Nationalmannschaft: Machtwort vom Teamchef - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nationalmannschaft Machtwort vom Teamchef

Erich Ribbeck hat sich gegen die öffentliche Kritik an der Berufung von Horst Hrubesch als sein künftiger Co-Trainer zur Wehr gesetzt. Zum Thema "Stielike" hingegen schweigt er eisern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Erich Ribbeck bleibt nach der Trennung von Uli Stielike auf hartem Kurs. Der Teamchef wies die öffentliche Kritik an der Berufung von Horst Hrubesch zum Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft vehement zurück, erklärte den "Fall Stielike" als endgültig beendet und stellte für seine EM-Berufung am 22. Mai einige Härtefälle in Aussicht. "Die Aufgabe von Horst Hrubesch, Erich Rutemöller und Sepp Maier besteht nicht darin, Erfolge und Meistertitel nachzuweisen. Sie müssen in der Lage sein, mir so zu helfen, dass bei der EM der bestmögliche Erfolg herausspringt", sagte der DFB-Teamchef am Dienstag und reagierte damit auf Stimmen, die das Hrubesch-Konzept als Notlösung mit einem bisher erfolglosen Trainer abgestempelt hatten.

Die Trennung von Bundestrainer Uli Stielike fünf Wochen vor dem EM-Start will der 62-jährige Chefcoach ab sofort nicht mehr kommentieren. "Es ist nicht alles schlecht, was gelaufen ist. Aber das Thema ist für mich erledigt. Der Blick geht nur noch in die Zukunft", betonte Ribbeck, der mit seinen neuen Assistenten "ständig in Kontakt stehen wird". Es sei für ihn nicht wichtig, "ob einer gelernter Dachdecker oder Anstreicher ist", seine Trainer-Kollegen müssten einfach mit den Spielern umgehen können. Mit Stielike hätte es keine gemeinsame Basis mehr gegeben.

Details über eine Veränderung des Zusammenwirkens zwischen Chef und Assistenten wollte Ribbeck nicht nennen: "Ich bin nicht bereit, öffentlich darüber zu sprechen." Das ganze Gerede "über System und Taktik kann ich nicht mehr hören", entgegnete er seinen Kritikern, die Stielike im Gegensatz zu Ribbeck als Fachmann sahen. "Das ist alles populistisch und polemisch, aber nicht objektiv", meinte der Teamchef. "Fragen Sie doch mal bei den Bayern, warum die einmal mit Libero und einmal mit Viererkette, einmal mit drei Spitzen, dann mit Scholl weiter hinten spielen." Auch "dass ich kein Konzept habe, ein Stamm nicht feststeht, ist so ein Märchen." 13, 14 Spieler seien bei den letzten Länderspielen immer dabei gewesen, mit den verletzt fehlenden käme sogar ein Stamm von 16 bis 17 zusammen.

Der Teamchef kündigte für den 22. Mai, zwei Tage nach Bundesliga-Abschluss, die Nominierung seines 22-köpfigen EM-Kaders an. "Dabei wird es keine sensationellen Sachen geben", sagte Ribbeck. Bei der Benennung seines Kaders werde er auch "die Erkenntnisse aus dem Schweiz-Spiel" mit einfließen lassen. Damit dürfte Ribbeck vor allem jene Spieler meinen, die sich beim blamablen 1:1 eine Auszeit genommen hatten. "Es wäre allerdings ein Fehler, alles pauschal zu beurteilen. Als Verantwortlicher darf man sich nicht von der Oberflächlichkeit anstecken lassen. Es wäre fahrlässig, wenn ich nicht differenzieren würde", betonte der Cheftrainer.

"Bei 22 Spielern wird es Härtefälle geben. Es ist nicht zu vermeiden, dass die nicht Berücksichtigten nicht begeistert sind. Und dass auch die Vereinstrainer nicht begeistert sind, die gern ihre Spieler bei der EM sehen", sagte Ribbeck. Er könne es als ehemaliger Bundesliga-Trainer auch verstehen, dass seine Kollegen "Spieler anpreisen, die nicht geeignet sind". An die Änderung seiner Einstellung ("Ich lasse mich nur an der EM messen") denkt Ribbeck nicht: "Man kann das ganze negative Energie-Potenzial auch nutzen."