Nations League: Das müssen Sie zum Spiel Deutschland gegen Griechenland wissen - DER SPIEGEL
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Nations League in Augsburg Das müssen Sie zum Spiel der Alpha-Griechen gegen Klopps Beta-Deutsche wissen

Es ist die Heimpremiere für Bundestrainer Jürgen Klopp, die Euphorie im Stadion wird groß sein. Ein Sieg gegen starke Gäste ist aber nicht garantiert. Alles Wichtige zum Duell mit Griechenland.
Aus Augsburg berichtet Peter Ahrens
Jürgen Klopp beim Länderspiel gegen die Niederlande
Jürgen Klopp beim Länderspiel gegen die Niederlande

Jürgen Klopp beim Länderspiel gegen die Niederlande

Foto:

Koen van Weel / EPA

Jürgen Klopp ist natürlich auch für Olympische Spiele in Deutschland. Der ARD‑»Sportschau« hat er erzählt, wie er als Fünfjähriger mit seinem Vater zu den Spielen 1972 nach München gereist sei. »Ich wäre überzeugt davon, dass wir ein wundervolles Land wären, um Olympische Spiele stattfinden zu lassen, die Welt nach Deutschland einzuladen und unser schönstes Gesicht zu zeigen.« Damit ist das auch geklärt.

Es wäre auch ungewöhnlich gewesen, wenn der Bundestrainer dieser Tage nicht auch noch zu diesem Thema Stellung genommen hätte. Jürgen Klopp ist zurzeit allgegenwärtig. In den Nachrichtenagenturen dpa und SID taucht nur an diesem Wochenende bisher mehr als 60 Mal sein Name auf. Dabei steht das Wichtigste erst am Abend an: die Heimpremiere von Klopp als Bundestrainer gegen Griechenland in Augsburg (Anpfiff 20.45 Uhr, ARD und im Liveticker auf SPIEGEL.de).

Hier erfahren Sie, was es über diese Partie im Vorfeld zu wissen gibt.

Worum geht es heute Abend?

Es ist die zweite Partie der Gruppenphase der Nations League für die deutsche Mannschaft. Nach dem 1:1 in den Niederlanden am Donnerstag in Amsterdam hofft das Team heute auf den ersten Sieg unter Klopp. Neben Oranje und Griechenland ist auch noch Serbien Gruppengegner der Deutschen. Die Serben sind der nächste Gegner am 1. Oktober in München.

Jürgen Klopp in Amsterdam

Jürgen Klopp in Amsterdam

Foto: Koen van Weel / EPA

Die Ergebnisse der Nations League sind letztlich wenig entscheidend. Das Turnier hat auch bei seiner nun fünften Auflage immer noch das Renommee besserer Testspiele. Mehr nicht. Dennoch: Im Moment ist jedes DFB-Länderspiel besonders im Fokus. Das ist nun einmal der Klopp-Effekt.

Wer ist der Gegner?

Bei Fußball und Griechenland denkt man sofort an Otto Rehhagel. Der Rehhakles, der 2004 als Trainer die Sensation fertigbrachte, ein Team von Nobodies mit seiner entnervenden Defensivtaktik zum EM-Titel zu coachen. Torwart Antonis Nikopolidis mit seiner George-Clooney-Attitüde, Abwehrboss Traianos Dellas, Mittelfeldstratege Giorgos Karagounis, Torschütze Angelos Charisteas – eine legendäre Truppe.

Diese Zeiten sind längst vorbei, es folgte der Absturz in die Zweitklassigkeit. Griechenland hat sich jetzt aber unter Trainer Ivan Jovanović zu einer interessanten Adresse im europäischen Fußball entwickelt. Das Team hat die Qualifikation zur WM im Sommer zwar verpasst, aber mit dem Aufstieg in die Topgruppe der Nations League aufhorchen lassen.

Der DFB-Auftakt in Amsterdam endete remis

Der DFB-Auftakt in Amsterdam endete remis

Foto: Koen van Weel / EPA

Klopp hat am Samstag vor der Presse die aktuelle griechische Mannschaft als »goldene Generation« geadelt. Dass er in dem Zusammenhang bemängelte, dass kein deutscher Journalist bei der Pressekonferenz bis dahin nach den Griechen gefragt habe, nahm er als Zeichen, dass die Öffentlichkeit von diesem Aufschwung noch nicht so Kenntnis genommen habe. Kein Auftritt von Klopp ohne einen Seitenhieb auf die Medien. Das ist Grundgesetz.

In der Sache hat Klopp allerdings recht. Die griechische Mannschaft ist relativ jung – trotzdem spielten viele Akteure jetzt schon bei Spitzenclubs im Ausland. AS Rom, Benfica Lissabon, Brighton and Hove Albion, FC Arsenal. In Deutschland hat der 18‑jährige Konstantinos Karetsas, seit dieser Saison bei Borussia Dortmund, schon Schlagzeilen gemacht.

Der frühere Düsseldorfer Christos Tsolis hat es über die Zweite Bundesliga und den FC Brügge mittlerweile zum FC Arsenal geschafft, ihn kann man als den Star des Teams bezeichnen. Der gefährlichste Stürmer der Griechen hat auch eine deutsche Vergangenheit. Vangelis Pavlidis stand mal beim VfL Bochum und bei der zweiten Mannschaft des BVB unter Vertrag. Gezündet hat er aber erst als Angreifer bei AZ Alkmaar, jetzt schießt er seine Tore für Benfica.

Das erste Spiel der Nations League hat Griechenland 2:1 in Serbien gewonnen. Das Siegtor fiel zwar erst in der Nachspielzeit, war aber letztlich hochverdient. Die Griechen spielten dominant auf und hatten bis dahin mehrere Topchancen vergeben.

Wer spielt für Deutschland? Und wer nicht?

Durch die Aufteilung des Riesenkaders in zwei Gruppen hat Jürgen Klopp von vornherein auf Spieler wie die Bayern Lennart Karl und Aleksandar Pavlović sowie David Raum und Nick Woltemade verzichtet. Sie werden erst in den Partien gegen Serbien und beim Rückspiel in Griechenland berücksichtigt. Das sollte eigentlich auch für Florian Wirtz und den Frankfurter Jonathan Burkardt gelten. Da sich aber sowohl Jamal Musiala als auch Kai Havertz gegen die Niederlande verletzten, wurden die beiden Spieler aus dem Kader II kurzfristig in den Kader I vorgezogen. Klopp hat allerdings angekündigt, dass beide erst einmal auf der Bank Platz nehmen werden.

Nico Schlotterbeck darf dieses Mal pausieren

Nico Schlotterbeck darf dieses Mal pausieren

Foto: Maximilian Koch / IMAGO

Aus dem Niederlandeangebot strich er zudem den Dortmunder Nico Schlotterbeck, dem er nach seiner langwierigen Verletzung eine Pause gönnt. Auch im Tor gibt es einen Wechsel: Alexander Nübel ersetzt Marc-André ter Stegen, der gegen die Niederlande Licht und Schatten offenbarte. Der Verzicht auf ter Stegen habe allerdings nichts mit dessen Leistung zu tun, betonte Klopp gegenüber der Öffentlichkeit.

So wird eine eher an Länderspielen unerfahrene Startelf am Abend in Augsburg beginnen. Joshua Kimmich und Felix Nmecha bilden zwar die Doppelsechs, die wohl auch auf Dauer Bestand haben soll. Aber um sie herum spielt wohl eine Elf mit zahlreichen Profis, die bei der WM nicht dabei waren: Neben dem gesetzten Jonathan Tah wird in der Innenverteidigung der Italien-Profi Yann-Aurel Bisseck erwartet. Vorn soll das Trio Kevin Schade, Karim Adeyemi und Younes Ebnoutalib stürmen. Zusammen kommen die drei auf 20 DFB-Einsätze.

Augsburg als Länderspielstadt?

Der Standort Augsburg hat jetzt schon etwas Besonderes zu bieten: Erstmalig seit Langem wird es bei diesem Länderspiel in Deutschland wieder Stehplätze geben. Dies sei ein bewusster Schritt, um die Unterstützung durch die Fans zu steigern, sagt Klopp. »Die Stimmung im Stadion hat dramatische Auswirkungen auf die Leistung. Menschen, die stehen, da kommt die Lautstärke her.« Es komme darauf an, dass »die richtigen Leute« im Stadion seien, dann sei auch die entsprechende Atmosphäre gewährleistet.

Das Regenspiel 2016 in Augsburg gegen die Slowakei

Das Regenspiel 2016 in Augsburg gegen die Slowakei

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Augsburg ist noch nicht häufig Länderspielstadt gewesen. Es ist das sechste Mal, dass die Männermannschaft hier Station macht. Der bislang letzte Auftritt liegt mehr als zehn Jahre zurück. In der Vorbereitung der EM 2016 unterlag die DFB-Elf der Slowakei 1:3. In Erinnerung bleibt weniger das Spiel als vielmehr der Wolkenbruch, der die Partie für mehr als 30 Minuten unterbrach. Joshua Kimmich war damals schon dabei.

Griechenland war in Augsburg schon einmal Gegner: 1961 siegte das DFB-Team durch zwei Uwe-Seeler-Tore 2:1.

Wer pfeift die Partie?

Der Schiedsrichter ist ein alter Bekannter von Jürgen Klopp aus der Premier League, es ist der Engländer Christopher Kavanagh. Klopp wäre nicht Klopp, wenn er nicht auch mit Kavanagh in der Vergangenheit schon aneinandergeraten wäre. Beim Finale des Carabao Cups seines FC Liverpool gegen den FC Chelsea hatte Klopp die Schiedsrichterleitung als »nicht auf dem Niveau des Spiels« abgewertet.

Schiedsrichter Kavanagh in der Partie von Ipswich gegen Crystal Palace

Schiedsrichter Kavanagh in der Partie von Ipswich gegen Crystal Palace

Foto: Jordan Pettitt / PA / AP

Wer ist der Favorit?

Es ist das Heimdebüt von Jürgen Klopp, entsprechend wird wohl alles getan, um die Euphorie im Stadion hochzuhalten. Man kann sich vorstellen, was die DFB‑Stadionsprecher im Vorfeld abfackeln werden. Die Bilanz gegen die Griechen spricht eine klare Sprache: Bisher ist man zehnmal aufeinandergetroffen, die DFB-Auswahl hat noch keine einzige Partie davon verloren.

Trotzdem sollte man sich nicht wundern, wenn das beim elften Duell anders ausgeht. Die Griechen sind eingespielter, der Last-minute-Erfolg in Serbien dürfte für zusätzlichen Auftrieb sorgen. Die deutsche Mannschaft darf man, ohne dass dies abwertend gemeint ist, als eine bessere B-Auswahl bezeichnen. Griechenlands Trainer hat hingegen angekündigt, personell nur wenig zu verändern. Beta-Deutsche gegen Alpha-Griechen.

Klopp hat gesagt, im Idealfall werde man keine der Stärken der Griechen zu sehen bekommen, weil die DFB-Elf es gar nicht dazu kommen lasse. »Das wird in Zukunft so sein«, lehnte sich Klopp aus dem Fenster, »aber ob das morgen schon so ist, wird man sehen.« Grundsätzlich werde man nach dem Remis von Amsterdam schon anstreben, »jetzt nicht 500 Mal unentschieden zu spielen«.

Wenn Klopp sich aus dem Fenster lehnt, darf man das auch: Wäre ein Tipp gestattet, dann wäre ein weiteres Remis keine Sensation.

Wer überträgt die Begegnung?

Nachdem RTL mit Klopps erstem Länderspiel, gesehen von mehr als elf Millionen TV-Zuschauern, gleich eine Rekordquote eingefahren hat, hofft heute die ARD auf Ähnliches: Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger moderieren rund um das Spiel. Kommentiert wird es von Philipp Sohmer.