Nationalspieler Schweinsteiger: Dynamik außer Dienst - DER SPIEGEL
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Deutschland vs. Südafrika: Torpremiere für Mesut Özil

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Nationalspieler Schweinsteiger Dynamik außer Dienst

Was für ein Kontrast. Mesut Özil hat das deutsche Spiel beim Sieg gegen Südafrika bestimmt, Bastian Schweinsteiger lieferte dagegen eine Leistung zum Wegschauen: Ballverluste, Kullerpässe, Schlappschüsschen. Wie tief geht die Krise des Münchners?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es lief die erste Halbzeit, als Bastian Schweinsteiger eigentlich nichts falsch machen konnte. Der Ball ruhte, es war ein Freistoß für die deutsche Mannschaft in der eigenen Hälfte, kein Gegner in Sicht. Schweinsteiger wollte wohl Mesut Özil anspielen, der ein paar Meter entfernt stand - aber der Ball schaffte es nicht so weit. Er kullerte in Özils Richtung. Und landete bei einem Südafrikaner.

Schweinsteiger hob verzweifelt die Arme, und es war in diesem Moment nicht ganz klar, ob er Özil meinte, den Ball oder sich selbst. Es gab viel zu viele unglückliche Szenen von Bastian Schweinsteiger gegen Südafrika.

Natürlich ist das Spiel des Münchners schon immer risikoreich gewesen, es lebt von Überraschungsmomenten, Dribblings, Fernschüssen. Aber als Basis hatte er stets eine natürliche Dynamik und eine feine Technik - fehlerlose Ballannahme und Mitnahme inbegriffen.

Wenn das mal wieder nicht funktioniert, seit Wochen weder im Verein noch in der Nationalmannschaft, wenn Schweinsteiger auf der rechten Seite so langsam wirkt und behäbig im Vergleich zu Marko Marin auf der linken, wenn ihm die leichtesten Bälle verspringen, dann stellt sich die Frage: Wie tief geht die Krise des Mittelfeldspielers diesmal?

Zumal nicht mal der Aufenthalt beim DFB-Team zu helfen scheint. Der galt ja noch immer als Wellness-Kur für clubgepeinigte Problemkinder, man frage nach bei Lukas Podolski oder Miroslav Klose. Auch Schweinsteiger hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder davon profitiert.

EM 2008 als persönliche Krisenbewältigung

So wie bei der Europameisterschaft 2008, als er nach einer durchschnittlichen Saison bei den Bayern (ein Tor, nur elfmal durchgespielt, neunmal ein-, zehnmal ausgewechselt) anfangs aufgrund mangelnder Fitness nicht zur Startelf gehörte. Im zweiten Spiel gegen Kroatien sah er zudem eine Rote Karte, ehe er sich im Viertelfinale gegen Portugal aus seiner persönlichen Krise schoss. Beim 3:2-Sieg erzielte er ein Tor selbst, bereitete die beiden anderen von Miroslav Klose und Michael Ballack vor und wurde auch noch zum "Mann des Spiels" gewählt.

In der Mixed Zone nach der Partie gegen Südafrika hat Bastian Schweinsteiger nicht viel über seine eigene Leistung gesprochen. Er lobte die Mannschaft, "wir haben schön gespielt und auch gewonnen". Es war ja wirklich mitunter schön anzuschauen, wie Deutschland vor allem in Hälfte zwei kombinierte. Mit Özil, Marin, Ballack, Rolfes.

Der misslungene Schussversuch. Der Kullerpass. Die Ballverluste.

Aber haften bleiben Szenen wie die in der 58. Minute, als Schweinsteiger allein vor Südafrikas Torhüter Rowen Fernandez das 2:0 vergibt. Oder die Kopfballablage von Mario Gomez, die Schweinsteiger vom Fuß springt. Der Schussversuch in der ersten Halbzeit, aus 30 Metern, direkt in den Gegenspieler hinein. Der Kullerpass. Die Ballverluste. Man versteht dann auch, dass Bastian Schweinsteiger in der Mixed Zone sagt, man solle das Spiel nicht überbewerten.

Wie tief geht die Krise?

Gerade hat Bastian Schweinsteiger dem neuen KinderSPIEGEL ein Interview gegeben. Die erste Frage der Kinderreporter: "Wie fühlt man sich mit Puderzucker im Hintern?" Es ist bezeichnend, dass selbst Kindern beim Sommermärchen-Helden a.D. zuerst jenes Zitat des Bayern-Managers Uli Hoeneß einfällt, der erklärte, Schweinsteiger hätten "zu viele Leute zu viel Puderzucker in den Hintern geblasen". Das werde er ändern, so Hoeneß, der Kritisierte solle wieder mehr arbeiten auf dem Platz. Fast drei Jahre ist das jetzt her. Immer mal wieder hat Hoeneß dem Eigengewächs danach vorgeworfen, sich nicht zu entwickeln. Ein Mitläufer zu sein.

Bisher hat sich Schweinsteiger immer wieder gefangen

25 Jahre alt ist Schweinsteiger jetzt, er spielt immer noch in München. Es gibt auch Menschen, die fragen, warum der hoch talentierte Spieler noch nicht ins Ausland gewechselt ist. Oder zu einem Bundesliga-Club mit Ambitionen, bei dem Schweinsteiger regelmäßig auf einer Position spielen kann. Und nicht Verschiebemasse ist wie in München, wo sie jetzt erst mal alle "Robbéry" bejubeln.

Bisher, das darf ihn beruhigen, hat sich Schweinsteiger immer wieder gefangen. Am Mittwoch gegen Aserbaidschan (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kann er ja schon wieder glänzen, dribbeln und Tore schießen.

Nur sollte man das, wenn es denn klappt, auch noch nicht überbewerten.