Nationalmannschaft: "Die Stimmung ist besser als 1996" - DER SPIEGEL
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Nationalmannschaft "Die Stimmung ist besser als 1996"

Taktik geklärt, Zweifel beseitigt, Köpfe frei gemacht: Vor der Abreise aus dem Trainingslager auf Mallorca befand sich das DFB-Team in Aufbruchstimmung.
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Palma de Mallorca - "Vor der EM 1996 war es ähnlich, wobei die Stimmung jetzt fast noch besser ist als vor vier Jahren", erklärte Mittelfeldspieler Mehmet Scholl am Donnerstag, einen Tag vor der Rückkehr aus dem Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft auf den Balearen ins heimische München. "Jetzt müssen wir nur noch Erfolg haben", meinte der Münchner, der bei der Neuauflage des EM-Finales am Samstag im Frankenstadion (19 Uhr/live im ZDF) in der Anfangsformation stehen wird. Auch DFB-Teamchef Erich Ribbeck sprach zufrieden in einem Fazit der Trainingstage davon, dass auf der Mittelmeerinsel alle gesetzten Ziele voll erfüllt worden seien.

Die wichtigsten Resultate der kurzen Trainingsmaßnahme waren: Die Strategie-Debatte im Team ist nach intensiven Diskussionen beendet. Im Kreis der 22 Spieler und der Betreuer wurden Zweifel beseitigt und durch Optimismus ersetzt. Zudem ist das Gruppenklima und Sozialverhalten nach Darstellung von Ribbeck und Akteuren vorbildlich. Und als eventuell wesentlichster Punkt: Der Ehrgeiz der vor einem Monat noch desolat wirkenden Truppe ist entfacht. "Jeden Tag wurde die Stimmung besser und optimistischer. Mittlerweile ist es doch so, dass uns keiner zutraut, dass wir bei der EM die Vorrunde überstehen. Jetzt wollen wir die Leute überraschen", berichtete Scholl vom Einstellungswandel: "Wir tun es auch für Deutschland. Keiner hat Lust, nach einer Woche EM wieder die Koffer zu packen."

Auch Ribbeck sagte: "Den Spielern ist bewusst, dass diese Mannschaft das Aushängeschild der Nation ist. Das macht uns Trainern die Arbeit leichter." In der sieglosen Phase von Mitte November bis zum 4:0 in der Testpartie am Dienstag über den spanischen Erstligisten Real Mallorca standen die DFB-Interessen bei den Akteuren vor lauter Stress einfach zurück. "Wenn du 15 englische Wochen hat, kommst du zur Nationalmannschaft und bist nicht böse, wenn du mal draußen bist. Das ist jetzt anders", sagte Scholl. Der Wandel im Team des Titelverteidigers sei unter optimalen Bedingungen auf Mallorca vollzogen worden: "Wir hatten zuerst auch Zweifel. Ist man müde? Ist man abgelenkt? Aber es ist eindeutig klar geworden, ja, man ist mit Leib und Seele dabei", so der 29-Jährige.

Ribbeck hielt seine Akteure dazu an, vor allem im nicht öffentlichen Training auch engagiert zu diskutieren und sich die Meinung zu sagen. Es sei zeitweise "laut" zugegangen, die Sprache sei "derb" gewesen, sagte der Teamchef. Das Ergebnis der taktischen Erarbeitung: Das DFB-Team wird bei der EM-Endrunde und beim Tschechen-Test ein 3-5-2-System mit verschiedenen Variationen praktizieren. "Ob 3-5-2 oder 4-4-2. Im Grunde macht man nichts falsch, weil das die Spieler aus den Vereinen kennen", nannte Scholl die Vorteile der Taktik, die für Ribbeck eine Abkehr des lange praktizierten Drei-Mann-Sturms bedeutet.

Als Zeichen dafür, dass dieser Entscheid auch durch die personelle Auswahl definitiv ist, vollzog der DFB am "Vatertag" die offizielle Meldung. Um 9.22 Uhr sandte die DFB-Teamleitung ein Fax vom Golf Hotel Son Vida auf Mallorca in das UEFA-Headquarter nach Nyon am Genfer See und bestätigte die 22 Namen der nominierten Spieler. Nach der Rückkehr vom Training überraschten die UEFA-Dopingkontrolleure das DFB-Team. Erstmals wurden schon vor Turnierbeginn unangemeldet Dopingtests vorgenommen. Kahn, Lehmann, Babbel und Jeremies waren "auserwählt" worden.

Nachnominierungen sind nach Meldeschluss nur noch bis Turnierbeginn möglich, wenn die Verletzung eines nominierten Spielers ärztlich attestiert wird. Doch Ribbeck kommt mit der bestehenden "Gruppe", wie er seine Versammlung von Profi-Fußballern gerne nennt, gut klar. "Es hat aus meiner Sicht nie ernsthafte Probleme gegeben. Wenn 17, 18 Spieler glauben, dass sie in der Anfangsformation stehen, ist das ein großer Konkurrenzkampf. Die Gruppe geht dennoch sehr gut miteinander um", erklärte der Teamchef und fügte, nicht ganz ernst gemeint, hinzu: "Es hat noch keine Schlägereien gegeben." Somit ist fast alles geklärt, bis auf die Besetzung einzelner Positionen.

"Es gibt Fixpunkte", sagte der Teamchef, doch die Aufstellung für den Härtetest am Samstag verriet er nicht. Auch etliche Spieler wissen noch nicht Bescheid, wobei dies beabsichtigt ist. Auch Spannung erhöht die Leistungsbereitschaft. Im Vergleich zur EM-Vorbereitung 1996 war Mallorca jedenfalls ein Top-Erfolg. Scholl: "Damals waren wir in Nordirland. Das war das Langweiligste, was ich im Leben jemals erlebt habe."

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