung seines Angriffs nicht preisgeben. Doch da verplapperte sich der Teamchef. Auf die Frage, ob Oliver Bierhoff am Samstag in der Anfangsformation stehen werde, antwortete der Teamchef: "Alles ist möglich, auch dass er eingewechselt wird." Bedeutet: Der zuletzt in guter Form befindliche DFB-Kapitän Oliver Bierhoff wird erneut auf der Bank Platz nehmen.