Nationalmannschaft Berti Vogts greift den DFB an
München - Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts hat sich 19 Monate nach seinem Rücktritt erstmals in die anhaltende Diskussion um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eingeschaltet und heftige Kritik an Missständen geübt. Auch seinen Nachfolger Erich Ribbeck hat Vogts in seine Prüfung einbezogen und zu einer konsequenteren Linie aufgefordert. "Im nächsten Spiel gegen die Tschechen muss etwas passieren. Da müssen die Spieler wissen: 'Verdammt noch mal, wir haben eine Verantwortung'. Und wenn einer lieber im Klub spielen will, dann soll er dort spielen", sagte Vogts in einem Interview mit der "Sport-Bild".
"So eine Diskussion, ob Spieler zur Halbzeit ausgewechselt werden, um sie für die Champions League zu schonen, hat es bei mir nicht gegeben. Ich will das nicht gegen Ribbeck ausgelegt wissen. Aber wenn sie lieber um die Champions League spielen, baue ich zwei, drei andere Jungs ein", erklärte der 53-Jährige weiter: "Ich habe gegen Dortmund und Bayern immer Kriege geführt. Die Nationalmannschaft war für mich das Wichtigste überhaupt."
Vogts, der nach der missglückten Malta-Reise im September 1998 zurückgetreten war, spielte damit offensichtlich auf das Länderspiel gegen die Schweiz (1:1) an. Ribbeck hatte sich vor dem EM-Test auf etliche Kompromisse mit den Vereinen eingelassen - zu Lasten der Nationalmannschaft. Torwart Oliver Kahn durfte zu Hause bleiben. Den Berlinern Dariusz Wosz, Michael Preetz und Marko Rehmer sowie Dietmar Hamann (FC Liverpool) hatte der Teamchef auf Bitten der Vereinstrainer zudem zugesichert, dass sie nur 45 Minuten spielen müssen.
Auch Kapitän Oliver Bierhoff, der seit 537 Minuten auf ein Länderspieltor wartet, bekam sein Fett ab: "Der Oliver Bierhoff hat gesagt: 'Unter Ribbeck können wir uns endlich frei bewegen'. Aber bei mir hat er noch getroffen."
Die Schuld an der momentanen Misere gab Vogts aber auch dem DFB: "Ich hatte nach der WM vor, mit jungen Leuten neu aufzubauen und ein anderes System zu spielen. Da hat der DFB nicht mitgespielt. Man hat es ins Lächerliche gezogen, als ich von ballorientierter Raumdeckung sprach." Auch sei gegen ihn benutzt worden, "als ich sagte: Thon, Kohler, Reuter, das hat keinen Sinn mehr. Oder auch Matthäus. Ich wollte frisches Blut reinbringen. Die Alten wollten unter Vogts nicht mehr spielen. Man hat mir nach der Malta-Reise, wo ich gemerkt habe, was läuft, keine Chance mehr gegeben, weil ich einigen Leuten im Weg stand".