Nationalmannschaft "Eine tolle Sache"
Gravenbruch - In hellblauem Hemd und dunklen Sakko hatte DFB-Teamchef Rudi Völler am Montagmittag im Hotel Gravenbruch Kempinski bei Frankfurt auf dem Podium zur Pressekonferenz Platz genommen. Und den nicht allzu zahlreich anwesenden Journalisten präsentierte sich ein gelöster Mann.
Nachdem er die erneuten Fragen zur Beendigung seiner Funktion als verantwortlicher Mann auf der Bank bei Bayer Leverkusen mit dem vom Wochenende geübten Gleichmut beantwortet hatte, widmete sich der 40-Jährige der Faszination Nationalmannschaft. "So eine wichtige Aufgabe", erklärte Völler, "kann man nicht mit halber oder dreiviertel Kraft erledigen". Überhaupt liege ihm die "Arbeitsweise" im DFB-Team mehr als die in einem Bundesligaverein: "Zwischendurch hat man Zeit ein wenig durchzuatmen."
Die Arbeit vor dem Länderspiel in Kopenhagen verriet Völler, habe in erster Linie jedoch Michael Skibbe, "mein Partner, meine rechte Hand oder wie immer man das nennen mag" erledigt. Während Völler sich in den letzten Tagen mit Leverkusen im Dauerstress ("Alle drei Tage ein Spiel, tägliches Training") befunden hatte, habe Skibbe sich sehr intensiv mit den Dänen beschäftigt. Die Aufgaben auf der Bank der Nationalmannschaft scheinen deutlicher verteilt zu werden. Der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund wird künftig jene Aufgabe angehen, die Christoph Daum nur konzeptuell hatte andenken können: "Die Erneuerung der Trainingsstrukturen beim DFB bis hinein in den Jugendbereich."
Rudi Völler wirkt derzeit so, als ob er sich seine tatsächliche Arbeitsweise beim DFB in den nächsten Wochen und Monaten wohl noch zusammensuchen muss. Denn, und das betonte er auch am Montag mehr als einmal, "Rudi Riese" wird sich nach dem Mittwochsspiel pro forma erst einmal wieder als Sportdirektor bei Bayer Leverkusen verdingen. Da jedoch am 27. Februar bereits das nächste Freundschaftsländerspiel gegen Frankreich in Paris ansteht, dazu im März schon der Doppelspieltag in der WM-Qualifikation gegen Albanien und Griechenland (24. und 28. März) lässt sich erahnen, dass sich die Wiederaufnahme seiner offiziell noch bis 2003 datierten Tätigkeit in Leverkusen sehr gut auch im Erledigen letzter Aufgaben erschöpfen könnte. Völlers Erklärung, er werde, wie ja bekannt sei, erst mal bis ins Frühjahr 2001 wieder für Bayer aktiv sein, fiel weit weniger leidenschaftlich aus als sein Bekenntnis zur Beendigung seiner Trainerarbeit in der BayArena: "Klar, dass da ein Schlussstrich gezogen werden musste."
Was die anderen Personalien, die für die Aufgabe gegen Dänemark anging, konnte der Teamchef gleichwohl nur mit dem Wissen aus der Zeitung glänzen. "Ich habe auch gehört, dass es Experimente geben wird", antwortete Völler grinsend auf die Frage nach Gerüchten, er wolle in Kopenhagen Spieler zum Zug kommen lassen, die in den letzten Spielen eher mit der Bank hatten vorlieb nehmen müssen. Zur Aufstellung könne er noch nicht viel sagen, bat der Teamchef um Verständnis, dazu wolle er zunächst noch die bis zum Mittwoch verbleibenden drei Trainingseinheiten und die gesundheitliche Entwicklung der angeschlagenen Spieler abwarten.
Neben den verletzungsbedingten Absagen von Marko Rehmer (Hertha BSC Berlin) und Jens Jeremies (Bayern München) drohen auch die ins Mannschaftsquartier nach Gravenbruch gekommenen Berliner Dariusz Wosz und Stefan Beinlich auszufallen. Nachnominierungen plane er nicht. Notfalls werde man eben mit den 18 Spielern die Reise in den "Hexenkessel" von Kopenhagen antreten, an den Rudi Völler gute Erinnerungen hat.
Er selbst, sagte der Teamchef, sei ja auch schon mal in Dänemark dabei gewesen, "und ich glaube, ich habe sogar ein Tor gemacht." - "Zwei Tore", korrigierte ihn Mediendirektor Wolfgang Niersbach. Völler war es ruditechnisch egal: "Es ist eine tolle Sache, in Dänemark spielen zu können."