Nationalmannschaft Der Libero wird aufgelöst
Frankfurt am Main - Die Personalfragen sind geklärt, jetzt geht es um Inhalte. Nach der Verpflichtung als Bundestrainer, so die offizielle Bezeichnung in seinem Vertrag, nahm Michael Skibbe gemeinsam mit Teamchef Rudi Völler die Planungsarbeit für den Neuaufbau der Nationalmannschaft auf. "Wir müssen jetzt schnell ein taktisches Konzept entwickeln", kündigte der 34 Jahre alte Skibbe als erste Amtshandlung an. "Fest steht, dass sich gewisse Dinge ändern werden. Was genau, wird man sehen", kündigte Völler am Freitag an. Konkret wurde er aber nur in einem Punkt: "Wir werden ohne klassischen Libero spielen."
Bis zum 8. August, wenn in der Frankfurter DFB-Zentrale das Aufgebot für das Testspiel am 16. August in Hannover gegen Spanien benannt werden soll, will die neue sportliche Führung die künftige Marschroute festgelegt haben. Mit welchem personellen Gerüst der Neuaufbau vollzogen wird, ließ Völler offen. "Ich habe einen gewissen Spielerkader im Kopf, möchte aber zu einzelnen Namen nichts sagen", sagte er. Beim Liga-Cup-Duell zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem TSV 1860 München genügten mit Mario Basler und Thomas Häßler am ehesten noch die Routiniers höheren Ansprüchen. Der von Ribbeck ausgebootete Basler machte danach keinen Hehl daraus, dass er zu einem Comeback bereit wäre.
Dagegen wehrte der 34-jährige Häßler, der in der vergangenen Saison im Streit mit Skibbe von Dortmund nach München floh, alle Anfragen um eine Fortsetzung der internationalen Laufbahn ab. Der Mittelfeldspieler hatte nach der EM im Gegensatz zu dem gleichaltrigen Ulf Kirsten keinen Rücktritt aus der DFB-Auswahl erklärt. Bei den Halbfinal-Spielen um den Liga-Pokal am Wochenende in Dessau und Augsburg sowie beim Endspiel am Dienstag in Leverkusen wollen Völler und Skibbe weitere Kandidaten unter die Lupe nehmen.
Reibereien und Unstimmigkeiten wie beim Vorgängerduo Erich Ribbeck und Uli Stielike, deren Teamwork im Unfrieden vor der EM-Pleite vorzeitig endete, erwartet das neue Gespann nicht. "Wir haben bei unseren Gesprächen festgestellt, dass wir in vielen Dingen übereinstimmen. Natürlich werden auch wir hin und wieder unterschiedlicher Auffassung sein, aber wir müssen nach Außen eine Sprache sprechen", sagte Völler, der Skibbe als seinen Wunschkandidaten bezeichnete: "Er war in dieser Konstellation die beste Lösung, weil er trotz seines jungen Alters bereits eine große Erfahrung hat."
Skibbe bemühte sich in den ersten Stunden nach seiner Ernennung darum, seine Rolle als zweiter Mann zu betonen. "Ich bin in die Konzeption voll eingebunden, aber Rudi gibt das Kommando vor und bestimmt Richtung und Tempo", schilderte er die künftige Rollenverteilung. Skibbe, Inhaber der A-Lizenz, wird die Trainingspläne ausarbeiten und das Geschehen während der Übungseinheiten leiten. Die personelle und konzeptionelle Verantwortung liegt bei Völler.
Am Freitag hatte erwartungsgemäß auch Borussia Dortmund dem Wechsel zugestimmt und Skibbe zum 1. August aus seinem Vertrag als Jugendkoordinator des BVB entlassen. Damit leiste der Verein einen wesentlichen Beitrag im Rahmen der Bemühungen des DFB "zur raschen Wiederbelebung der deutschen Nationalmannschaft", schrieb der Club in einer Pressemitteilung. BVB-Manager Michael Meier betonte, für Skibbe stünden die Türen zurück zum BVB "jederzeit sperrangelweit offen".
Bis mindestens zum Jahr 2004 aber setzt der DFB auf die Qualitäten Skibbes. "Die Aufgabe ist wahnsinnig attraktiv, eine tolle Herausforderung", sagte der neue DFB-Angestellte, dessen Aufgaben nach dem gemeinsamen Jahr mit Völler bis zur Amtsübernahme von Christoph Daum als Chefcoach noch nicht definiert sind. "Ich habe genaue Vorstellungen, die werde ich in nächster Zeit mit Christoph Daum hinter verschlossenen Türen besprechen", so Skibbe. Vermutlich soll er als Nachwuchs-Koordinator die Talentförderung beim DFB optimieren.