DFB-Kader Das Ende des Blocks
Nationalmannschaft: Der Kader bunt zusammengewürfelt
Foto: Federico Gambarini/ dpaSo wie der WM-Kader 2014 aussah, so kennt man das von deutschen Turnierteams. Im Aufgebot standen sieben Spieler des FC Bayern, fünf von Borussia Dortmund. Die klassische Blockbildung der beiden stärksten Bundesligateams, wie einst in den Siebzigerjahren, als der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach das Gros der Nationalspieler stellten.
Und jetzt blickt man auf den Kader, mit dem Joachim Löw ab heute die Mission EM-Titel im DFB-Quartier in Évian angehen will: Fünf Münchner, das ist noch im Soll, zwei Dortmunder, das ist schon auffällig wenig - aber zehn Profis, die im Ausland ihr Geld verdienen. In Italien, in Spanien, in England, in der Türkei. Die Ära der Blockbildung neigt sich dem Ende zu, und es spricht viel dafür, dass dies auch so bleibt.
Der FC Bayern wird auch künftig so aussehen wie zuletzt unter Josep Guardiola. Ein internationaler Großverein, auf einer Linie mit den Star-Klubs Real Madrid, Manchester City, FC Barcelona, Juventus. Auch unter dem Italiener Carlo Ancelotti wird die europäische Wettbewerbsfähigkeit das Hauptaugenmerk bei der Personalpolitik bleiben.
Es ist egal, woher ein Spieler kommt, der kann aus der Bundesliga stammen, aber auch aus jeder anderen Liga in Europa oder Südamerika. Hauptsache: Er macht den FC Bayern stärker und fähiger, die Champions League zu gewinnen. Die Nationalität spielt keine Rolle mehr.
Auch der BVB wird sich internationalisieren
Borussia Dortmund, wenn man den Zweikampf mit München annimmt, wird in eine ähnliche Richtung gehen: Die Verpflichtung des Spaniers Marc Bartra als neuer Abwehrchef und Nachfolger von Mats Hummels spricht dafür. Ebenso der Transfer der Edel-Talente Ousmane Dembélé aus Frankreich und Mikel Merino aus Spanien. Auch der BVB wird sich weiter internationalisieren.
Dass der FC Bayern und der BVB künftig die Nationalmannschaftskader so beherrschen werden, wie das noch 2012 (acht Bayern-Spieler) und 2014 der Fall war, ist daher höchst unwahrscheinlich. Es werden noch viele Spieler dabei sein, die in München und Dortmund groß geworden sind, aber mittlerweile spielen sie bei Premium-Klubs irgendwo in Europa. Sozusagen der Toni-Kroos-Weg.
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Gleichzeitig lockt vor allem die Premier League die besten deutschen Spieler immer früher, die Bundesliga zu verlassen. Mit Torwart Ron-Robert Zieler und Ilkay Gündogan wechseln in diesem Sommer zwei weitere Nationalspieler nach England, beide gehören zwar aus unterschiedlichen Gründen nicht dem EM-Aufgebot an, aber runden das Bild ab. Mario Götze könnte der Nächste sein, der ihnen folgt. Auch weil Spieler seiner Qualität in Deutschland nur noch von den Bayern oder vom BVB finanziell gehalten werden können. Ansonsten ist das Ausland mit seinen opulenten Verdienstmöglichkeiten die logische Option.
"Überall wird anders Fußball gespielt, jeder kann einbringen, was er in seinem Land gelernt hat", sagt Innenverteidiger Antonio Rüdiger, der vor einem Jahr den VfB Stuttgart verlassen hat und jetzt bei AS Rom unter Vertrag steht. Mario Gómez und Lukas Podolski, beide früher bei den Bayern und dort nicht wunschlos glücklich geworden, sind bei Istanbuler Vereinen gelandet und sagen beide, es sei die beste Entscheidung, die sie hätten treffen können.
Ein Aussehen wie Holland oder Belgien
Die Nationalmannschaft entwickelt mehr und mehr ein Gesicht, wie es andere Auswahlteams schon seit Jahrzehnten haben. Die Mannschaften der Niederlande oder Belgiens zum Beispiel, deren Nationalspieler fast ausnahmslos in den großen und reicheren Ligen Europas spielen. Und die höchstens kurz vor Karriereende noch einmal zu Ajax Amsterdam, RSC Anderlecht oder Feyenoord Rotterdam zurückkehren.
Den Ligen hat das international nicht gut getan. Ajax und Anderlecht, vor 30 Jahren Spitzenklubs in Europa, können mittlerweile in der Champions League nicht mehr mithalten, aber Arjen Robben, Eden Hazard oder Kevin De Bruyne spielen europäisch auf höchstem Niveau. Nur eben nicht mehr in den Heimatländern.
So geht es den Bundesligavereinen jetzt schon, Bayern und BVB allerdings noch ausdrücklich ausgenommen. Mesut Özil kann beim FC Arsenal noch jedes Niveau mitgehen, seinen deutschen Ex-Vereinen Schalke 04 und Werder Bremen geht das schon lange nicht mehr so.
Der Bundestrainer hat sich immer als Nutznießer dieser Entwicklung gesehen: "Die Spieler profitieren von diesen Wechseln, sie können ein größeres Selbstwertgefühl daraus ziehen. Das Ausland bringt sie in ihrer Persönlichkeit und in ihrer sportlichen Entwicklung weiter", hat er schon 2012 vor der letzten EM betont und seitdem regelmäßig wiederholt.
Toni Kroos, Mesut Özil, Sami Khedira - alle sagen, dass sie im Ausland besser geworden sind. Schlechter wird dadurch nur die Bundesliga.
Zusammengefasst: Früher setzte sich die deutsche Nationalmannschaft vor allem aus Spielern von Bayern München und Borussia Dortmund zusammen. Diese Zeiten sind vorbei. Heute verdienen die Profis in vielen verschiedenen Ligen ihr Geld. Das kann dem DFB-Team nur gut tun. Für die Bundesliga aber ist es ein Alarmsignal.
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