Nationalteam: "Unser Stil wird bleiben" - DER SPIEGEL
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Nationalteam "Unser Stil wird bleiben"

Vor dem Testländerspiel gegen Brasilien ist die Aufbruchsstimmung im DFB-Team deutlich zu spüren. Mit neuen Methoden hat Bundestrainer Jürgen Klinsmann auch den angekündigten frischen Wind in die Trainingsarbeit gebracht. Doch Mannschaftskapitän Michael Ballack warnt vor allzu radikalen Veränderungen.
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Berlin - "Wir wollen bereits gegen Brasilien zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind", sagte Ballack vor der WM-Finalrevanche gegen den fünfmaligen Weltmeister Brasilien am Mittwochabend im Berliner Olympiastadion (20.45 Uhr/live im SPIEGEL ONLINE-Ticker). Zudem möchte die deutsche Fußballnationalmannschaft ihre schwarze Serie gegen so genannte "große Gegner" beenden - seit dem 7. Oktober 2000 (1:0 in England) konnte Deutschland in zehn Versuchen keine namhafte Mannschaft mehr bezwingen.

Auch Klinsmann hofft, dass nach dem 3:1 in Österreich bei seinem Trainerdebüt drei Wochen zuvor in Wien gegen Ronaldo und Co. weitere Fortschritte bei seiner Mannschaft festzustellen sind und vielleicht sogar eine Überraschung gelingt. "Die Jungen ziehen toll mit und versuchen, die neuen Dinge direkt umzusetzen. Das wollen wir möglichst auch im Spiel sehen, auch wenn Brasilien natürlich ein anderer Brocken als Österreich ist. Aber wir müssen das Selbstbewusstsein haben, gegen jeden Gegner bestehen zu können", forderte der 40-Jährige nach drei ungewohnt lange und intensive Trainingseinheiten am Wochenende.

Spieler angetan von den Neuerungen

Dabei betrat die DFB-Auswahl bei einem unter Aufsicht von amerikanischen Spezialisten durchgeführten Fitnesstest absolutes Neuland, die von den deutschen Spielern größtenteils mit Neugierde aufgenommen wurden. "Das waren hoch interessante Übungen, die ich weiter ausüben werde, weil ich glaube, dass sie mich weiterbringen", sagte beispielsweise Torwart Jens Lehmann. Auch Ballack war von den ungewohnten Trainingsinhalten angetan: "Das waren viele neue Dinge, die für uns aber nützlich sein können. Deshalb haben auch alle mit großem Spaß mitgemacht", stellte der DFB-Kapitän fest. Klinsmann will erst die Ergebnisse abwarten und dann die entsprechenden Maßnahmen in Absprache mit den Spielern und den Clubs einleiten, um die individuellen Defizite bei seinen Profis bis zum WM-Start 2006 zu beheben. "Wir werden diese Tests regelmäßig alle 6 bis 7 Monate wiederholen", kündigte der Völler-Nachfolger an.

Ballack verwies allerdings auch auf das Risiko, das in den gegenwärtigen Neuerungen steckt. "Wir können etwas verbessern, aber unser Stil wird bleiben. Wir dürfen ihn auch nicht zu sehr verändern. Denn wenn man zu viel verändern will, verlieren wir auch unsere Stärke", meinte der Mittelfeldspieler mit Hinweis auf die Vize-Weltmeisterschaft 2002. Dort sei gerade die Mentalität ausschlaggebend für den Erfolg gewesen. "Wenn wir mit Glück 1:0 gegen Brasilien gewinnen und die anderen sind eigentlich besser - das ist doch auch etwas Schönes", sagte Ballack.

Im frisch renovierten Berliner Olympiastadion könnte auch Sebastian Deisler seine Rückkehr im Nationaldress feiern. Zwar wollte Klinsmann noch nicht bestätigen, dass der wieder genesene Bayern-Spieler in der Startelf stehen wird. Doch der 24-Jährige selbst sieht keinen Grund mehr für eine Schonfrist wie zuletzt beim Spiel in Österreich. "Für mich gilt jetzt, so viele Spiele wie möglich zu machen. Dazu gehört auch die Nationalmannschaft", erklärte Deisler. Es sei für ihn "ein echter Neuanfang", ergänzte der zuletzt von einer schweren Depression zurückgeworfene Fußballprofi und redete offen über seine Gefühle: "Für mich ist jedes Spiel ein echtes Geschenk, es sah ja schon mal ganz anders aus."

Ernst angeschlagen, Kahn trainiert wieder

Bei den Trainingseinheiten am Sonntag konnte der Bremer Fabian Ernst wegen einer Verletzung am rechten Knie nicht mit der Mannschaft trainieren, soll aber rechtzeitig wieder fit werden. Torwart Oliver Kahn higegen kehrte nach überstandenen Halswirbel-Problemen ins Teamtraining zurück. "Natürlich hat die Partie einen hohen Stellenwert - für die ganze Mannschaft, nicht nur für mich. Danach weiß man, wo man steht", erklärte Kahn.

Teammanager Oliver Bierhoff eröffnete derweil eine Sympathie-Offensive, denn nicht zuletzt die Spiele und die Abschottung bei der EM in Portugal kostete das DFB-Team viele Pluspunkte. "Wir müssen einfach Dinge tun, damit die Leute wieder dieses Wir-Gefühl bekommen", betonte der Teammanager. Als einen ersten Schritt hatte Bierhoff die Olympioniken Robert Bartko (Rad), Patrick Weissinger (Wasserball) und Tibor Weißenborn (Hockey) zu einem gemeinsamen Essen ins Hyatt-Hotel im Herzen der Hauptstadt eingeladen, wo das DFB-Team logiert.

Bierhoff erhofft sich eine "Initialzündung für unsere Spieler" aus den Berichten, wie in anderen Sportarten mit dürftiger Förderung und weit weniger Geld Großes geleistet werden kann. "Ich denke, dass wir uns viel mehr mit dem beschäftigen, was wir tun", sagte Weissinger, "wir horchen mehr in unseren Körper hinein. Verwunderlich, dass das Fußballer weniger tun."